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Biodiversität und unternehmerische Verantwortung in der Saatgutbranche

Die Internationale Home Garden Conference von Fleuroselect beleuchtete zentrale Herausforderungen und Chancen für Saatgut produzierende Unternehmen. Im Fokus standen die Reduzierung der Folgen des Klimawandels und die Förderung der Biodiversität als Wege zur Zukunftsfähigkeit der Branche.

Nachhaltigkeit und Vielfalt als Zukunftsstrategie

Die Internationale Home Garden Conference von Fleuroselect, die Anfang September in Nordholland stattfand, beleuchtete zentrale Herausforderungen und Chancen für Saatgut produzierende Unternehmen. Im Fokus standen die Reduzierung der Folgen des Klimawandels und die Förderung der Biodiversität als Wege zur Zukunftsfähigkeit der Branche.

Rund 75 Fachleute aus neun Ländern tauschten sich über wirtschaftliche Perspektiven aus und suchten Inspiration. Die jährliche Konferenz hat sich mit ihrer Mischung aus themenbezogenen Präsentationen und Betriebsbesuchen zu einem wichtigen Ereignis für die internationale Saatgutbranche entwickelt.

Biodiversität und Fortschritte in der Züchtung

Der erste Konferenztag widmete sich der Biodiversität. Pierre Byache-Kersemaecker von Graines Lecouf Mailliet gab einen Überblick über aktuelle Entwicklungen in der Salvia-Züchtung. Die Züchtung vegetativ vermehrter Staudensalvien nimmt zu, wobei sich der Verkaufsschwerpunkt vom Frühjahr auf den Sommer verlagert hat. Einjährige Salvia werden weiterhin für farbenfrohe Teppichbeete oder Monopflanzungen eingesetzt, zunehmend aber auch mit mehrjährigen Pflanzen, Dahlien und Blumenzwiebeln kombiniert. Staudensalvien gewinnen in der Landschaftsgestaltung in Kombination mit Gräsern oder in Trockengärten an Beliebtheit.

Annemarie Kruize von De Bolster erläuterte, wie ihre Kooperative durch ökologische Züchtung eine nachhaltige Lebensmittel- und Blumenproduktion fördert. Dabei wird die „natürliche Widerstandsfähigkeit“ als Hauptkriterium bei der Selektion neuer Sorten berücksichtigt. Sie betonte die Notwendigkeit, eine breite Genetikpalette zu erhalten, um unterschiedliche Klimazonen und vielfältige globale Bedürfnisse zu berücksichtigen, insbesondere angesichts der Herausforderungen durch Patente auf Saatgut.

Teresa Hessel, Geschäftsführerin von Philipp Klein Samen, stellte das deutsche Familienunternehmen in sechster Generation vor, das die Samentüten-Marken Frankonia und Samen Pfann besitzt. Das Unternehmen ist kürzlich Fleuroselect beigetreten, um sein internationales professionelles Netzwerk auszubauen.

Hubert Keller, General Manager von Econ Seeds, präsentierte, wie sein Unternehmen Diversität in allen Aspekten fördert und sich dem Erhalt der Natur und der genetischen Vielfalt verschrieben hat. Ein internationales Team in den Niederlanden und Frankreich arbeitet an einer breiteren Produktpalette von Blumenmischungen und samenechten (OP) Blumensorten sowie an der Saatgutproduktion für Samentüten, Topf- und Beetpflanzen und die Landschaftsgestaltung.

Keller forderte die Teilnehmer auf, aktuelle Herausforderungen wie Wasserverfügbarkeit, Klimawandel und den Erhalt der Biodiversität als Chancen zu begreifen, die die Branche für sich und in der Kundenkommunikation nutzen kann.

Praxiseinblicke und Sortenprüfung

Ein Nachmittag war dem Besuch von Econ Seeds in Hoogkarspel gewidmet. Die Teilnehmer besichtigten das Saatgutlager und die Verpackungsanlagen und hatten die Möglichkeit, das Probefeld mit tausenden Pflanzen zu erkunden. Anschließend führte die Reise zu einem Versuchsfeld von PanAmerican Seed in Hem, wo Ruud Brinkkemper, Geschäftsführer Niederlande und Züchtungsleiter Europa, die Gruppe begrüßte.

Leon Vrijland, leitender Mitarbeiter im Bereich Pflanzenkulturen bei PanAmerican Seed und Fleuroselect-Jurymitglied, stellte die aktuellen Fleuroselect-Trials für einjährige Pflanzen vor. Hier werden neue Züchtungserfolge der Mitglieder mit bereits etablierten Sorten verglichen. Sorten, die signifikant besser abschneiden, erhalten am Ende der Saison eine Goldmedaille oder einen anerkannten Neuheitenschutz (Approved Novelty). Zudem wurde ein Versuch mit der gegen Falschen Mehltau resistenten Impatiens Beacon und einer Auswahl aus dem PanAmerican-Sortiment für den Hausgarten präsentiert.

Unternehmerische Sozialverantwortung als Kernstrategie

Der zweite Konferenztag konzentrierte sich auf die unternehmerische Sozialverantwortung (CSR). Martin de la Harpe, unabhängiger Nachhaltigkeitsexperte, beleuchtete Vorschriften zum Schutz der Arbeitskräfte, das Pariser Abkommen zum Klimaschutz und die Notwendigkeit für Unternehmen, die Reduzierung des CO2-Fußabdrucks in ihre Strategie zu integrieren.

Norma Wouters-Snell von Amfori rief dazu auf, Lieferketten transparent zu machen, um die Herkunft von Waren und Dienstleistungen zu identifizieren, potenzielle Probleme zu erkennen, negative Auswirkungen zu verbessern und mit Kunden zu kommunizieren. Elise Wieringa, Nachhaltigkeitsmanagerin bei Royal Lemkes, ermutigte die Teilnehmer, durch die Berechnung und Reduzierung des CO2-Fußabdrucks und eine transparente Lieferkette zum Klimaschutz beizutragen.

Zukünftige Sorten müssen Krankheitsresistenzen aufweisen, ohne Pestizide kultivierbar sein und in torffreiem Substrat wachsen können, um im Handel erfolgreich zu sein. Da der Einzelhandel und die Konsumenten über die tatsächlichen Kosten einer umweltfreundlichen Pflanzenzüchtung und Produktion aufgeklärt werden müssen, ist es Aufgabe der Züchter, die zusätzlich entstehenden Kosten zu messen und zu berechnen.

Rob Baan schloss die Konferenz mit einem Vortrag ab, der die Teilnehmer dazu anregte, ihre Einstellung zu Lebensmitteln zu überdenken. Er betonte die Bedeutung von Lebensmitteln für die Gesundheit und die Schlüsselrolle der Gartenbauindustrie in diesem Bereich. Er plädierte für eine Ernährungsumstellung auf 80 % pflanzliche Kost und 20 % Fleisch und ermutigte Unternehmen, sich an Schulgartenprojekten zu beteiligen, um Kindern den Gemüseanbau wieder näherzubringen.

Die Home Garden Conference 2024 wird von SEMO ausgerichtet und Anfang September in der Tschechischen Republik stattfinden.

26.09.2023

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