Bagger, Lader und Anbaugeräte

Europas größter Schlachthof wird zum Hanf-Zentrum: Maricann setzt auf Cannabis „Made in Germany“

Im ehemaligen größten Schlachthof Europas in Naunhof entsteht ein neues Zentrum für die Hanfverarbeitung. Der kanadische Maricann-Konzern hat die Immobilie übernommen und verarbeitet dort nun Hanfblüten zu Nahrungsergänzungsmitteln. Die erste Ernte von CBD-Hanf wurde bereits erfolgreich eingefahren und verarbeitet.

Vom Schlachthof zum Hanf-Zentrum: Die Transformation in Naunhof

Im Gewerbepark Naunhof, einst Standort von Europas größtem Schlachthof, entsteht ein neues Zentrum für die Verarbeitung von Hanf. Nach 14 Jahren Leerstand hat der kanadische Maricann-Konzern die Immobilie übernommen. Anstelle von Fleischprodukten werden hier nun Hanfblüten und deren Öle extrahiert und destilliert.

Erste Ernte und Verarbeitung von CBD-Hanf

Bereits in diesem Jahr nahm eine Trocknungs- und Verarbeitungsanlage für Cannabisprodukte ihren Betrieb auf. Zwischen August und Oktober wurde die erste Ernte eingefahren. Dabei handelte es sich um Cannabispflanzen mit dem Wirkstoff Cannabidiol (CBD), die in Deutschland erstmals legal für die Weiterverarbeitung zu Nahrungsergänzungsmitteln angebaut wurden. Täglich werden bis zu 48 Tonnen Hanfblüten verarbeitet.

Der Wirkstoff CBD wird medizinisch eine entkrampfende, entzündungshemmende und angstlösende Wirkung zugeschrieben, zudem soll er Übelkeit bekämpfen. Die europäische Tochtergesellschaft Mariplant von Maricann stellt daraus Gelkapseln zur Nahrungsergänzung her, die in Deutschland frei verkäuflich sind und zur Linderung von Schlafstörungen oder Angstzuständen eingesetzt werden. Zukünftig sollen auch die Stiele der Hanfpflanzen zur Fasergewinnung genutzt werden, beispielsweise für Seile oder Bauteile, wie sie im BMW i3 verwendet werden.

Anbau und technische Herausforderungen

Die Cannabispflanzen, die auf einer 165 Hektar großen Fläche in Limmritz, Gadewitz, Saalbach sowie zwischen Hof und Reitzen angebaut wurden, erreichten eine Höhe von drei bis vier Metern. Obwohl sie einen intensiven Duft verströmten, entfalteten sie keine berauschende Wirkung. Der THC-Gehalt lag bei lediglich 0,2 Prozent, was dem gesetzlich zulässigen Höchstwert entspricht, um einen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz zu vermeiden. Daher waren die Anbauflächen nicht besonders gesichert.

„Wer an den Feldern vorbeikam, rieb sich angesichts der Hanfblüten schon erst einmal verwundert die Augen“, so Josef Späth, Prokurist von Maricann.

Mariplant kooperierte beim Anbau mit dem Vertragslandwirt Heinz Schönleber, der fünf verschiedene, EU-genehmigte Sorten auf Lößboden kultivierte. Da nicht alle Sorten gleichermaßen ergiebig waren, plant Mariplant, zukünftig an der Entwicklung neuer Sorten zu forschen und die Anbaufläche im nächsten Jahr auf tausend Hektar zu erweitern.

Die Ernte der faserigen Hanfpflanzen stellte eine besondere technische Herausforderung dar. Mariplant entwickelte gemeinsam mit dem Lohnunternehmen Teichmann den Prototyp einer Erntemaschine auf Basis eines Fendt Maishäckslers. Ziel war es, die Blüte schonend zu ernten und Beschädigungen zu vermeiden, um einen hohen Ertrag an industriellem Hanf zu gewährleisten.

„Weil die Pflanzen sehr faserig sind, mussten wir erst an der passenden Technik feilen, um einen möglichst hohen Ertrag von industriellem Hanf generieren zu können, denn die Blüte soll so schonend wie möglich geerntet und nicht beschädigt werden. Derzeit sind wir hier in der Findungsphase, um unsere Produktion so wirtschaftlich wie möglich auszurichten. Noch ist alles Neuland. Wir müssen alles selbst entwickeln. So eine Ernte und Weiterverarbeitung im industriellen Stil gibt es sonst nirgends“, erläutert Josef Späth.

Der Häcksler trennte die Blüten vom Stängel, die anschließend mit speziellen Lkw nach Ebersbach transportiert wurden. Dort übernimmt ein Cat Radlader 908M die Beschickung einer eigens für Maricann entwickelten Inline-Trocknungsanlage. Diese Anlage trocknet die Hanfblüten schonend, um die Zellstruktur zu erhalten, und kann bis zu 50.000 Kilogramm nasse Hanfblüten pro Tag verarbeiten. Anschließend werden Blüte, Samen und Schnittreste getrennt, um trockenes Hanfmehl für die Extraktion zu gewinnen. Das Ergebnis ist ein Harz, das zu Öl destilliert wird.

Zukunftspläne: Medizinisches Cannabis und Standortentwicklung

Aktuell konzentriert sich Maricann in Deutschland auf den Anbau und die Weiterverarbeitung von Hanf für Nahrungsergänzungsmittel. Es bestehen jedoch konkrete Pläne, den Anbau auf Pflanzen mit dem Inhaltsstoff Tetrahydrocannabinol (THC) für medizinische Zwecke auszudehnen. Voraussetzung hierfür ist, dass Maricann bei der Ausschreibung des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte ein Los für den Anbau und die Verarbeitung von medizinischem Cannabis gewinnt. Die Ausschreibung umfasst 13 Lose zu je 200 Kilogramm Jahresmenge über einen Zeitraum von vier Jahren.

„Wir waren unter den ersten zehn und hoffen, nun wieder zum Zug zu kommen“, so Späth.

Sollte Maricann erfolgreich sein, wäre in Deutschland nicht nur der Anbau und die Ernte, sondern auch die Weiterverarbeitung und Lieferung von medizinischem Cannabis möglich, das Apotheken auf Rezept an Patienten abgeben könnten. Maricann produziert bereits in Kanada medizinisches Cannabis in einer ehemaligen Tabakfabrik südlich von Toronto und verfügt dort über Lizenzen für 108 medizinische Produkte.

Die Entwicklung des Standorts Naunhof zum deutschen Cannabis-Zentrum erfordert die Einhaltung strenger betäubungs- und arzneimittelrechtlicher Vorgaben. Josef Späth ist für die Umsetzung dieser Vorkehrungen verantwortlich. Die Wahl des ehemaligen Schlachthofs erwies sich als ideal, da die 100.000 Quadratmeter große Fläche mit 80 Kühl- und Schlachträumen, Lagerflächen, Büros, Kellern und weiten Fluren ausreichend Platz und isolierte Räumlichkeiten bietet.

Für den Indoor-Hanfanbau, einschließlich der Mutterpflanzen und deren Klone, sind getrennte, klimatisierbare Räume erforderlich, die einen zwölf Stunden dauernden Hell-Dunkel-Rhythmus gewährleisten. Bei THC-haltigen Pflanzen rechnet Späth mit fünf bis sechs Ernten pro Jahr. Der Standort muss zudem zu einem Hochsicherheitstrakt umgebaut werden, der komplett hermetisch abgesichert ist. Ein großer Tresor wurde bereits installiert, und es gilt das Vier-Augen-Prinzip, ergänzt durch Videoüberwachung und eine Direktschaltung zur Polizei.

Bis 2020 sollen rund 25 Millionen Euro in den Aufbau der Pflanz- und Weiterverarbeitungsanlagen für CBD-Cannabispflanzen investiert werden. Neben der Erntemaschine wurde auch ein Radlader benötigt. Für die Beschickung der Trocknungsanlage mit Hanfblüten empfahl Franz Bösl, Niederlassungsleiter von Zeppelin, einen Cat Radlader 908M mit Hochkippschaufel.

„Die Anlage muss dosiert beschickt werden können“, erklärt Späth.

Die Lieferung des Geräts erfolgte durch Olaf Kosbi von der Zeppelin Niederlassung Dresden. Ein kurzer Weg für den Service ist entscheidend, da während der Hanfernte Hochbetrieb mit bis zu drei Arbeitsschichten herrscht.

11.02.2019

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