Ein Rückblick auf die Anfänge der IBA Emscher Park
Die erste Biennale der urbanen Landschaft, initiiert von lala.ruhr, versammelte zwei Wochen lang Akteure aus verschiedenen Disziplinen. Über 200 Mitwirkende gestalteten mehr als 130 Veranstaltungen im und um den Wissenschaftspark Gelsenkirchen. Ziel war es, die Zukunft der urbanen Landschaft in der Metropole Ruhr zu diskutieren und zu gestalten.
Die Wahl des Wissenschaftsparks Gelsenkirchen als Veranstaltungsort erinnerte an die Anfänge der IBA Emscher Park vor über 30 Jahren. Die Biennale brachte unterschiedliche Gruppen zusammen, von Nachbarschaftsinitiativen bis zu Vertretern der IGA 2027, Studierenden und Staatssekretären. Diese Akteure, die im Alltag oft wenig Berührungspunkte haben, eint das Engagement für die urbane Landschaft der Region.
Der Wissenschaftspark als Zentrum
Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen diente als zentraler Ort der Biennale. Viele Veranstaltungen fanden im Freien statt, was die Bedeutung der Landschaft für die Biennale unterstrich. Die Initiative lala.ruhr hatte mit verschiedenen Aufrufen Engagierte und Macher mobilisiert, die kreative, wissenschaftliche und künstlerische Ideen und Projekte einbrachten.
Auftaktwochenende der Vielfalt
Das Eröffnungswochenende stand im Zeichen der Frage, wie das Ruhrgebiet als lebenswerte Region gestaltet werden kann. Peter Köddermann von Baukultur NRW betonte die Relevanz dieser Fragestellung. Trotz Regenwetters am Samstag nahmen zahlreiche Besucher an Workshops, Vorträgen und Diskussionen teil. Der sonnige Sonntag ermöglichte Exkursionen, weitere Workshops und ein Jazzkonzert.
Digitalität und Stadtgestaltung
In der zweiten Woche lag der Fokus auf dem Zusammenspiel von Digitalität und Stadtgestaltung. Ein "Hackathon in Residence" brachte 20 Young Professionals und Studierende aus ganz Europa zusammen. Ihre Expertise umfasste 3D-Animation, Game-Design, Fotografie, VR-Programmierung, Stadtplanung, Landschaftsarchitektur und Datenanalyse. In vier Teams entwickelten sie Ideen für nachhaltige Entwicklungen im urbanen Raum, insbesondere für problematische Orte in Gelsenkirchen-Ückendorf wie Brachflächen und Hitzeinseln.
Visionen von Studierenden
Internationale Studierende planender und gestaltender Disziplinen arbeiteten unter dem Motto "Design for Urban Uncertainties". Interdisziplinäre Gruppen der TU Dortmund, TH Ostwestfalen-Lippe und RWTH Aachen University erarbeiteten konkrete Verbesserungsvorschläge für Gelsenkirchen-Ückendorf. Andere Teams betrachteten die gesamte Metropole Ruhr und skizzierten Szenarien für die Transformation der ehemaligen Industrieregion zu einer Energieregion. Die Bandbreite der Ideen zeigte den umfassenden Handlungsbedarf.
Abschluss-Convention zur urbanen Zukunft
Das letzte Wochenende der Biennale war einer Convention zur urbanen Zukunft gewidmet. Die Diskussionen reichten von studentischen Ideen und naturbasierten Lösungen für Städte bis zu Problemen wie mangelnden Budgets für Grünflächenpflege und dem CO2-Verbrauch in der Bauindustrie. Trotz der Vielfalt der Sichtweisen wurde der enorme Handlungsdruck deutlich, der durch aktuelle Krisen und den Klimawandel entsteht.
Je mehr wir trödeln, umso schneller kommt der Klimawandel auf uns zu.<
Anja Bierwirth vom Wuppertal Institut appellierte an schnelles Handeln. Markus Lehrmann, Geschäftsführer der Architektenkammer NRW, stellte fest, dass es nicht an programmatischen Ansätzen fehle, sondern an der Umsetzung. Nina Frense vom Regionalverband Ruhr berichtete von der einstimmigen Verabschiedung der "Charta für Grüne Infrastruktur" im Ruhrparlament, die neue Verbindlichkeit schaffen soll. Michael Schwarze-Rodrian, langjähriger Begleiter der Region, regte an, wieder einen Werkstattcharakter mit Offenheit für neue Herangehensweisen und Experimentierfreude zu etablieren.
Die Biennale endete mit einem Rückblick auf die Bedeutung regionaler Formate für die Metropole Ruhr und einem Ausblick auf die Zukunft urbaner Landschaften. Prof. Christa Reicher resümierte, dass die Biennale der urbanen Landschaft das richtige Format sei, um wichtige neue Perspektiven zu entwickeln.
Ausblick auf nächste Biennalen
Sebastian Schlecht, Initiator von lala.ruhr, zeigte sich zufrieden mit dem Verlauf der ersten Biennale. Er betonte, dass es gelungen sei, ernste Themen mit Engagement und Freude zu erörtern. Die Biennale sei als Prozess konzipiert und der Auftakt erfolgreich verlaufen. Er lud zur Mitgestaltung der nächsten Biennale im Jahr 2024 ein.
Urbane Landschaft als Gemeinschaftsaufgabe
Die Biennale verdeutlichte, dass die Gestaltung einer resilienten und lebenswerten urbanen Landschaft eine Gemeinschaftsaufgabe ist. Die Veranstaltung wurde durch die Unterstützung von Baukultur NRW, dem Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes NRW, dem Regionalverband Ruhr und der E.ON Stiftung ermöglicht. Der Wissenschaftspark Gelsenkirchen fungierte als Partner und Veranstaltungszentrum. Zahlreiche weitere Institutionen, Unternehmen und Einzelpersonen trugen zur Biennale bei, darunter die Architektenkammer NRW, die Bundesstiftung Baukultur und die IGA Metropole Ruhr 2027.
Die Initiative lala.ruhr versteht sich als Labor für die Landschaft der Metropole Ruhr und als Netzwerk von Experten für Landschaft, Architektur und Stadtentwicklung, das auf Zusammenarbeit und Teilhabe setzt.
