DLG-Studie zeigt: Datennutzungskonzepte entscheiden über Erfolg digitaler Landwirtschaft
Die Digitalisierung gewinnt in der Landwirtschaft zunehmend an Bedeutung. Viele Betriebe erfassen ihre Daten weiterhin über stationäre Systeme auf dem Betriebsrechner und werten sie mit eigener Software aus. Bei großen Datenmengen stoßen diese Lösungen jedoch schnell an ihre Grenzen. Gleichzeitig fehlen im Arbeitsalltag häufig Zeit und Ressourcen, um vorhandene Daten umfassend auszuwerten.
Neue Möglichkeiten bietet die Nutzung von Cloud-Systemen. Dabei werden Datenspeicherung, Aufbereitung und Analyse an externe Dienstleister ausgelagert. Landwirte können gezielt Auswertungen beauftragen und so den Nutzen der vorhandenen Betriebsdaten erhöhen.
Klare Ziele für die Datennutzung erforderlich
Damit digitale Auswertungen tatsächlich Mehrwert liefern, müssen Betriebe zunächst festlegen, welche Fragen sie mit ihren Daten beantworten möchten. Grundlage dafür ist ein betriebliches Datennutzungskonzept, das die Ziele der Datenanalyse definiert.
In einem solchen Konzept wird unter anderem geregelt:
- welche Betriebsdaten erhoben werden
- wo die Daten gespeichert werden
- wer Zugriff auf die Daten erhält
Der aktuelle DLG-Trendmonitor Europe zeigt jedoch, dass viele Betriebe diese strategische Planung bislang nicht vornehmen. Für die Studie wurden 750 Landwirte in Deutschland, 750 in Frankreich, 500 in Polen und 350 in Großbritannien befragt.
In Deutschland halten lediglich 26 Prozent der Befragten ein Datennutzungskonzept für notwendig. Mit 44 Prozent hat fast die Hälfte der Landwirte keine abschließende Meinung zu diesem Thema.
Ein Viertel der Betriebe arbeitet mit Konzept
Ein Teil der Betriebe geht die Digitalisierung bereits strukturiert an. Laut Studie erarbeiten derzeit 17 Prozent der befragten deutschen Landwirte ein betriebliches Datennutzungskonzept. Weitere acht Prozent haben bereits eines umgesetzt.
Damit treiben insgesamt rund 25 Prozent der Betriebe die digitale Entwicklung mit einer klaren Strategie voran. Im internationalen Vergleich liegt Deutschland damit vor Frankreich mit 23 Prozent sowie Großbritannien mit 19 Prozent und Polen mit 16 Prozent.
Datensicherheit bleibt entscheidender Faktor
Trotz der Vorteile digitaler Systeme bestehen weiterhin Zweifel an der Sicherheit von Betriebsdaten in der Cloud. Viele Landwirte können den tatsächlichen Sicherheitsstatus ihrer Daten nicht beurteilen.
Während rund ein Drittel der Befragten in Frankreich, Polen und Großbritannien die Datensicherheit nicht einschätzen kann, liegt dieser Anteil in Deutschland bei etwa 20 Prozent. Gleichzeitig gehen viele Landwirte von bestehenden Sicherheitslücken aus.
- 34 Prozent sehen Lücken in der Datensicherheit
- 21 Prozent halten die Datensicherheit für nicht ausreichend
Für viele Betriebsleiter ist Datensicherheit daher eine zentrale Voraussetzung für den Einsatz digitaler Lösungen. Nur neun Prozent der Befragten in Deutschland bewerten den Nutzen von Cloudsoftware als wichtiger als die Sicherheit der Daten.
Datenschutz als Wettbewerbsfaktor
Die Skepsis gegenüber der Datensicherheit bremst die Digitalisierung in vielen Betrieben. Anbieter digitaler Lösungen stehen daher vor der Aufgabe, Sicherheitsstandards zu verbessern und transparenter zu kommunizieren.
Vor der Nutzung von Cloud-Diensten sollten Landwirte die Datenschutzrichtlinien der Anbieter genau prüfen. Dabei spielen Fragen zur Datenhaftung, zu Urheberrechten, zu Schutzrechten sowie zur Verschlüsselung der Datenübertragung eine wichtige Rolle.
Hinzu kommt, dass bei internationalen Big-Data-Dienstleistern häufig ausländisches Recht gilt, das weniger strenge Datenschutzregelungen als in Deutschland vorsieht. Mit der Bestätigung der Allgemeinen Geschäftsbedingungen akzeptieren Nutzer diese Standards.
Ein durchdachtes Datennutzungskonzept bildet daher die Grundlage für eine sichere und wirtschaftlich sinnvolle Digitalisierung landwirtschaftlicher Betriebe.
