London entdecken: Stadtrundfahrt und Canary Wharf
Nach der Ankunft in London erhielten die Teilnehmer bei einer dreieinhalbstündigen Stadtrundfahrt einen Überblick über die Stadt. Im Anschluss an den Hotelbezug in Canary Wharf stand der Nachmittag zur freien Verfügung. Werner Molitor, der Reiseleiter, bot einen Rundgang durch die Gärten von Canary Wharf an. Dort befindet sich eine Lindenallee, die über den Wasserflächen der ehemaligen Docklands ohne direkten Bodenanschluss angelegt wurde. Hochwertig gestaltete Außenanlagen mit einer Wassertreppe in einem Natursteinhochbeet und einem runden Wasserbecken dienen den Angestellten der umliegenden Geschäftshäuser als Erholungsflächen.
Impressionen von der Chelsea Flower Show
Ein Teil der Reisegruppe besuchte die Chelsea Flower Show im Royal Hospital Garden bereits zur Öffnung um 8.00 Uhr. Dies ermöglichte eine Besichtigung der Ausstellungsgärten ohne größere Menschenmengen. Die Ausstellung umfasste 13 Showgärten (100 bis 220 m²), 16 Stadtgärten und 9 Courtyard-Gärten. Im großen Pavillon waren zudem vier Generationen-Gärten zu sehen. Die Planung der Showgärten nimmt etwa anderthalb Jahre in Anspruch, die Bauzeit beträgt maximal drei Wochen. Kleinere Gärten müssen innerhalb von zehn Tagen fertiggestellt sein.
Der Titel "Best of Showgarden" ging an den "The Daily Telegraph Garden", geplant vom schwedischen Landschaftsarchitekten Ulf Nordfjell. Dieser Garten verband skandinavischen Stil mit traditionellen englischen Elementen. Er zeichnete sich durch natürliche Pflanzengemeinschaften, klimatische Überlegungen und Nachhaltigkeit aus. Strapazierfähige Materialien wie Granit, Stahl, Glas und Holz wurden mit der Ästhetik eines Cottage-Gartens kombiniert. Ein stilisierter Bachlauf, ein transparenter Pavillon, eine Farbkombination aus Weiß, Blau, Schwarz und Grün sowie eine strukturierte Bepflanzung mit mehrstämmigen Pinus sylvestris 'Watereri' und blühenden Malus sargentii prägten das Erscheinungsbild.
Der "HESCO Garden" thematisierte die Probleme von Sturzfluten, ein aktuelles Thema in England. Eine Steinhütte war dort an einem felsigen Hang nachgebaut, umgeben von einer schüsselartigen Anlage, die Oberflächenwasser von einem Hauptbecken in flache Überlaufzonen leitete. Diese Zonen waren mit feuchtigkeitsliebenden Iris-Arten, Hostas und Etagenprimeln bepflanzt. Efeuberankte Gabionen sollten als "lebende Wände" dienen, die ebenfalls Wasser zurückhalten können. Solche "Regengärten" sollen bestimmte Gartenbereiche trocken halten und somit auch Pflanzen für trockenere Standorte ermöglichen.
Robert Myers gestaltete den "The Cancer Research UK Garden", der den Kampf der Krebsforschung symbolisierte. Eine Skulptur von Simon Thomas im "Epizentrum" des Gartens schien in eine spiegelnde Wasserfläche gefallen zu sein. Die davon ausgehenden "Schockwellen" breiteten sich radial im Garten aus und durchbrachen die helle Belagsfläche durch wellenförmige Rasenstreifen. Dieses Muster wiederholte sich in der Pflanzfläche. Der Garten wurde von mehrstämmigen Essigbäumen dominiert, die ihren Schatten auf eine strukturierte Bepflanzung aus kugelig geschnittenem Ilex crenata, Stauden, Gräsern und Bodendeckern in Blau-, Weiß- und Gelbtönen warfen. Das Wellenmuster diente auch als Drainagestreifen. Der grüne Kreis in der Mitte des Gartens war mit Leptinella squalida, einem Fiederpolster aus Neuseeland, bepflanzt.
Die neun Courtyard-Gärten zeigten eine besondere Liebe zum Detail. Der "The Fenland Alchemist Garden" bot beispielsweise einen Einblick in das gärtnerische Umfeld eines Alchemisten. Ein Verschlag aus alten Baumaterialien und Pflanzen in Wild- und Kulturform symbolisierten das menschliche Streben nach Perfektion. Heilkräuter, Mythen und Geheimnisse prägten diesen Bereich, der nur durch einen hölzernen Zaunübertritt zugänglich war. Die verwendeten Materialien waren abbaubar und umweltverträglich.
Hever Castle Gardens: Historie und Gartenkunst
Am dritten Tag führte die Reise zu Hever Castle Gardens südlich von London. Das Schloss liegt am Fluss Eden, der den großen See im Landschaftspark speist. Anne Boleyn, die zweite Frau Heinrichs VIII. und Mutter Elisabeths I., lebte hier. Als William Astor das Anwesen 1903 erwarb, ließ er die heutige Parkanlage auf ehemals landwirtschaftlich genutzten Flächen anlegen. Zwischen 1904 und 1908 beschäftigte er 1000 Arbeiter, davon 800 für das Ausheben des 14 Hektar großen Sees. Der Transport der Erdmassen erfolgte damals mit Dampfzügen.
Unter der Leitung von Joseph Cheal wurden zahlreiche Bäume gepflanzt, ein Irrgarten und Gartenräume wie der Blaue Garten, der Italienische Garten und der Senkgarten angelegt. An diese formellen Gärten und eine Kaskade mit Kamelien schließt sich der Landschaftspark mit See an. Beeindruckend sind auch die aus Buchs und Eiben geschnittenen Figuren auf dem Weg zum Schloss. Werner Molitor erklärte, dass bei kahlen Stellen Triebe nach oben gezogen und wieder heruntergebunden werden.
Der Italienische Garten beherbergt eine Sammlung von Reisesouvenirs, darunter Statuen, Säulen und Pflanzen aus Italien. Der Senkgarten bietet mit einem großen Wasserbecken und umgebenden Mauern eine ruhige Atmosphäre. Ursprünglich wuchsen hier nur Pflanzen mit silbernen Blättern oder weiß blühende Arten. Typische Blickachsen englischer Gärten sorgen für Tiefe. Auffällig waren die dicken Packungen mit Rindermist in den Staudenbeeten, die laut Molitor in England häufig zur organischen Düngung eingesetzt werden. Die Gartenbegeisterung der Engländer zeigte sich auch an den zahlreichen Besuchern, die bereits vor der Öffnung vor den Toren warteten.
Das Anwesen war bis 1983 im Besitz von Gavin Astor und wurde dann an Broadland Properties Limited verkauft. Die Kommerzialisierung zeigt sich in der Steigerung der Besucherzahlen durch mittelalterliche Events und der Ergänzung der Buchs- und Taxusfiguren durch geschnittene Liguster in Tierformen.
Sheffield Park: Englischer Landschaftsstil und botanische Vielfalt
Sheffield Park wird seit 1954 vom "The National Trust" verwaltet. Der Landschaftspark, von Lancelot (Capability) Brown und Humphrey Repton vor 100 Jahren umgestaltet, ist ein Beispiel für den englischen Landschaftsstil. Charakteristisch sind das "Malen" von Landschaftsbildern mit blühenden Pflanzen und unterschiedlichen Blattfarben sowie deren Spiegelung in den angelegten Wasserflächen. Diese Spiegelungen verstärken den Farbeffekt und die Blütenfülle. Die Wasserflächen dienen als langfristige Blickachsen. Das Schloss, ein Herrenhaus im neugotischen Stil, ist noch in Privatbesitz. Sheffield Park beherbergt auf fünf Hektar eine große Sammlung von Baumarten, insbesondere Koniferen.
Fünf künstlich angelegte Seen gliedern den Park, und dazwischen liegende Kaskaden erhalten die Wasserqualität. Frostempfindliche Pflanzen wie immergrüne Magnolien, Kamelien und Palmen (Trachycarpus fortunei) gedeihen hier. Rhododendren erreichen beachtliche Höhen und treiben nach Rückschnitt am Stamm wieder kräftig aus. Einige Bäume sind 180 Jahre alt, die meisten stehen seit 100 Jahren im Park.
Nigel Davis, Lehrbeauftragter an der Universität Reading, pflegt den Garten mit vier Gärtnern, unterstützt von ehrenamtlichen Helfern. Stürme in den Jahren 1987 und 1990 zerstörten etwa 10 Prozent des alten Baumbestandes und beschädigten viele Rhododendren. Ein aktuelles Problem ist eine Zikadenart, die die Knospen der Rhododendren ansticht, wodurch diese braun und taub werden.
Nigel Davis klärte mich telefonisch darüber auf, dass keine Insektizide eingesetzt werden, sondern dass er versucht, diesem Schädling nur durch Bodenverbesserungsmaßnahmen beizukommen.
In Sheffield Park befindet sich zudem die schönste Pinus montezumae Englands, eine Kiefer aus Mexiko mit Nadelbündeln von drei bis acht, die wie gewässerte Seide schimmert. Botaniker finden hier auch Carya cordiformis (Bitternuss) und Nyssa sylvatica (Tupelobaum), die beide durch ihr gelbes beziehungsweise gelb-rotes Herbstkleid beeindrucken. Die dreitägige Reise unter der Führung von Werner Molitor bot den Landschaftsgärtnern zahlreiche Anregungen und botanische Neuheiten.
