Nachhaltige Energiepflanzenproduktion: Hohenheimer Forscher fordern mehr Vielfalt und angepasste Anbausysteme

AllgemeinesPflanzen und Pflanzenteile

Die Universität Hohenheim plädiert für eine Neuausrichtung in der Biomasseproduktion. Dabei sollen Biodiversität und Klimaschutz stärker berücksichtigt werden, unter anderem durch den Einsatz mehrjähriger Pflanzen und Wildpflanzenmischungen.

Biomasse als Säule der Energiewende und ihre Herausforderungen

Erneuerbare Energien decken derzeit über 10 Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland ab. Das Ziel der Bundesregierung sieht bis 2020 einen Anteil von 18 Prozent vor. Biomasse trägt bereits 70 Prozent zu den erneuerbaren Energien bei und wird auch künftig einen bedeutenden Anteil leisten.

Bei Energie aus Biomasse ist es wichtig, die ganze Produktionskette vom Pflanzenbau bis zur Energieproduktion zu betrachten. Wenn die Pflanzenproduktion nicht nachhaltig erfolgt, kann die ganze Energieproduktion nicht nachhaltig sein.

Dies erklärte Prof. Dr. Iris Lewandowski vom Fachgebiet Nachwachsende Rohstoffe und Bioenergiepflanzen der Universität Hohenheim.

Ansätze zur Steigerung der Nachhaltigkeit in der Biomasseproduktion

Zur Erhöhung der Nachhaltigkeit in der Biomasseproduktion werden mehrere Ansätze diskutiert:

  1. Vermehrter Einsatz von mehrjährigen Pflanzen: Mehrjährige Pflanzen reduzieren den Bedarf an Pestiziden und Düngemitteln. Letzteres ist besonders unter Klimaaspekten relevant, da die Stickstoffproduktion energieintensiv ist und zu Lachgasemissionen führt. Zudem binden mehrjährige Pflanzen durch ihr Wurzelsystem Kohlenstoff im Boden, da dieser bei langjähriger Nichtbearbeitung nicht durch Mikroorganismen abgebaut wird.
  2. Vermehrter Einsatz neuer Pflanzen mit neuer Vielfalt: Ein breites Spektrum an Pflanzenarten, darunter Wildpflanzenmischungen, soll für die Energieproduktion genutzt werden. Dieser Ansatz bietet Potenzial für mehrjährige, extensive Produktion und trägt zu den Biodiversitätszielen Deutschlands bei.
  3. Vermehrter Einsatz durchdachter Fruchtfolgen: Durch die gezielte Planung der Abfolge unterschiedlicher Kulturpflanzen auf demselben Feld kann die Biomasseproduktion effizienter und umweltfreundlicher gestaltet werden. Nährstoffe wie Stickstoff, die von der Vorfrucht hinterlassen werden, können von der Nachfrucht genutzt und so eine Auswaschung ins Grundwasser verhindert werden.
  4. Vermehrte Nutzung von marginalem Land: Für die Energieproduktion kann Land genutzt werden, das nicht für menschliche Nahrungsmittel oder Tierfutter dient. Dazu gehören Grenzertragsböden, kontaminiertes Land oder Grünland, das aus der Futterproduktion herausfällt. Auch hier können vermehrt mehrjährige Pflanzen zum Einsatz kommen.
  5. Kontrollierte Erzeugung: Regionale Produktion ist gegenüber importierter Biomasse, insbesondere bei Biotreibstoffen, vorteilhafter. Dies erfordert jedoch eine höhere Toleranz gegenüber der Produktion vor Ort.

Chancen für Baden-Württemberg in der Biogasproduktion

Gerade in den kleinteiligen landwirtschaftlichen Strukturen Baden-Württembergs mit vielen bäuerlichen Familienbetrieben sieht Ministerialdirektor Wolfgang Reimer eine große Chance, Biogas nachhaltig und unter Berücksichtigung der lokalen Gegebenheiten zu produzieren. Er forderte eine Sonderregelung mit attraktiverer Grundvergütung für bäuerliche Kleinanlagen bis zu einer elektrischen Leistung von 75 Kilowatt. Dies soll die Nutzung von Reststoffen wie Gülle und dezentral anfallendem Landschaftspflegematerial für die Biogasproduktion fördern.

Unsere Gesellschaft ist auf eine verlässliche Energieversorgung angewiesen. Zugleich sind wir zukünftigen Generationen schuldig, mit den endlichen Ressourcen nachhaltig und schonend umzugehen. Anders ausgedrückt: Wir wollen nicht von der Substanz, sondern vom Ertrag leben. Deshalb ist der Schritt in ein Zeitalter der erneuerbaren Energien – nicht erst seit Fukushima – mehr als überfällig.

Der Ministerialdirektor betonte die Bedeutung der Forschung der Universität Hohenheim, die Grundlagen für Lösungen schafft und Antworten auf gesellschaftliche Probleme gibt.

Landwirtschaftlicher Hochschultag zur nachhaltigen Energiepflanzenproduktion

Der Landwirtschaftliche Hochschultag an der Universität Hohenheim fand unter dem Motto „Nachhaltige Systeme der Energiepflanzenproduktion“ statt. Experten aus Politik und Forschung debattierten in drei Fachblöcken über die künftigen Anforderungen an eine nachhaltige Energiepflanzenproduktion, deren Anbausysteme sowie über politische Vorgaben und Rahmenbedingungen. Die jährliche Fachveranstaltung wird in Kooperation mit dem Landesministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden-Württemberg ausgerichtet.

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