Europäische Gartenbauthemen im Fokus des ZVG-Vorstands
Der erweiterte Vorstand des Zentralverbandes Gartenbau e.V. (ZVG) hat sich in Brüssel getroffen, um die Auswirkungen der Neubesetzung von Europäischer Kommission und Europäischem Parlament auf den Gartenbau zu erörtern. Die Sitzung fand vom 12. bis 13. November statt und umfasste auch die Teilnahme von Albert Trinkl, Präsident des Bundesverbandes der Österreichischen Gärtner (BÖG), sowie BÖG-Geschäftsführerin Karin Weigel.
Im Fokus standen europapolitische Schwerpunkte. Dr. Hans Joachim Brinkjans, Umweltreferent und stellvertretender Generalsekretär im ZVG, sowie ZVG-Europareferentin Julia Stark informierten über institutionelle Neuerungen und erwartete Entwicklungen in den Bereichen Pflanzenschutz und Pflanzengesundheit. Stefan Gentzen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Einzelhandelsgärtner e.V. (BVE), erläuterte die Umsetzung der Verbraucherrechte-Richtlinie, die Mitte Juni dieses Jahres in Kraft trat. Bertram Fleischer, designierter ZVG-Generalsekretär, nutzte die Gelegenheit, das ZVG-Büro und dessen Arbeit vor Ort kennenzulernen.
Am zweiten Sitzungstag wurden Gastreferenten zu den Themen Pflanzenschutz und Harmonisierung, Europäische Innovationspartnerschaften sowie Verbraucherrechte-Richtlinie gehört. Dr. Michael Flüh, Leiter der Abteilung Chemische Stoffe, Kontaminanten, Pestizide in der Generaldirektion Gesundheit und Verbraucher der Europäischen Kommission, gab Einblicke in das aktuelle europäische Pflanzenschutzrecht. Er sprach auch über erwartete Neuerungen, die sich aus laufenden Konsultationen zu hormonaktiven Substanzen (endokrine Disruptoren) und neuen Bewertungen bei Neonicotinoiden ergeben könnten.
In der anschließenden Debatte thematisierten die ZVG-Teilnehmer die aus ihrer Sicht noch ausstehende Harmonisierung im Pflanzenschutz auf europäischer Ebene. Sie illustrierten die wettbewerbsverzerrende Situation auf dem Binnenmarkt mit Praxisbeispielen. Ein zentrales Anliegen war die Problematik weiterer Einschränkungen bei Zulassungen für Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel. Flüh kündigte an, dass die Kommission einen Bericht zum Stand der Harmonisierung in Europa erstellen wird.
Anschließend informierte Silvia Dietz, Referentin der Abteilung Forschung und Innovation der Generaldirektion Landwirtschaft der Europäischen Kommission, über die Europäischen Innovationspartnerschaften (EIP). Sie stellte Möglichkeiten dar, wie dieses EU-Instrument von deutschen Gärtnern genutzt werden kann.
Vor allem mit Blick auf Zukunftsstrategien und die Inwertsetzung Gartenbau seien die Finanzierung innovativer Projekte und deren Umsetzung mit europäischen Mitteln nicht zu unterschätzende Motoren für die Weiterentwicklung der deutschen Gartenbaubranche.
Dies betonte ZVG-Präsident Jürgen Mertz. Die Teilnehmer zeigten Interesse an den Möglichkeiten der EIP und fragten gezielt nach konkreten Handlungsoptionen. Dietz erläuterte, dass eine Möglichkeit darin bestehe, sich über sogenannte Fokusgruppen bei der Entwicklung neuer Themen für Operationelle Gruppen und Seminare einzubringen und an der künftigen Gestaltung der Themen mitzuwirken. Diese werden vom EIP Agri Service Point durchgeführt.
Zum Abschluss begrüßte der ZVG Miriam Schneider, Referentin im Handelsverband Deutschland (HDE). Sie stellte Themen des Einzelhandels auf europäischer Ebene vor, darunter die Umsetzung der Verbraucherrechte-Richtlinie und der Lebensmittelinformationsverordnung sowie den Vorschlag über das Europäische Kaufrecht.
Ein gemeinsames Mittagessen mit Ernährungs-, Umwelt- und Landwirtschaftsreferenten der Landesvertretungen – Kathrein Henninger (Thüringen), Winfried Schröder (Baden-Württemberg), Margarete Schwarz (Sachsen-Anhalt) und Wolfgang Schleicher (Bayern) – sowie Andreas Thurner, Europareferent der Landwirtschaftskammern Österreich, und Klaus Kehrein, Leiter des Referats für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz der Ständigen Vertretung Deutschlands bei der EU, ermöglichte einen informellen Austausch zu wichtigen gartenbaulichen Themen und bildete den Abschluss der Sitzung.