Gefördertes Modellprojekt verbindet Biodiversität, Klimaschutz und Regionalentwicklung
Mit dem Projekt „Gemeinsam Mee(h)r Natur in Vorpommern wagen“ sollen bis 2030 Natur-, Klima- und Regionalentwicklungsziele in der ostvorpommerschen Küstenlandschaft umgesetzt werden. Das Vorhaben wird im Rahmen des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) vom Bundesumweltministerium und dem Bundesamt für Naturschutz (BfN) mit knapp zehn Millionen Euro gefördert.
Die Region mit der Insel Usedom zählt zu den 30 Hotspots der biologischen Vielfalt in Deutschland. Ziel des Projekts ist es, wertvolle Lebensräume zu erhalten, geschädigte Ökosysteme aufzuwerten und die Landschaft widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu machen.
Renaturierung von Gewässern und Mooren
Im Mittelpunkt stehen die Renaturierung von Fließgewässern sowie die ökologische Aufwertung von Küstenüberflutungsmooren und weiteren Übergangsbereichen zwischen Land- und Meeresökosystemen. Diese Flächen sollen künftig stärker miteinander vernetzt werden, um ihre Funktion als Lebensraum und natürliche Wasserspeicher zu verbessern.
„Wir wollen die wertvollen Naturräume der ostvorpommerschen Küstenlandschaft besser schützen, denn sie sind stark gefährdet. Gleichzeitig soll diese einzigartige Region für die Menschen vor Ort und Touristen erhalten bleiben. Das Modellprojekt zielt darauf ab, die Lebensräume für seltene Arten im küstennahen Wasser und an Land wiederherzustellen und die Landschaften gegenüber den Folgen der Klimakrise wie Dürren und Starkregen widerstandsfähiger zu machen. Wir renaturieren Küstenmoore, schützen Röhrichtbestände und fördern ungestörte natürliche Prozesse sowie eine angepasste Landnutzung entlang der Küste. So können diese Ökosysteme ihre Funktion als natürliche Klimaschützer wahrnehmen und gleichzeitig die Gebiete auch wirtschaftlich nutzen.“
Ein zentrales Ziel besteht darin, Wasser möglichst lange in der Landschaft zu halten und die Regeneration von Niedermoorstandorten zu fördern. Dadurch sollen sowohl die Artenvielfalt als auch die natürlichen Klimaschutzfunktionen der Flächen gestärkt werden.
Hotspot der biologischen Vielfalt
Die Ostvorpommersche Küstenlandschaft zählt zu den bedeutendsten Naturregionen Deutschlands. Bodden- und Haffgewässer dienen zahlreichen Wat- und Wasservögeln als Rast- und Überwinterungsgebiete. Darüber hinaus finden Tierarten wie Biber, Elch, Moorfrosch und Zwergseeschwalbe hier wichtige Lebensräume.
Trotz eines Schutzgebietsanteils von mehr als 60 Prozent stehen viele Ökosysteme unter Druck. Ursachen sind unter anderem intensive Landnutzung, Eingriffe in den Wasserhaushalt sowie touristische Belastungen. Die Folgen reichen von trockengefallenen Gewässern über degradierte Moore bis hin zu bedrohten Röhrichtbeständen.
Regionale Akteure arbeiten zusammen
Für die Umsetzung des Projekts haben sich Rewilding Oder Delta e. V., der Tourismusverband Vorpommern e. V., die Michael-Succow-Stiftung sowie die Ostseestiftung zusammengeschlossen. Gemeinsam sollen Maßnahmen entwickelt werden, die Naturschutz, Klimaanpassung und regionale Entwicklung miteinander verbinden.
Dazu gehört auch die Zusammenarbeit mit Landeigentümern und Landnutzern. Geplant ist die Förderung angepasster und extensiver Bewirtschaftungsformen, die den Anforderungen des Biodiversitätsschutzes und den Herausforderungen des Klimawandels Rechnung tragen.
„Mit dem Projekt ,Gemeinsam Mee(h)r Natur in Vorpommern wagen‘ werden starke Impulse für eine nachhaltige Regionalentwicklung gesetzt. Die Projektverantwortlichen binden die Bevölkerung vor Ort ein und berücksichtigen zugleich auch touristische Belange. Das schafft wiederum die Grundlage für eine hohe gesellschaftliche Akzeptanz für das wichtige Naturschutzprojekt. So kann der Schutz von Biodiversität und Klimaschutz gemeinsam mit Landnutzenden, Menschen in den Gemeinden und Touristen gelingen.“
Informationsangebote für Bevölkerung und Besucher
Ein weiterer Bestandteil des Projekts ist die Einrichtung eines Informationsraums für die Bevölkerung. Dort sollen die Herausforderungen des Natur- und Klimaschutzes sowie die Chancen natürlicher Klimaschutzmaßnahmen anschaulich vermittelt werden.
Durch die Einbindung von Einwohnern, Landnutzern und touristischen Akteuren soll die Akzeptanz für die geplanten Maßnahmen gestärkt und eine langfristige Unterstützung für den Schutz der Küstenlandschaft aufgebaut werden.
Beitrag zum Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz
Das Projekt ist Teil des bundesweiten Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz. Mit dem Programm verfolgt die Bundesregierung das Ziel, Ökosysteme an Land und im Meer zu stärken, ihre Klimaschutzleistung zu erhöhen und ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber den Folgen des Klimawandels auszubauen.
Durch die Wiederherstellung natürlicher Lebensräume sollen gleichzeitig Biodiversität, Klimaanpassung und nachhaltige Landnutzung gefördert werden. Das Vorhaben in Vorpommern zählt zu den Projekten, die diese Ziele auf regionaler Ebene konkret umsetzen.
