Experten diskutieren Klimaanpassung und Stadtgrün
Die GaLaBau-Fachtagung, ein etabliertes Forum für Fachleute des Grüns, versammelte am 20. Februar in Norderstedt 200 Expertinnen und Experten. Teilnehmer aus Garten- und Landschaftsbau, Landschaftsarchitektur, Stadtplanung sowie Vertreter aus Politik, Kommunalverwaltung und Wohnungswirtschaft tauschten sich über aktuelle Themen aus. Die Veranstaltung, die erstmals in Schleswig-Holstein stattfand, konzentrierte sich auf moderne Stadtplanung im Kontext der Klimaanpassung.
Gastgeber der Fachtagung war der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Nord e. V. (FGL Nord). Dieser Verband entstand im November 2025 aus der Fusion der GaLaBau-Fachverbände Schleswig-Holstein und Hamburg. Ludger Plaßmann, Vizepräsident des FGL Nord, erläuterte die Verlegung des Veranstaltungsortes:
Die Verschmelzung unserer Schwesternverbände haben wir zum Anlass genommen, die GaLaBau-Fachtagung 2026 an die Grenze zwischen Hamburg und Schleswig-Holstein nach Norderstedt zu holen. Damit öffnen wir diese seit fast 40 Jahren etablierte Veranstaltung für Fachleute aus beiden Bundesländern und schaffen das Forum für einen verbindenden Diskurs.
Klimaanpassung als Gemeinschaftsaufgabe
Der FGL Nord vertritt nach eigenen Angaben 213 landschaftsgärtnerische Fachbetriebe in Schleswig-Holstein und der Metropolregion Hamburg. Ludger Plaßmann betonte die Bedeutung der Fachtagung für die grün-blaue Infrastruktur im Norden:
Angesichts der aktuellen politischen und wirtschaftlichen Prioritäten drohen die zentralen grünen Themen wie Klimawandel, Bauwerksbegrünung und Stadtgrün auch bei uns im Norden aus dem Fokus zu geraten. Unser Appell an die schleswig-holsteinische Landesregierung und den Hamburger Senat lautet: Wir dürfen und können die Klimafolgenanpassung und die mit ihr einhergehende blau-grüne Infrastruktur nicht aus den Augen verlieren! Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe und sollte als eine solche gesehen und behandelt werden!
Plaßmann wies darauf hin, dass in Schleswig-Holstein verfügbare Fördermittel für die Klimaanpassung von Kommunen und öffentlichen Bedarfsträgern oft nicht optimal abgerufen werden. Dies liege auch an fehlender Fachexpertise und -begleitung in den Verwaltungen. Er forderte eine Koordination der Fördermittel auf Landesebene, die Verwaltungen, Planende und ausführende landschaftsgärtnerische Fachbetriebe zusammenbringt. Positiv hob er hervor, dass Deutschland mit rund neun Millionen Quadratmetern Dachbegrünungsfläche weltweit führend sei. Er mahnte jedoch, Flächenkonkurrenz zwischen extensiven Dachbegrünungen und Photovoltaik-Anlagen zu vermeiden. Das Hamburger Klimagesetz, das ab 2027 eine Gründach-Solarpflicht vorsieht, wurde als Schritt in die richtige Richtung bewertet.
Hamburgs Engagement für Stadtgrün
Dr. Stefanie von Berg, Staatsrätin der Hamburger Behörde für Umwelt, Klima, Energie und Agrarwirtschaft (BUKEA), eröffnete die Fachtagung mit einem Grußwort. Sie erläuterte die Priorität von Grün in der Hamburger Klimapolitik. Ein Volksentscheid habe ergeben, dass Hamburg die Klimaneutralität bereits 2040 erreichen müsse. Ab dem 1. Januar 2027 werde in Hamburg eine Gründach-Solarpflicht eingeführt. Diese gelte für 70 Prozent der neuen oder umgebauten Dächer mit einer Neigung von bis zu 10 Grad, während die PV-Pflicht 30 Prozent dieser Dächer betreffe. Von Berg betonte die Rolle der Landschaftsgärtner in diesem Prozess.
Sie stellte exemplarisch Hamburger Begrünungsprojekte vor, darunter eine Machbarkeitsstudie für Fassadenbegrünung in der Hamburger Innenstadt und ein Konzept zur Entsiegelung und grünen Entwicklung der Hafenkante. Hamburgs Auszeichnung als „European City of Trees“ im Jahr 2025 unterstreiche die zentrale Rolle der Stadtbäume. Trotz Baumkrankheiten und Klimafolgen sei der Stadtbaumbestand stabil.
Klimaresilienz in der Stadtplanung
Dr. Bernhard Scharf, Wissenschaftler am Institut für Ingenieurbiologie und Landschaftsbau an der BOKU Universität in Wien, sprach über die Notwendigkeit klimaresilienter Planung. Er stellte fest, dass Städte heute ökologisch einer Steinwüste glichen und kein geeigneter Lebensraum für Menschen seien. Die Transformation der Städte sei notwendig, um Lebensqualität, Gesundheit, Klimaresilienz und Sicherheit zu gewährleisten. Diese Transformation erfordere das Zusammenspiel aller Akteure, insbesondere der Landschaftsarchitektur und des Landschaftsbaus.
Der Einsatz grün-blauer Infrastrukturen muss effizient und wirksam geplant werden, die Umsetzung qualitätsvoll und nachhaltig erfolgen. Der Garten- und Landschaftsbau hat somit eine Schlüsselrolle im Bestreben, klimaresiliente Stadt- und Lebensräume für Menschen zu schaffen. Landschaft und Natur sind keine Kulisse, sondern Ausgangspunkt jedes Projektes!
Lene Zingenberg, Projektleiterin und Landschaftsarchitektin beim Architekturbüro Cobe in Kopenhagen, beleuchtete die dänische Herangehensweise. Cobe gestalte zukunftsfähige Projekte, bei denen der Mensch und die Frage, wie Freiräume zur Lebensqualität in Städten beitragen können, im Mittelpunkt stünden.
Bei Cobe gestalten wir die Stadt von morgen mit Landschaft und Natur im Zentrum – wir stärken Anpassungsfähigkeit durch Resilienz, fördern Inklusivität durch Vielfalt und schaffen Schönheit durch sinnstiftende Verbindungen. Landschaft und Natur werden dabei nicht als bloße Kulisse verstanden, sondern als Ort, Ausgangspunkt und tragendes Fundament jedes Projektes.
Sie illustrierte dies an Projekten wie der Entwicklung des ehemaligen Industriehafens Nordhavn in Kopenhagen, der Umgestaltung des Deutzer Hafens in Köln und der Realisierung neuer Quartiere in Hamburg Bahrenfeld.
Baumpflanzungen und Schwammstadt-Modelle
Dr. Markus Streckenbach, Sachverständiger für urbane Vegetation, widmete sich dem Thema „Baumpflanzungen und Baumrigolen im Modell der Schwammstadt“. Er betonte, dass ein Baumstandort den Anforderungen eines Baumes entsprechen müsse. So müsse beispielsweise im Winter der Eintrag von Streusalzen in Baumstandorte, auch in Baumrigolen, effektiv verhindert werden, um die Entwicklung der Bäume und die Funktionalität des Systems zu gewährleisten.
Streckenbach argumentierte, dass Baumstandorte mit Rigolen einen wesentlichen Beitrag zur Schwammstadt leisten könnten, wenn sie nach den bestehenden baumfachrechtlichen Vorgaben geplant und gebaut werden. Dies gelte auch für die Pflanzung von Bäumen. Bäume dürften nicht eingesperrt und der umgebende Boden nicht so stark verdichtet werden, dass Wasser nicht mehr versickern und der Baum den Boden nicht mehr durchdringen könne.
Die Organisatoren des FGL Nord zeigten sich zum Abschluss der Fachtagung zufrieden. Dr. Michael Marrett-Foßen, Geschäftsführer des FGL Nord, fasste zusammen:
Es war eine gelungene Premiere in Schleswig-Holstein mit Themen, die alle Teilnehmenden zum Nachdenken und zur Diskussion angeregt haben. Die Anpassung an den Klimawandel gehört gerade in der Stadtplanung zu den größten Herausforderungen unserer Zeit, und es ist unsere Aufgabe, diese Herausforderung engagiert anzugehen.


