Grünflächenpflege bei der Landesgartenschau Neuss: Braune Wiesen als natürliche Sommerreaktion

Allgemeines

Die Landesgartenschau Neuss setzt bei Hitze auf angepasste Grünflächenpflege. Braune Wiesen sind dabei kein Pflegemangel, sondern Folge der natürlichen Sommerruhe von Gräsern. Gezielte Bewässerung, größere Schnitthöhen und artenreiche Wiesen unterstützen einen ressourcenschonenden Umgang mit Trockenheit.

Angepasste Pflege und gezielte Bewässerung schützen Grünflächen bei Hitze und Trockenheit

Hohe Temperaturen und längere Trockenperioden verändern im Sommer das Erscheinungsbild von Parks und Grünflächen. Auch auf dem Gelände der Landesgartenschau in Neuss können sich Rasen- und Wiesenflächen gelb-braun verfärben. Das ist nicht zwangsläufig ein Zeichen mangelnder Pflege: Gräser reagieren auf Wassermangel mit einer natürlichen Ruhephase und reduzieren ihr oberirdisches Wachstum.

Auf der ehemaligen Pferderennbahn ist zur Landesgartenschau ein neuer Park mit mehr als 2200 Bäumen, hunderten Sträuchern und über einem Kilometer Hecken entstanden. Auf einer Fläche von rund 18 Fußballfeldern wurden blüh- und artenreiche Wiesen angelegt. Sie sollen die Biodiversität fördern und heimischen Pflanzen und Tieren vielfältige Lebensräume bieten.

Regionale Arten für vielfältige Wiesenflächen

Gemeinsam mit der Biologischen Station im Rhein-Kreis Neuss e. V. entstanden die Wiesen sowie naturnah gestaltete Sanddünen. Sie machen charakteristische Landschaften und Pflanzengesellschaften des Niederrheins erlebbar. Das verwendete Saatgut stammt aus artenreichen Rhein-Mähwiesen im Rhein-Kreis Neuss und wurde von der Biologischen Station durch Beerntung gewonnen.

Aus dem regionalen Saatgut wurden außerdem rund 1500 Pflanzen besonders prägender Wiesenarten vorgezogen. Sie kamen im Herbst 2025 und im Frühjahr 2026 auf die Flächen. Die Anlage kombiniert damit Einsaat und gezielte Pflanzungen.

Wiesen mit blauen, gelben und weißen Blühaspekten

Die Mähwiesen wurden mit unterschiedlichen Farbschwerpunkten in Blau, Gelb und Weiß angelegt. Auf der südwestlichen, gelb blühenden Wiese wachsen unter anderem Wiesen-Schlüsselblume, Scharfer Hahnenfuß, Wiesen-Pippau, Horn-Schotenklee und Orientalischer Bocksbart.

Wiesen-Salbei, Wiesen-Witwenblume, Wiesen-Skabiose, Rapunzel-Glockenblume, Gewöhnlicher Günsel und Echte Ochsenzunge prägen die blaue Wiese. In den weißen Wiesenbereichen finden sich vor allem Wiesen-Margerite, Wiesen-Labkraut, Weiße Lichtnelke und Schmalblättriger Spitzwegerich.

Im Nordosten des Geländes liegt ein weiterer Schwerpunkt auf heimischen Gräsern. Dort wurden zwölf verschiedene Grasarten eingesät, darunter Gewöhnlicher Glatthafer, Ruchgras, Kammgras und Sparrige Segge.

Pflanzenvielfalt schafft Lebensräume für Insekten

Die Vielfalt der Pflanzenarten bildet die Grundlage für unterschiedliche Tierlebensräume. Viele Insekten sind auf bestimmte Pflanzen angewiesen. Die Knautien-Sandbiene nutzt beispielsweise den Pollen von Witwenblumen und Skabiosen als Nahrung für ihre Larven, während andere Wildbienen bevorzugt Pollen an Glockenblumen sammeln.

Auch Raupen verschiedener Schmetterlingsarten benötigen bestimmte Futterpflanzen wie Horn-Schotenklee oder verschiedene Gräser. Eine vielfältige Vegetation stellt damit Nahrung, Schutz und Fortpflanzungsmöglichkeiten für Wildbienen, Schmetterlinge, Käfer und weitere Tiere bereit.

Standort und Mahd bestimmen die weitere Entwicklung

Wie sich die einzelnen Wiesen langfristig entwickeln, hängt von Standortbedingungen und Pflege ab. Bodenart, Nährstoffversorgung, Feuchtigkeit, Klima sowie Zeitpunkt und Häufigkeit der Mahd beeinflussen die Zusammensetzung der Vegetation. Entsprechend können sich die Flächen unterschiedlich entwickeln und im Jahresverlauf wechselnde Blühaspekte zeigen.

Für die professionelle Grünflächenpflege verdeutlichen die Flächen damit auch den Zusammenhang zwischen Standort, Pflegeregime und Vegetationsentwicklung. Die Wiesen bilden die jeweiligen Umweltbedingungen sichtbar ab.

Dormanz schützt Gräser während Trockenperioden

Bleibt über Wochen ausreichend Niederschlag aus und steigen gleichzeitig die Temperaturen, reagieren Gräser auf den Wassermangel. Sie gehen in eine als Dormanz bezeichnete Sommerruhe. Dabei wird das oberirdische Wachstum eingestellt und Energie in die Wurzeln zurückgezogen.

Die Halme verfärben sich braun und können abgestorben wirken, während das Wurzelsystem im Boden weiterlebt. Fallen wieder ergiebige Niederschläge oder sinken die Temperaturen, können die Flächen innerhalb weniger Tage erneut ergrünen. Die sommerliche Braunfärbung ist damit Teil der natürlichen Anpassung der Gräser an Trockenheit.

Pflege wird an Hitze und Trockenheit angepasst

Während Hitzeperioden wird die Pflege auf der Landesgartenschau an die Wetterbedingungen angepasst. Rasenflächen werden seltener und mit größerer Schnitthöhe gemäht. Dadurch wird der Boden stärker beschattet, die Wurzelzone vor direkter Austrocknung geschützt und vorhandene Restfeuchtigkeit länger im Erdreich gehalten.

Auch die Bewässerung erfolgt gezielt. In der prallen Mittagssonne wird nicht bewässert, da ein größerer Teil des Wassers verdunsten würde, bevor er die Wurzeln erreicht. Die Wassergaben erfolgen deshalb in den frühen Morgen- oder späten Abendstunden.

Bei der Verteilung der verfügbaren Wasserressourcen stehen frisch gesetzte Stauden und Bäume sowie florale Schwerpunkte im Vordergrund. Eine flächige Bewässerung sämtlicher Rasenflächen ist dagegen nicht vorgesehen. Damit verbindet das Pflegekonzept den Schutz junger Pflanzungen mit einem sparsamen Wassereinsatz.

Mehr als 1600 Kubikmeter Wasser pro Woche

Die Bewässerungsmengen unterscheiden sich je nach Vegetation und Fläche deutlich. Die 2200 Bäume erhalten zweimal pro Woche jeweils rund 80 Liter Wasser. Rund 5000 Quadratmeter Strauchflächen werden einmal wöchentlich mit 80 Litern pro Quadratmeter versorgt.

Bei den 3540 Quadratmetern Wechselflorbeeten erfolgt die Bewässerung viermal wöchentlich mit jeweils 30 Litern pro Quadratmeter. Die 2750 Quadratmeter Staudenflächen im Gartenland sowie 3960 Quadratmeter Staudenflächen im Rennbahnbereich werden zweimal pro Woche mit jeweils 30 Litern pro Quadratmeter bewässert.

Insgesamt werden damit wöchentlich mehr als 1600 Kubikmeter Wasser eingesetzt. Das Wasser stammt aus zehn Brunnen auf dem Gelände. Zwei befinden sich im Gartenland, sechs im Rennbahnbereich und zwei im Kulturanger. Das entnommene Grundwasser wird über die Bewässerung wieder dem Boden zugeführt.

Die Landesgartenschau Neuss läuft noch bis zum 11. Oktober 2026. Die Grünflächen zeigen während dieser Zeit nicht nur unterschiedliche Vegetationsbilder, sondern auch, wie sich eine an Wetter, Standort und Pflanzenbestand angepasste Pflege praktisch auf den Umgang mit Hitze und Trockenheit auswirkt.

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