Sachlichkeit statt Emotionalität: IAKS Deutschland zur Mikroplastik-Debatte
Die IAKS Deutschland, ein Verband aus Wirtschaftsunternehmen, Planern, Architekten, Betreibern, Wissenschaftlern, Hochschulen, Kommunen und Sportorganisationen, die im Bereich Sportstätten und -räume tätig sind, fordert eine sachlichere Diskussion zum Thema Mikroplastik in Kunstrasen.
Der Verband, der umfassendes Fachwissen aus Forschung, Herstellung, Planung, Umsetzung und Nutzung von Granulaten als Füllmaterial für Kunstrasen vereint, kritisiert die aktuelle Debatte als zu emotional und politisch instrumentalisiert. Die IAKS Deutschland ist sich der Umweltgefährdung durch Mikroplastik bewusst und arbeitet nach eigenen Angaben bereits an konkreten Lösungen.
In Deutschland wird nachweislich weniger Mikroplastik in Kunstrasen verfüllt als in anderen europäischen Ländern, da der druckdämpfende Aufbau des Kunstrasens geringere Füllmengen erfordert. Dieser Aspekt werde in der öffentlichen Diskussion kaum berücksichtigt. Die IAKS Deutschland befürwortet, Mikroplastik als Infill-Material in Kunstrasen in absehbarer Zeit zu ersetzen und zukünftig vollständig darauf zu verzichten.
Es sei jedoch kurzsichtig zu erwarten, dass sofort kein Kunststoffgranulat mehr verwendet oder innerhalb von zwei Jahren ein radikaler Austausch erfolgen könne. Solche Forderungen verunsicherten nicht nur Industrie und Arbeitnehmer, sondern auch Schulen, Vereine und Kommunen, die Kunstrasenanlagen gebaut haben oder planen.
Hier werden die durchaus ersten Umweltprobleme auf dem Rücken der Menschen und Gesundheit unserer Bevölkerung ausgetragen.
Dies betont Professor Robin Kähler, Vorsitzender der IAKS Deutschland, und mahnt zu mehr Sachlichkeit und Realismus.
Jetzt die Landes- und kommunale Förderung von Kunstrasen mit Kunststoffgranulat einzustellen, ist zwar grundsätzlich richtig, viel wichtiger ist aber, dass alle Pflegemaßnahmen vorgenommen und technischen Vorrichtungen eingebaut werden, die zu einer weiteren, wesentlichen Verringerung des Austrages von Granulat führen.
Es existieren bereits wirkungsvolle Verfahren zur Minimierung des Austrags, die auch von der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in ihrer Verlautbarung vom 25. Juli 2019 empfohlen werden.
Bevor Sportanlagen mit verfülltem Kunstrasen geschlossen werden und Sportler in ihrer Entwicklung behindert werden, sollten die Träger der Sportanlagen kurzfristig durch staatliche Förderungen unterstützt werden. Dies betrifft geeignete Pflegegeräte, Entwässerungen und Auffangvorrichtungen für Füllmaterial sowie Ausbildungskurse für das Pflegepersonal. Ziel ist es, den Austrag von Mikroplastik um mindestens die Hälfte zu reduzieren.
Wir müssen jetzt alle Maßnahmen zur Verringerung des Austrages von Mikroplastik ergreifen. Am besten ist ein Kunstrasen ohne Granulat.
Dies erklärt Rolf Haas, stellvertretender Vorsitzender und Ressortleiter Outdoor der IAKS Deutschland.
Die Mitglieder der IAKS Deutschland arbeiten an der Weiterentwicklung alternativer Füllmaterialien und Kunstrasenprodukten, die auf Mikroplastik verzichten. Biologisch abbaubare Füllungen sind jedoch noch nicht ausreichend erforscht, um zertifizierbar zu sein und die sportfunktionalen Anforderungen zu erfüllen. Auch Kork- und Sand-Verfüllungen weisen spezifische Vor- und Nachteile auf und müssen sportspezifisch beurteilt werden. Granulate in Kunstrasen sind hinsichtlich ihrer Nutzungsanforderungen sehr unterschiedlich zu bewerten.
Die Industrie benötigt eine Übergangsfrist von mindestens sechs Jahren für Forschung und Entwicklung geeigneter Alternativen und Lösungen, da der Markt die Produkte auch abnehmen muss.
