Die igs 2013: Herausforderungen und Erfolge
Nach 171 Tagen endete die Internationale Gartenschau Hamburg (igs 2013). Der dabei entstandene Wilhelmsburger Inselpark steht den Hamburgern fortan als neuer Volkspark zur Verfügung.
Die Gartenschau war von anfänglichen Herausforderungen geprägt, darunter Schnee und Frost im Frühjahr sowie eine verhaltene Akzeptanz in der Hamburger Bevölkerung. Dennoch verzeichneten die Veranstalter über eine Million Besucher. Diese erkundeten die verschiedenen Themengärten, ließen sich von Blumenpracht und Landschaftsgestaltung inspirieren und nahmen an Konzerten, Comedy-Veranstaltungen und Tanzaufführungen teil. Zudem bot der Park Möglichkeiten für sportliche Aktivitäten und Naturerlebnisse, wodurch der Stadtteil Wilhelmsburg für viele neu entdeckt wurde.
Wirtschaftliche Bilanz und städtebauliche Bedeutung
Die ursprünglichen Erwartungen der Initiatoren, die von Gutachtern prognostizierten 2,5 Millionen Besucher und eine vollständige Refinanzierung der igs durch Einnahmen, wurden nicht erreicht. Die tatsächliche Besucherzahl lag bei etwa 50 Prozent der Prognose, was zu deutlich geringeren Einnahmen führte. Die verbleibenden Kosten für den Betriebszeitraum von März 2007 bis Ende 2014 belaufen sich auf maximal 37 Millionen Euro.
Für die Zukunft der Elbinseln war und ist die igs 2013 zusammen mit der IBA ein zentraler Bestandteil der Strategie, hier eines der wichtigsten Stadtentwicklungsprojekte voranzutreiben: Für die Menschen, die hier leben oder eine neue Heimat finden, für die Unternehmen, die hier Arbeitsplätze schaffen und erhalten und für einen Stadtteil, der sozial gerechtes, Umwelt gerechtes und wirtschaftlich solides Leben, Wohnen und Arbeiten garantiert.
erklärte Stadtentwicklungssenatorin und Aufsichtsratsvorsitzende der igs gmbh, Jutta Blankau. igs-Geschäftsführer Heiner Baumgarten ergänzte, dass der Park mit großem Engagement geplant und gebaut wurde und einen Gewinn für Wilhelmsburg und Hamburg darstelle. Er räumte ein, dass die wirtschaftlichen Ziele verfehlt wurden, betonte jedoch, dass Hamburg stolz auf die positiven Veränderungen in Wilhelmsburg sein könne, die ohne die igs nicht stattgefunden hätten.
Oberbaudirektor Prof. Jörn Walter hob hervor, dass der Wilhelmsburger Inselpark ein integraler Bestandteil des städtebaulichen Projekts "Sprung über die Elbe" sei, das Hamburgs Park- und Grünanlagennetz ergänze und die neue Wilhelmsburger Mitte bilde. Dies solle zeigen, dass die Elbinsel ein Zukunftsquartier für grünes und maritimes Wohnen ist. DBG-Geschäftsführer Jochen Sandner betonte, dass die Gartenschau den gewünschten städtebaulichen Entwicklungsschub für Wilhelmsburg erreicht habe und eine Leistungsschau der gärtnerischen Berufe war. Er wünschte sich, dass der Pflegezustand des Geländes erhalten bleibt, damit der Park auch künftig genutzt werden kann.
Zahlen und Fakten zur igs 2013
Die Gartenschau verzeichnete folgende Daten:
- Besucherzahlen: 1,047 Millionen Besucher (Stand: 10.10.13).
- Ticketarten: 8.902 Dauerkarten, über 30.000 beantragte Nachbarschaftskarten mit 27.672 Zutritten, 73.952 Feierabendkarten.
- Monorail: 528.268 Fahrten.
- Bildung: Über 1.600 Bildungsveranstaltungen mit mehr als 35.000 Teilnehmenden, ausgezeichnet von der Deutschen UNESCO-Kommission.
- Reisebusse: 4.000 Busse, hauptsächlich aus Deutschland, brachten fast 145.000 Gäste. Internationale Besucher kamen aus Dänemark, Schweden, Holland, Österreich, Schweiz, England, Liechtenstein, Polen, Russland und Ungarn.
- Medieninteresse: Über 3.200 Akkreditierungen.
Service und Personal
- Mehr als 3.000 Führungen mit über 65.000 Teilnehmern.
- Täglich bis zu 1.000 Personen im Einsatz, darunter Ehrenamtliche, Künstler, Bildungsreferenten, Sportanleiter, Stammpersonal, Servicekräfte, Gastronomie, Gärtner, Reinigungskräfte, Sicherheitspersonal, Polizei und Erste Hilfe.
- Kostenloser Verleih von 837 Bollerwagen, 224 Rollatoren, 1.204 Rollstühlen und 2.114 eScootern.
- 132 ehrenamtliche Helfer unterstützten das igs-Team.
Gärtnerische Leistungen
- 400 Aussteller mit 770 Wettbewerbsbeteiligungen.
- Mehrere Millionen Pflanzen im Gelände.
- Auszeichnungen: 1.709 Gold-, 1.237 Silber-, 889 Bronze-Medaillen; 98 Große Goldmedaillen; 110 Ehrenpreise.
Kultur und Religion
- Über 5.000 im Eintrittspreis enthaltene Veranstaltungen, davon 1.200 Musik-, Theater-, Artistik- und Kinderprogramme.
- 15.000 Mitwirkende und 6.000 Künstler.
- Konzert-Höhepunkte: Ulrich Tukur & Die Rhythmus Boys (4.500 Besucher), Giora Feidman (2.000), Gustav Peter Wöhler (1.800), Truck Stop (1.500), Anna Depenbusch (1.200). Herr Holm begeisterte über 4.000 Besucher.
- 128 Firmenveranstaltungen mit über 7.000 Gästen.
- 550 Veranstaltungen zum Thema Weltreligionen, darunter 150 Vorträge und religiöse Feste. Ein Höhepunkt war das buddhistische Ullambana-Fest.
- 400 Andachten und Gottesdienste der Christen.
- 200 ehrenamtliche Mitarbeiter begleiteten Besucher durch den christlichen "Lebenspfad" Garten; 10.000 Kerzen wurden an der Hoffnungswand angezündet, 50.000 Segensbänder verteilt.
Sport
- Über 900 Veranstaltungen und Angebote für alle Zielgruppen.
- Höhepunkte: Tourauftakt des Deutschen Sportabzeichens und ParkSport-Abzeichens, sechs Skate-Contests, Deutsche Boule-Meisterschaften und Finale der Boule-Bundesliga, Hella-Inselparklauf, Open-Air-Kino, HipHop-Workshops und Battle, verschiedene Turniere, Kinderturnshows, Gesundheitsforen.
- Tägliche ParkSport-Angebote zum Mitmachen.
- Skater aus ganz Europa besuchten die Skate-Arena.
Nachnutzung des Wilhelmsburger Inselparks
Ab dem 14. Oktober ist das ehemalige Gartenschaugelände als "Wilhelmsburger Inselpark" frei zugänglich, abgesehen von den Umbaubereichen. Sofort geöffnet wurden der Haupteingangsbereich mit dem Weg zur Schwimmhalle, Kletterhalle und zum Wälderhaus, der Bereich am Kuckucksteich, der große Spielplatz am Kuckuckshorn sowie der Zugang über die Brücke Brackstraße. Anfang November folgen der westliche Teil um die alte Kapelle und der Südbereich um die Hauptbühne und die Kulturlandschaften. Bis Mitte 2014 soll der Park seinen endgültigen Zustand erreichen. Während der Umbauphase sichern Bauzäune die betroffenen Bereiche. Die Entscheidung über den Verbleib von Zäunen in einigen Bereichen liegt beim Bezirk Mitte. Die grundlegende Struktur des Inselparks bleibt erhalten, wie bereits vor der Gartenschau geplant. Etwa ein Drittel der 80 Gärten wird beibehalten. Für einen funktionierenden Park werden zusätzliche Rasenflächen geschaffen.
Was bleibt, was geht, was kommt?
- Elf Gärten in der "Welt der Bewegung" mit der gesamten Sport- und Spiellandschaft bleiben erhalten.
- Vier Gärten in der "Welt der Kulturen", Hecken um zwei Gärten zwischen Kuckucksteich und Hauland sowie einige kleine Pflanzflächen südlich davon bleiben. Die Plattform und Elektro-Anschlüsse an der Bühne Ost bleiben für eine mobile Bühne. Eine Ausschreibung für den Willi Villa-Betrieb wird vorbereitet.
- Vier oder fünf Gärten in den "Wasserwelten" bleiben erhalten, ebenso deren Schollenstruktur, die mit Rasen bepflanzt werden.
- Drei Gärten der "Welt der Kontinente" bleiben komplett, inklusive Vegetation, Stegen, Blütenmeeren, Großgehölzen und allen Wegen.
- Alle Pflanz-Container entlang des Hauptweges in der "Welt der Häfen" bleiben. Vor den Hallen entsteht eine Platzfläche. Entlang der Kleingärten werden zusätzlich 50 Bäume gepflanzt.
- Die Gärten in der "Welt der Religionen" bleiben in reduzierter Form als interreligiöser Treffpunkt erhalten. Hochbeete, Brunnen und Bänke bestehen fort, die Kapelle bleibt Veranstaltungsort.
- Alle fünf Spielplätze im Park bleiben erhalten.
- Die "Naturwelten" werden zu einer Schilffläche entwickelt, die Fundamente der Gärten werden entfernt.
- Die temporäre Brücke über die Wilhelmsburger Reichsstraße, die beide Parkteile verbindet, bleibt mindestens bis Ende 2014. Eine kleinere Brücke soll nach dem Abbau der temporären Brücke wiederhergestellt werden.
- Die Monorail-Bahn wird vollständig zurückgebaut.
- Dahlien werden an den Dahliengarten im Altonaer Volkspark abgegeben.
- Im Süden werden weitere 150 Bäume gepflanzt und rund 60 zusätzliche Kleingärten gebaut.
