Verbände und Organisationen

Gartenbauverbände in Schleswig-Holstein: Innovation, Ausbildung und regionale Stärkung

Die Gartenbauverbände Schleswig-Holsteins setzen auf Innovation, Ausbildung und regionale Stärkung. Sie engagieren sich für Nachwuchsförderung, verbessern die Ausbildungsqualität und treiben regionale Projekte voran, um den Gartenbau zukunftsfähig zu machen.

Fokus auf Nachwuchsförderung und Ausbildungsqualität im Gartenbau

Axel Huckfeldt berichtete über die fortgesetzte Imagekampagne des BdB und betonte die Bedeutung der Nachwuchswerbung. Dr. Hans Hermann Buchwald verwies auf die Nachwuchskampagne „Gärtner - der Zukunft gewachsen!“ des Zentralverbandes Gartenbau (ZVG) e.V. Beide Verbände äußerten sich kritisch zur Beschulungssituation für Gärtner in Schleswig-Holstein und zeigten sich besorgt um die Qualität der Ausbildung. Zur Verbesserung der Ausbildungsqualität in den Mitgliedsbetrieben und zur Steigerung der Attraktivität der Ausbildung beschlossen die Verbände die Einführung der Initiative „Top Ausbildung Gartenbau“ (TAG).

Die Vorsitzenden begrüßten zudem den Beschluss der Landesregierung, 2020 eine weitere Landesgartenschau auszurichten, und sicherten der LGS Eutin 2016 die Unterstützung des Berufsstandes zu. Zum Mindestlohngesetz äußerten sich Huckfeldt und Buchwald gemeinsam:

Nicht die gesetzliche Lohnhöhe ist das Problem, sondern die Folgen wie Dokumentationspflichten und Arbeitszeitgesetz. Wir fordern Nachbesserungen durch die Politik!

Die aktuelle Umsetzung des Gesetzes führe zu einem erhöhten Verwaltungsaufwand durch Aufzeichnungspflichten, ungelösten Fragen im Zusammenhang mit mitarbeitenden Familienangehörigen und Einschränkungen bei den Arbeitszeitkonten. Flexible Arbeitszeiten seien im Gartenbau aufgrund des saisonal schwankenden Arbeitsanfalls notwendig. Dies werde bisher durch Tarifverträge geregelt, um eine ganzjährige Beschäftigung der Mitarbeiter zu gewährleisten.

Regionale Innovations- und Zukunftsstrategie

Wichtige Meilensteine der Innovations- und Zukunftsstrategie beider Verbände umfassen die aktive Mitwirkung an der „Europäischen Innovationspartnerschaft“ (EIP), das neue Regionallabel „nordfreun.de“ für Zierpflanzen aus der Region sowie den 2014 gegründeten Förderverein „Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V.“

Dr. Silke Schneider, Staatssekretärin im Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein (MELUR), zeigte sich beeindruckt vom Engagement des Gartenbaus in Schleswig-Holstein, sich den Herausforderungen durch veränderte Markt- und Gesellschaftsbedingungen konstruktiv zu stellen.

Europäische Innovationspartnerschaft (EIP)

Im Rahmen der EIP werden Innovationen gefördert, die ökonomisch, ökologisch und effizient in den Betrieben sind. Die Förderperiode 2015-2020 in Schleswig-Holstein ist mit insgesamt 9,5 Mio. Euro bis 2020 ausgestattet. Die Projektumsetzung erfolgt in Operationellen Gruppen (OpG) mit den Unternehmen, wobei Beratung und Wissenschaft mitwirken. Länderübergreifende Kooperationen, insbesondere mit Hamburg, Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern, sind erwünscht. BdB SH und GVN starteten ihre Aktivitäten im Januar 2014 und meldeten bis Ende Mai 2014 beabsichtigte Aktivitäten an das MELUR.

Anschließend erfolgte die Gründung der Operationellen Gruppen Gartenbau mit den Projektträgern Gartenbauverband Nord (GVN), BdB S-H sowie dem Gartenbauzentrum der Landwirtschaftskammer S-H. Die Projektierung übernimmt die Service GRÜN mbH, eine Servicegesellschaft des BdB S-H. In der Vorbereitungsphase 2014 wurden Workshops in den Fachsparten des Gartenbaus durchgeführt. An den identifizierten und beantragten Projekten wirken 44 Gartenbaubetriebe aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern aktiv mit. Die Antragstellung der Projekte erfolgte fristgerecht bis zum 30. November 2014. Die Projektauswahl durch die Jury, ursprünglich für Dezember 2014 geplant, wurde auf April 2015 verschoben. Der Start der ausgewählten Projekte, ursprünglich für Januar 2015 vorgesehen, ist nun für Juni 2015 geplant.

Innovationsprojekte

  • Innovationsprojekte Baumschule
    • Einführung und Optimierung eines mobilen, kontinuierlichen Verfahrens zur Bodendämpfung für erdgebundene Baumschulkulturen als Alternative zur chemischen Bodenentseuchung (Kurztitel: Thermische Bodenbehandlung).
    • Klimawandel und Baumsortimente der Zukunft – Stadtgrün Nord 2025 (Kurztitel: Klimawandelbäume).
  • Innovationsprojekt Zierpflanzenbau
    • Ausbau effizienter, regionaler Wertschöpfungsketten für Zierpflanzen (Kurztitel: Wertschöpfung für Zierpflanzen).

Nordfreun.de – auf blühende Nachbarschaft

Rupert Fey von beyond flora und Kai Jentsch, Vorsitzender des Fachverbandes deutscher Floristen (FdF) Schleswig-Holstein, stellten Nordfreun.de vor. Diese Initiative norddeutscher Gärtner, Floristen und Fachhändler zielt darauf ab, die regionale Zierpflanzenproduktion „aus der Region – für die Region“ zu stärken. Die Initiative verbindet das Engagement für den Erhalt der Vielfalt und Qualität der regionalen Blumen- und Zierpflanzenproduktion, die Bedeutung des Zierpflanzenbaus für die ländlichen Räume Norddeutschlands und die Bewusstseinsbildung für den Nutzen glaubwürdig-regional erzeugter Produkte. Nordfreun.de zertifiziert und kennzeichnet Zierpflanzen aus regionaler Produktion, um sie für Verbraucher erkennbar zu machen und regionale Wertschöpfungsketten zu stärken.

Förderverein Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V.

Dr. Frank Schoppa, Vorsitzender des Fördervereins Kulturlandschaft Pinneberger Baumschulland e.V., erläuterte die Vereinsziele und Perspektiven. Das Pinneberger Baumschulland zeichnet sich durch grüne Vielfalt, gebündeltes Fachwissen und gartenkulturelle Einrichtungen aus. Der Auftritt der Kulturlandschaft auf der igs 2013 habe dazu beigetragen, Akteure zu vernetzen und das Grün des Baumschullandes erfolgreich zu präsentieren. Der 2014 gegründete Förderverein hat sich zum Ziel gesetzt, die Region durch den Ausgleich wirtschaftlicher, ökologischer, sozialer und kultureller Interessen nachhaltig zu entwickeln. Im ersten Jahr konnte der Verein zahlreiche Mitglieder gewinnen, darunter der Kreis Pinneberg, Städte und Gemeinden, Institutionen wie die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein, Verbände wie der Unternehmensverband Unterelbe-Westküste und die Fachverbände Garten-, Landschaftsbau HH und SH, sowie Vereine, Firmen und Privatpersonen.

Der Vorstand des Vereins setzt sich aus Mitarbeitern des Kreises Pinneberg, Repräsentanten von Fachverbänden und Vereinen sowie drei Bürgermeisterinnen der Region zusammen. Schoppa verdeutlichte die Zielsetzung und Arbeitsweise des Vereins anhand aktueller Projekte. Das von der Gemeinde Rellingen initiierte „Grünprojekt Rellingen“ soll die Verdrängung von Grünflächen durch bauliche Projekte verhindern. Bürgermeisterin Anja Radtke erhält hierbei fachlichen Rat und Unterstützung von ihren Vorstandskollegen. So wird am Tag des Baumes 2015 eine Baumspende des BdB-Landesverbandes S-H gepflanzt. Das Grünprojekt Rellingen hat aus Sicht des Fördervereins eine Vorbildfunktion in der Region. Pinnebergs Bürgermeisterin Urte Steinberg, ebenfalls Vorstandsmitglied, konnte Mitstreiter für die Idee des „Baumparks Pinneberg“ gewinnen. Geplant sind ferner „Entdeckerrouten“ in einem Kooperationsprojekt der Metropolregion Hamburg, eine Beteiligung an der Landesgartenschau 2016 in Eutin und die Vergabe einer „Mitnahmepflanze Pinneberger Baumschulland“.

Schoppas Vortrag endete mit einem Appell, dem Förderverein beizutreten oder ihn durch neue Projektideen, Mitgliederwerbung, Sponsorengewinnung und Anregungen zu unterstützen.

Wahlen der Verbandsgremien

Im BdB-Landesverband Schleswig-Holstein wurde Jan-Hinrich Heydorn, Bevern, zum neuen 2. stellvertretenden Vorsitzenden gewählt. Mathias Münster, Altenmoor, bisheriger Beisitzer, wurde Schatzmeister. Neuer Beisitzer ist John-Hermann Cordes, Holm. In der Landesgruppe S-H im Gartenbauverband Nord e.V. wurden Landespräsident Dr. Hans Hermann Buchwald (GVN), Malente, Schatzmeister Lars Kotzam, Gönnebek, und Beisitzerin Francesca Tischler-Brehmer, Gelting, wiedergewählt.

11.02.2015

Zurück