Die Geburtsstunde der geregelten Baumpflege in Deutschland
Die Notwendigkeit einer standardisierten Baumpflege entstand Anfang der 1980er Jahre. Zu dieser Zeit gab es keine einheitlichen Qualitätsstandards oder Richtlinien für Baumpflegearbeiten. Dies führte dazu, dass die wenigen existierenden Baumpflegebetriebe ihre Leistungen nach eigenen Vorstellungen anboten. Mit der steigenden Nachfrage nach Baumpflege, insbesondere von kommunaler Seite, wuchs der Bedarf an vergleichbaren Angeboten.
Ein entscheidender Impuls kam von der Oberfinanzdirektion Stuttgart, einem großen Auftraggeber. Sie lud die damals führenden Baumpflegeunternehmen ein, um ein technisches Regelwerk zu erarbeiten. Ziel war es, allgemeingültige Aussagen zum Umgang mit Bäumen zu definieren und eine Grundlage für genormte Ausschreibungen zu schaffen.
Dietrich Kusche erinnert sich an die Herausforderung, verschiedene Baumpfleger, die im Wettbewerb standen, an einen Tisch zu bringen. Das Ergebnis dieser Zusammenarbeit war die erste ZTV Baumpflege im Dezember 1981. Dieses Regelwerk definiert bis heute Begriffe, Anforderungen und Leistungen der Baumpflege und dient als Grundlage für die Vergabe und Kontrolle von Aufträgen.
Gründung und Entwicklung der QBB als Qualitätsgarant
Aus dem Kreis der Experten, die an der ZTV Baumpflege mitwirkten, entstand die Idee zur Gründung einer Gütegemeinschaft. Die Erkenntnis war, dass ein Regelwerk allein nicht ausreicht; es bedurfte auch Unternehmen, die eine verlässliche und qualitativ hochwertige Baumpflege gemäß diesen Richtlinien anbieten. Dies war die Grundidee der QBB: sich zusammenzuschließen, eine gemeinsame Sprache zu sprechen und Auftraggebern zu garantieren, dass Mitglieder normgerechte Baumpflege gemäß der ZTV Baumpflege ausführen.
Ursprünglich als „Gütegemeinschaft Baumpflege“ gegründet, musste der Name aus juristischen Gründen geändert werden, da der Begriff „Gütezeichen“ der RAL vorbehalten war. So wurde im März 1985 die Qualitätsgemeinschaft Baumsanierung und Baumpflege (QBB) ins Leben gerufen. Zu den neun Gründungsmitgliedern gehörten führende Baumpflegeunternehmen aus ganz Deutschland, darunter Firmen wie Kusche und Frotscher Berliner Baumdienst, Maurers Baumpflege und Hermann Stöteler GmbH.
Hans Rhiem betont, dass diese Idee bis heute gelebt wird. Die QBB kontrolliert neue Mitglieder durch eine Prüfungskommission, um die Einhaltung qualitativer und fachlicher Standards sicherzustellen. Zudem werden die Mitarbeiter der Mitgliedsfirmen regelmäßig geschult.
Herausforderungen und Pionierarbeit der QBB
Die Anfangszeit war geprägt von dem Bestreben, sich geschlossen zu präsentieren und eine gemeinsame Linie zu verfolgen, während man gleichzeitig Konkurrenten blieb. Die ZTV Baumpflege wird bis heute unter Federführung der FLL und unter Mitwirkung der QBB ständig weiterentwickelt.
In den 1990er Jahren, mit dem wachsenden Bedarf an Baumpflegern und der Entstehung neuer Fortbildungen wie dem Fachagrarwirt für Baumpflege und dem European Tree Worker, traten vermehrt kleinere Firmen in den Markt ein. Dies führte zu Reibereien zwischen den etablierten QBB-Mitgliedern und den „Newcomern“, die oft eine individuelle Philosophie verfolgten.
Hans Rhiem hebt hervor, dass die Gründungsmitglieder der QBB maßgebliche Pionierarbeit geleistet haben. Ohne ihr Engagement und ihre Bereitschaft, aus Fehlern zu lernen, wäre die Baumpflege heute nicht auf dem aktuellen Stand. Die QBB hat seit ihrer Gründung alle Entwicklungen in der Baumpflege unterstützt, von Wissenschaft und Forschung über Regelwerke und Qualitätsstandards bis hin zur Ausbildung und Arbeitssicherheit.
Ein Beispiel für dieses Engagement ist die Unterstützung der Berliner Beuth Hochschule bei Schnittversuchen an Platanen, wofür QBB-Mitgliedsfirmen Personal und Maschinen kostenlos zur Verfügung stellen. Auch die Gremienarbeit ist ein wichtiger Pfeiler: Die QBB ist in vielen nationalen und internationalen Gremien vertreten und hat diese teilweise mitbegründet. Dietrich Kusche wird hierbei für seine maßgebliche Rolle in der internationalen Gremienarbeit und bei der Gründung des European Arboricultural Council gewürdigt, woraus Fortbildungen wie der European Tree Worker und European Tree Technician entstanden sind und internationales Wissen nach Deutschland gelangte.
Zusammenarbeit und Zukunftsperspektiven der Baumpflege
Die QBB ist zwar die älteste, aber nicht mehr die einzige Vereinigung im Bereich Baumpflege. Seit 1996 ist sie Teil der Interessensgemeinschaft Deutsche Baumpflege (IDB), die viele Verbände, Arbeitskreise und Institutionen vereint. In der QBB sind vor allem größere Unternehmen organisiert, die bestimmte qualitative und personelle Standards erfüllen.
Hans Rhiem betont das Ziel, Gräben zuzuschütten und produktiv mit allen Gruppierungen zusammenzuarbeiten. Die IDB dient als Plattform für den fachlichen Austausch und die Entwicklung gemeinsamer Linien, beispielsweise im Artenschutz. Die Zusammenarbeit, auch bei der Überarbeitung der ZTV Baumpflege, wird als positiv bewertet.
Aktuelle Herausforderungen für die QBB sind die Fachkräftesicherung durch hochwertige Fort- und Weiterbildung sowie die Arbeitssicherheit. Die Installation von Arbeitssicherheitsmanagementsystemen stellt insbesondere kleinere Firmen vor große Herausforderungen. Ein weiteres zentrales Thema ist der Artenschutz. Die QBB arbeitet an einem Leitfaden, der Baumpflegern helfen soll, den Artenschutz am Baum gemäß der aktuellen Gesetzeslage zu handhaben, da das Bundesnaturschutzgesetz nicht alle Fälle detailliert regeln kann und unterschiedliche Auslegungen existieren.
Die QBB blickt optimistisch auf weitere Entwicklungen in der Baumpflege und sieht sich weiterhin als gefragter Akteur auf vielen Ebenen.
