Baustoffe & Materialien, Naturschutz

Waldzertifizierung: Kooperation statt Konkurrenz?

Experten diskutierten über die Zukunft der Waldzertifizierung und die Möglichkeit einer gegenseitigen Anerkennung von PEFC und FSC. Eine Umfrage zeigte, dass viele eine Kooperation wünschen, aber auch mit zwei Systemen leben könnten. Der Dialog soll die Entwicklung vorantreiben.

Anliegen vergleichbar, Herangehensweise unterschiedlich – Einblicke in PEFC und FSC

Dr. Michael Berger, stellvertretender Geschäftsführer des PEFC Councils International, und Dr. Uwe Sayer, Geschäftsführer von FSC Deutschland, diskutierten die Wirkung der beiden Systeme. Sayer bezeichnete die Grundanliegen als „sehr vergleichbar“, sah jedoch Unterschiede in Antrieb und Motiven, die sich bereits bei der Gründung der Systeme zeigten. Die Agenda von FSC werde demnach insbesondere von NGOs vorgegeben. Berger benannte die nachhaltige Waldbewirtschaftung als gemeinsame Mission.

Der gewünschte Effekt stelle sich jedoch nur mit der überzeugten Mitwirkung der Waldeigentümer ein. Sayer betonte, dass die Messung des Erfolgs am Zuwachs zertifizierter Fläche oder Marktanteile nicht auf der strategischen Agenda von FSC stehe. Für FSC gehe es vielmehr darum, Themen, Inhalte und Standards in die gute fachliche Praxis zu überführen. Berger hob die Bedeutung hervor, auch kleine Waldbesitzer durch einen Regionenansatz und akzeptable Kostenmodelle zur Zertifizierung zu bewegen.

Systemvergleich in der Forstpraxis

Eine Diskussion über die forstbetriebliche Dimension der Zertifizierung führten Susann Biehl (Evangelische Kirche in Mitteldeutschland, PEFC-zertifiziert), Bernhard Rückert (Stadt Lohr am Main, FSC-zertifiziert) und Dr. Ernst Baader (Stadt Heidelberg, FSC- und PEFC-zertifiziert). Einigkeit bestand über den Nutzen der Zertifizierung als Nachhaltigkeitsnachweis durch unabhängige Dritte. Die Diskutanten stimmten auch darin überein, dass es „egal“ sei, ob FSC oder PEFC zum Zuge komme, solange das Nachhaltigkeitsregelwerk vor Ort mit Leben gefüllt werde.

Die Entscheidung für ein oder zwei Siegel fiel bei den Waldbesitzern situationsgebunden aus. Pragmatische und kostenorientierte Gründe führten bei der Kirchenwald-Struktur zu PEFC. Die Stadt Lohr entschied sich aufgrund ihrer grundsätzlichen Haltung gegen Pestizide für FSC. In Heidelberg wurde die Doppelzertifizierung gewählt, da eine engagierte Bürger- und Studentenschaft Argumente für beide Systeme vorbrachte.

Holzindustrie im Spannungsfeld

Vertreter des Holzhandels und der Holzindustrie fanden schnell Konsens in der Anerkennungsfrage. Sie bekannten sich zu kontrolliertem, nachhaltigem Holz und bezeichneten eine zusätzliche Marktverengung durch detaillierte Standardunterschiede als geschäftsschädigend. Thomas Kayser, Verkaufsleiter HOLZ-JOKI, wünschte sich eine Einstufung von PEFC und FSC durch Dritte, vergleichbar mit TÜV und Dekra bei der KFZ-Prüfung.

Dr. Katharina Gamillscheg, stellvertretende Geschäftsführerin des Gesamtverbandes Deutscher Holzhandel, schlug vor, die Idee der gegenseitigen Anerkennung pragmatisch außerhalb des Waldes weiterzuverfolgen. Carsten Huljus, CEO Sustainable Biomass Program, stimmte zu und stellte dar, wie seine Organisation einen Dachstandard im Biomassebereich unter Einbeziehung von PEFC- und FSC-Zertifizierung etabliert hat. Alexander Kolb (Nolte Holzwerkstoff) und Mathias Reich (International Paper) kritisierten die negativen Auswirkungen, wenn der Markt die Systeme auseinanderdividiert und einseitig Rohstoffe eines bestimmten Systems fordert.

Gemeinsame Perspektive als Marketing-Instrument

Georg Abel, Geschäftsführer von Die Verbraucher-Initiative, forderte die Zertifizierungsorganisationen auf, kooperativ zu denken und eine Themenallianz zu bilden. Die Frage sei nicht „FSC oder PEFC?“, sondern „nicht-zertifiziertes oder zertifiziertes Holz“. Andreas Winterer (utopia.de), Imme Schäfer (Bioland Landesverband Baden-Württemberg e.V.) und Gordon Sommer (SOMMER+SOMMER) diskutierten, wie die Nachfrage nach nachhaltigem Holz mit Label gesteigert werden kann.

Sie waren sich einig, dass beide Labels ihre Bekanntheit beim Verbraucher steigern könnten, indem sie dessen Perspektive einnehmen. Sie rieten zu einer einfachen, plakativen und symbolträchtigen Kommunikation, da der reizüberflutete Kunde wenig Zeit habe, Botschaften zu entschlüsseln. Zudem lohne es sich, Konsumtrends wie Regionalität zu berücksichtigen.

Gründerväter: Gemeinsam gegen Waldvernichtung

Ein moderiertes Gespräch führten abschließend zwei Gründerväter der Systeme. Heiko Liedeker, Geschäftsführer der Leading Standards GmbH und ehemaliger WWF-Waldreferent, erlebte die Anfänge der Zertifizierung. Er erinnerte daran, dass der Impuls für die Gründung von FSC von Unternehmen ausging, die Sicherheit beim Holzeinkauf benötigten.

Marian Frhr. von Gravenreuth, Vorsitzender von PEFC Deutschland von 1999 bis 2005, erinnerte daran, dass PEFC die Erkenntnis zugrunde legte, dass es dem Wald gut geht, wo Eigentumsverhältnisse gesichert sind, und Probleme entstehen, wo sie unsicher sind. PEFC habe die Vereinsgründung bewusst mit den Waldbesitzern vollzogen. Von Gravenreuth und Liedeker appellierten an die Verantwortlichen, das Verbindende stärker in der Öffentlichkeit herauszustellen, um die Waldvernichtung gemeinsam zu stoppen. Das Forum zeigte, dass ein offener Dialog viel für den Gedanken der Zertifizierung bewirken kann und lieferte Anregungen für kooperative Ansätze.

16.07.2018

Zurück