Nachhaltigkeit und Rohstoffversorgung der Substratindustrie
Düsseldorf, März 2025. Anlässlich der Statustagung „Torfminderung im Gartenbau“ in Berlin, veranstaltet von der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e.V. (FNR) im Auftrag des Bundeslandwirtschaftsministeriums, haben der Industrieverband Garten (IVG) e.V. und die Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen (GGS) e.V. aktuelle Absatz- und Produktionszahlen der Substratindustrie vorgestellt. Trotz anhaltender Wirtschaftskrise blieb der Absatz von Substraten aus deutscher Produktion im Jahr 2024 stabil.
Im professionellen Gartenbau wurden 2024 insgesamt rund drei Millionen Kubikmeter (m³) Profisubstrate abgesetzt. Davon entfielen 1,8 Millionen m³ auf den heimischen Markt und 1,2 Millionen m³ auf den Export. Der Anteil von Torf als Ausgangsstoff in Profisubstraten für den deutschen Markt sank auf etwa 65 Prozent. Gleichzeitig stieg der Anteil torffreier Erden in diesem Segment auf sechs Prozent. Im Consumer-Bereich wurden fünf Millionen m³ Blumenerden verkauft, wobei der Torfanteil im deutschen Markt nur noch 33 Prozent betrug und der Anteil torffreier Erden bei 23 Prozent lag.
Die Statistik zeigt, dass Torf nur noch die Hälfte des Volumens aller eingesetzten Substratausgangsstoffe ausmacht. Es wurden 4,7 Millionen m³ Torf verwendet, ergänzt durch 4,2 Millionen m³ andere organische und 0,3 Millionen m³ mineralische Ausgangsstoffe. Dies deutet darauf hin, dass die Dekarbonisierung der Branche auf der Rohstoffseite bereits zu 50 Prozent erfolgt ist.
Damit hat die Substratbranche schon weitaus mehr erreicht, als viele andere Sparten und Branchen von Landwirtschaft bis Verkehr. Dies geschah durch partnerschaftliche Zusammenarbeit mit dem Erwerbsgartenbau, trotz komplizierter Rohstoffverfügbarkeiten und mit harten Vorgaben aus dem Handel.
Dies bewertet Philip Testroet, stellvertretender Geschäftsführer beim IVG. Er weist darauf hin, dass die Branche den Torfanteil in Substraten weiter reduziert hat, der Wettbewerb um begrenzte Rohstoffe sich jedoch verschärft. Dies könne die Qualität beeinträchtigen. Es gelte, den Einsatz unreifer oder minderwertiger Ausgangsstoffe durch zu hohe Erwartungen zu vermeiden.
Angesichts des Klimaschutzgesetzes, das Deutschland bis 2045 treibhausgasneutral vorsieht, fordert Testroet, der Branche ebenfalls bis 2045 Zeit für die rechnerische Klimaneutralität zu gewähren und zu einer ideologiefreien Politik zurückzukehren. Die Niederlande werden hier als Beispiel genannt.
Die jüngste „Aktionswoche Torffrei gärtnern“ der Bundespolitik wies auf die Hintergründe hin und empfahl den Kauf rein torffreier Erden. Dabei wurde auch auf die sich ändernden Anforderungen an Bewässerung und Düngung hingewiesen. Testroet hinterfragt, ob angesichts des Fortschritts der Torfreduktion weiterhin öffentliche Gelder für eine Marktlenkung hin zu rein torffreien Erden aufgewendet werden sollten.
Angebot und Nachfrage, Qualität und die Verfügbarkeit von Rohstoffen inklusive verantwortungsvoll, gewonnenem Torf sowie die Lebensrealitäten der Kundinnen und Kunden sollten fortan vielmehr den Markt ausgestalten. Zudem muss die Anwendungsinformation und Beratung am PoS im Fokus stehen.
