Schlossgarten Schwetzingen: Einzigartiges Kunstwerk in Gefahr
Der Schlossgarten der kurpfälzischen Sommerresidenz Schwetzingen ist in seiner Substanz bedroht. Prof. Dr. Hartmut Troll, Gartendenkmalpfleger bei den Staatlichen Schlössern und Gärten Baden-Württemberg, beschreibt die Situation als kritisch: „Das einzigartige Kunstwerk, der Schlossgarten der kurpfälzischen Sommerresidenz Schwetzingen, ist in seiner Substanz bedroht. Die Partien des Landschaftsgartens sind gefährdet: Das fragile System droht zu kippen.“
Besonders der Altbestand an Rotbuchen, die zwischen 100 und 200 Jahre alt sind und den Landschaftsgarten prägen, weist massive Schäden auf. Bei etwa 50 Prozent dieser Bäume ist der Austrieb stark beeinträchtigt oder ganz ausgeblieben. Dies führt zum Verlust des ursprünglichen Baumbestandes, der Ende des 18. Jahrhunderts von Friedrich von Sckell angelegt wurde.
Historischer Wassermangel und seine Folgen
Die Ursachen für die aktuelle Situation reichen weit zurück. Die Rheinregulierung im 19. Jahrhundert senkte den Grundwasserspiegel um sechs Meter im Vergleich zur Entstehungszeit des Schlossgartens. Der auf einem Ausläufer der „Mannheimer Düne“ angelegte Landschaftsgarten steht auf Sandboden. Infolge des abgesenkten Grundwassers sind die Bäume fast ausschließlich auf Oberflächenwasser angewiesen. Die zurückgehenden Niederschläge der letzten Jahre setzen die Bäume unter extremen Stress, was zum Abwerfen gesunder Äste und zum Absterben alter Bäume führt.
Neue Strategien zur Anpassung an den Klimawandel
Die Staatlichen Schlösser und Gärten setzen auf ein Bündel von Maßnahmen. Dazu gehört die Naturverjüngung: Sämlinge der Altbaumbestände werden in einer eigenen Baumschule in Schwetzingen herangezogen. Dieser Langzeitversuch zielt darauf ab, Setzlinge zu gewinnen, die von Anfang an an trockenere Klimabedingungen gewöhnt sind.
Zudem wird geprüft, ob innerhalb der Arten auf Sorten umgestellt werden kann, die ähnliche Merkmale aufweisen, aber in wärmeren und trockeneren Regionen wie Südosteuropa heimisch sind. So könnte beispielsweise der Bestand an Stieleichen auf Flaumeichen umgestellt werden, die im Mittelmeerraum vorkommen.
Für Arten wie die Rotbuche (Fagus Silvatica), die keine Verwandtschaft in trockeneren Klimazonen besitzt, werden Exemplare aus trockeneren Gegenden nach Schwetzingen gebracht. Diese Bäume wachsen bereits an der geographischen Trockenheitsgrenze ihrer Art und sind an Wassermangel angepasst.
Wir gehen bei der Suche nach geeigneten Ersatzpflanzen in die Regionen, deren Klima der jetzt kommenden Situation entspricht.
erläutert Prof. Dr. Hartmut Troll.
Deutschlandweite Zusammenarbeit und Frühwarnsysteme
Zur Bewältigung der Probleme werden verschiedene Ansätze verfolgt. In den Landschaftsgärten werden Grünflächen umgestaltet: Rasenflächen, die intensive Bewässerung erfordern, werden in Wiesen umgewandelt, die nur ein- bis zweimal jährlich gemäht werden und unbewässert bleiben. Diese Umstellung entspricht den Erkenntnissen der Gartendenkmalpflege und den Anforderungen des Klimawandels.
Die Staatlichen Schlösser und Gärten kooperieren mit führenden Institutionen wie der Deutschen Bundesstiftung Umwelt und anderen großen Gartendirektionen, darunter die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Ziel ist unter anderem die Entwicklung eines Frühwarnsystems für Baumstress.
Steigender Erhaltungsaufwand
Wir müssen uns anders aufstellen, was unsere Möglichkeiten angeht.
betont Hartmut Troll. Bislang war der Betrieb eigener Baumschulen nicht notwendig. Nun müssen Bäume vor Ort herangezogen werden, die an das lokale Klima angepasst sind. Dieser Aufwand ist beträchtlich, jedoch unerlässlich, um einzigartige Gartenkunstwerke wie den Schwetzinger Schlossgarten für zukünftige Generationen zu bewahren.
Überwachung der Gartenanlagen
Aktuell werden in allen Gärten und Parks des Landes, vom Norden bis zum Bodensee und von Osten (z.B. Weikersheim) bis zum Oberrhein (z.B. Schlossgarten Bruchsal, Schlosspark Favorite Rastatt), die Schäden erfasst. Dies dient dazu, schnell und gezielt handeln zu können, beispielsweise durch die Sperrung von Wegen und Zugängen zur Gewährleistung der Besuchersicherheit. Obwohl die geologischen Gegebenheiten zu unterschiedlichen Schadensbildern führen, sind Hitze- und Trockenheitsschäden an Bäumen überall feststellbar.
