Die Folgen zeigen sich oft schleichend und werden im Arbeitsrhythmus lange verdrängt. Für Betriebe im Garten- und Landschaftsbau bedeutet das steigende Ausfallrisiken, für Beschäftigte sinkende Belastbarkeit und langfristige gesundheitliche Einschränkungen. Prävention rückt deshalb stärker in den Fokus von Verantwortlichen in Unternehmen, Kommunen und der Planung.
Kerstin Stieghorst, Geschäftsführerin des Knieschonerherstellers Nierhaus sowie ihre Tochter Svenja – Assistenz und designierte Nachfolge-Geschäftsführerin – erklären, welche Prozesse im Körper ablaufen, warum vorbeugender Schutz wirtschaftlich sinnvoller ist als spätere Behandlung, und worauf es bei Auswahl und konsequenter Nutzung von Knieschutz ankommt.
Kniebelastung im Fokus: Ursachen, Folgen und Prävention
Was passiert physiologisch, wenn Beschäftigte lange knien?
Kerstin Stieghorst: Langes Knien erzeugt eine hohe punktuelle Druckbelastung auf Kniescheibe, Gelenkflächen und Knorpelstrukturen. Besonders betroffen sind die Schleimbeutel, die wie Stoßdämpfer wirken und bei Dauerbeanspruchung empfindlich reagieren. Gleichzeitig werden Bänder überdehnt und die stabilisierende Muskulatur ermüdet. Die eingeschränkte Durchblutung behindert die Versorgung des Gewebes und begünstigt Entzündungsprozesse. Durch die dauerhaft gebeugte Haltung entstehen zudem ungünstige Hebelkräfte im Gelenk. In der Summe erhöht sich das Risiko für Reizzustände, Schleimbeutelentzündungen, Knorpelschäden und vorzeitige Verschleißerscheinungen deutlich.
Warum trifft das den Garten- und Landschaftsbau besonders stark?
Svenja Stieghorst: Viele Arbeitsprozesse finden bodennah statt und lassen sich ergonomisch kaum anders ausführen. Hinzu kommen harte, raue oder unebene Untergründe wie Betonpflaster, Naturstein, Schotterflächen oder verdichtetes Erdreich. Diese Flächen geben nicht nach und verstärken den Druck auf die Gelenke. Feuchtigkeit, Kälte und Schmutz wirken zusätzlich belastend. Zwar wechseln Tätigkeiten im Tagesverlauf, doch kniende Phasen kehren regelmäßig zurück. Diese wiederholte Beanspruchung summiert sich über Monate und Jahre.
Welche Beschwerden entstehen typischerweise zuerst?
Kerstin Stieghorst: Häufig beginnen die Probleme mit Druckschmerzen an der Kniescheibe oder einem diffusen Spannungsgefühl im Gelenk. Viele Beschäftigte ordnen das als normale Begleiterscheinung körperlicher Arbeit ein. Mit zunehmender Dauer folgen Schwellungen, Überwärmung und entzündliche Reaktionen der Schleimbeutel. Bewegungen werden schmerzhafter, das Knie fühlt sich instabil an. Ohne geeignete Schutzmaßnahmen können sich chronische Beschwerden entwickeln, die therapeutische Behandlungen erforderlich machen und längere Arbeitsausfälle verursachen.
Warum ist Prävention wirtschaftlich sinnvoller als spätere Behandlung?
Svenja Stieghorst: Prävention schützt Gesundheit und Produktivität gleichermaßen. Weniger krankheitsbedingte Ausfälle entlasten Personalplanung und Projektabläufe. Behandlungskosten, Rehabilitationszeiten und Ersatzpersonal verursachen deutlich höhere Aufwendungen als frühzeitige Schutzmaßnahmen. Gleichzeitig bleiben Erfahrung, Routine und Leistungsfähigkeit im Betrieb erhalten. Investitionen in geeigneten Knieschutz sind vergleichsweise gering und amortisieren sich oft schon nach kurzer Einsatzzeit.
Kriterien für passenden Knieschutz
Worauf sollten Betriebe bei der Auswahl von Knieschonern achten?
Kerstin Stieghorst: Entscheidend sind ergonomische Passform, hochwertige Materialien und ein zum Einsatzbereich passendes Schutzkonzept. Knieschoner müssen sicher sitzen und dürfen weder verrutschen noch einschnüren. Eine ausreichend große Auflagefläche verteilt den Druck gleichmäßig. Das Außenmaterial sollte robust sein und gute Gleiteigenschaften besitzen, um ruckartige Belastungen zu vermeiden. Ebenso wichtig sind langlebige Komponenten, hygienische Reinigung und eine nachhaltige Ersatzteilversorgung.
Welche Rolle spielt das Polstermaterial für den Tragekomfort?
Svenja Stieghorst: Das Polster entscheidet darüber, ob Schutz dauerhaft getragen wird. Ergonomisch geformte Schäume passen sich der Anatomie an und verteilen Kräfte gleichmäßig. Hochwertiger PU-Schaum verbindet Dämpfung mit Formstabilität und verhindert punktuelle Druckspitzen. Atmungsaktive Materialien verbessern das Hautklima und erhöhen die Akzeptanz im Arbeitsalltag. Für den Außeneinsatz sind abriebfeste, feuchtigkeitsresistente Oberflächen besonders wichtig.
Wie wichtig ist die Befestigung im Arbeitsalltag?
Kerstin Stieghorst: Sehr wichtig, denn mangelnder Halt führt schnell dazu, dass Schoner abgelegt werden. Befestigungssysteme müssen einfach verstellbar sein und auch bei Bewegung zuverlässig sitzen. Elastische, atmungsaktive Bänder erhöhen den Komfort, ohne die Blutzirkulation einzuschränken. Verschlüsse sollten robust gegenüber Schmutz und Nässe sein. Praxistauglichkeit entscheidet darüber, ob Schutz konsequent genutzt wird.
Welche einfachen Maßnahmen helfen Beschäftigten sofort?
Kerstin Stieghorst: Knieschutz konsequent tragen und korrekt anpassen ist der wichtigste Schritt. Ergänzend helfen regelmäßige Positionswechsel, kurze aktive Pausen und der Einsatz ergonomischer Hilfsmittel. Auch eine bewusste Arbeitsorganisation reduziert Dauerbelastungen. Die Pflege und rechtzeitige Erneuerung der Ausrüstung erhalten die Schutzwirkung langfristig.
8 Tipps zur Prävention von Überlastungen der Knie
- Konsequent schützen: Knieschoner bei allen knienden Tätigkeiten tragen und individuell anpassen
- Belastung verteilen: Auf möglichst große, dämpfende Auflageflächen achten
- Haltung variieren: Arbeitsposition regelmäßig wechseln und einseitige Belastungen vermeiden
- Pausen nutzen: Kurze aktive Erholungsphasen entlasten Gelenke und Muskulatur
- Hilfsmittel einsetzen: Knieroller, niedrige Arbeitswagen oder mobile Sitze reduzieren Druckphasen
- Untergrund beachten: Wenn möglich, weiche oder nachgiebige Auflagen nutzen
- Ausrüstung pflegen: Verschlissene Polster rechtzeitig ersetzen und Verschlüsse prüfen
- Arbeitsabläufe planen: Kniende Tätigkeiten zeitlich entzerren und im Team rotieren


