Nachhaltige Stadtentwicklung und Wohlfühlareale
Vom 26. April bis 6. Oktober 2024 präsentiert die Landesgartenschau in Wangen im Allgäu unter dem Motto „Kunter, bunter, munter … naturnah, nachhaltig, nutzbar!“ innovative Ansätze für naturnahe Lebensräume, Klimaresilienz und nachhaltiges Bauen. Im Fokus stehen die Entwicklung zukunftsfähiger Stadtkonzepte und die Schaffung von Wohlfühlarealen.
Ein zentrales Element der Gartenschau ist der neue Argenpark, der sich als grünes Band entlang des Flusses erstreckt. Entlang einer Länge von dreieinhalb Kilometern wurde die Argen an mehreren Stellen geweitet und zugänglich gemacht. Diese Maßnahmen fördern die Eigendynamik des Flusses und schaffen neuen Lebensraum für Flora und Fauna. Neue Zugänge ermöglichen es Besuchern, den Fluss wieder zu erleben.
Vielfalt und Nachhaltigkeit im Fokus
Die Gartenschau würdigt mit ihrer bunten Vielfalt die Historie der ehemaligen Weberei ERBA. Der Stadtgarten, gegenüber der denkmalgeschützten Altstadt gelegen, bietet Entspannungsmöglichkeiten am Fluss.
Im Rahmen der Gartenschau entstehen 40 neue Werksgärten, die durch ein neues Wegesystem verbunden sind und das Konzept des Schrebergärtnerns neu interpretieren. Nach der Gartenschau werden die Auwiesen zu einem familienfreundlichen Wohnquartier mit Kindergarten umgestaltet. Auf dem Gelände des Industriedenkmals ERBA entstehen moderne Wohnungen sowie Gewerbe- und Veranstaltungsräume. Der sanierte Kamin dient als markanter Orientierungspunkt der Gartenschau.
Zehn Schaugärten als Inspiration
Zehn Schaugärten von Garten- und Landschaftsbaubetrieben aus der Region präsentieren sich naturnah, nachhaltig und nutzbar. Diese Themengärten am ehemaligen Sportgelände zeigen klimafitte Konzepte und laden dazu ein, über einen „grünen Spurwechsel“ nachzudenken. Die Konzepte umfassen Entsiegelung, Regenwassermanagement, den Einsatz von Recycling-Materialien, Ressourcenschonung, trockenheitsverträgliche Pflanzungen, Klimabäume, Photovoltaikanlagen auf Gründächern und die Integration von Wasserflächen. Die hohe fachliche Qualität und Kreativität der im Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. organisierten Fachbetriebe sind dabei gewährleistet.
Recyceln statt Verschwenden
Ein Beispiel für nachhaltige Gestaltung ist ein Hügel, der aus Recyclingmaterialien errichtet wurde. Ein gepflasterter Platz aus gebrauchtem Naturstein lädt hier zur Pause ein. Neu gepflanzte Klimabäume spenden Schatten und sind von einer heimischen Kräuterwiese umgeben. Ein Glasboden ermöglicht den Blick auf das verwendete Recyclingmaterial im Untergrund. Im urbanen Bereich sichern Bewässerung, Entwässerung, Baumsubstrate, Unterflurverankerungen und Belüftung das Wachstum von Bäumen in künstlichen Standorten, sogenannten Baumquartieren. Die Firma Zwisler aus Tettnang setzt auf hochwertige Recyclingbaustoffe zur Förderung einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft im Garten- und Landschaftsbau.
Modern trifft Natur
Der Garten von Schmid’s Garten aus Weitnau zeichnet sich durch seine natürliche Gestaltung aus. Eine „schwebende“ Stufenanlage führt zu einer Holzterrasse vor einem gläsernen Wintergarten. Hier vereinen sich Wasser, vielfältige Pflanzungen sowie sonnige und schattige Bereiche. Ein Weg aus Schrittplatten führt durch einen Naturpool zu einem Sitzplatz im Schatten von vier dachförmigen Klimabäumen. Ein Hochbeet aus heimischem Naturstein, bepflanzt mit Kräutern, Gräsern und Stauden, umrahmt diesen Bereich. Eine hohe Hecke, ergänzt durch Natursteinstelen und einen von Holzscheiten umrahmten Metallring, schafft eine geschützte Atmosphäre. Eine Photovoltaik-Anlage auf dem Gründach des Wintergartens sorgt für energetische Unabhängigkeit.
Drei Stationen des Glücks
Der Garten der Firma Form & Pflanze aus Leutkirch ist in drei Stationen des Glücks unterteilt. Der Zugang erfolgt über verschiedene Wegbeläge, die die fünf Elemente der chinesischen Philosophie symbolisieren. Die erste Station ist eine luftige Pergola, die von rosa blühenden Clematis umrankt wird. Ein Weg aus Trittsteinen über Wasserpflanzen und Moose, inspiriert von der japanischen Gartenkunst, schließt sich an. Eine Bank unter einer Japanischen Zelkove bietet einen Ort der Ruhe. Eine Staudenbepflanzung mit bunten Blütenfarben umrahmt die Gestaltung.
Klimazone: „Wachstum wohin man schaut“
Die Firma Köhle aus Bad Schussenried präsentiert eine grüne Oase, die ohne Beton und mit minimalem CO2-Verbrauch realisiert wurde. Umweltschutz, Hochwasserschutz und Klimaschutz sind hier vereint. Das patentierte Fassadenbegrünungs-System „Florafront“ ermöglicht vertikale Pflanzflächen. Als Schwammgarten aus regionalen Baustoffen gebaut, nimmt die Gestaltung Niederschlag auf, verdunstet Wasser über die Pflanzen und versickert Reste ins Grundwasser. Die heimische, naturnahe Pflanzenauswahl reduziert den Pflegeaufwand. Ein „Weiden-Jungle“ bietet Schatten für eine Familientafel neben einer Bocciabahn. Bienenfreundliche Stauden sowie ein Gemüse- und Kräuterhochbeet ergänzen das Wachstum. Akzente setzen überdimensionierte Pflanzkübel und ein begrüntes Piaggio. Diese Maßnahmen tragen zu einer negativen CO2-Bilanz und zur Treibhausgasreduktion bei.
Renovatio naturalis – Spurwechsel ins Grüne
Der Schaugarten von Gartengestaltung Gropper aus Waldburg zeigt die natürliche Erneuerung. Hier wird demonstriert, wie die Natur versiegelte Flächen zurückerobert und in blühende Gärten verwandelt. Die Gestaltung verdeutlicht, dass die Natur mehr zu bieten hat als monotone Rasenflächen und dass sie unzählige Formen, Farben und Funktionen in einem Kreislauf vereint. Der Garten lädt dazu ein, den Unterschied zwischen urbanen, versiegelten Räumen und naturnaher Gestaltung zu erleben.
Der Baustellen-Garten
Die Fritz Müller GmbH aus Weingarten präsentiert einen Baustellen-Garten, an dem während der Gartenschau weitergebaut wird. Dies ermöglicht Besuchern, die Vielseitigkeit der Dienstleistungen im Garten- und Landschaftsbau zu erleben. Ein Sandspielbereich für Kinder ist ebenfalls vorhanden. Ein berankter Laubengang bietet einen schattigen Aufenthaltsort, um das Geschehen zu beobachten. Wiederverwertung, Upcycling und Nachhaltigkeit prägen die Materialauswahl. Baustoffe stammen aus der Region oder erhalten einen zweiten Verwendungszweck. Ausgediente Baustellenelemente wie Warnbaken und Werkzeuge dienen als Rankgerüste oder werden als Pflanzgefäße genutzt. Die Pflanzenauswahl erinnert an die Spontanvegetation einer Baubrache und ist robust sowie trockenheitsverträglich. Das orangefarbene Blütenkonzept passt zum Farbschema der Baustelle.
Atempause
Der Garten der Firma Herrhammer, Gärtner von Eden, aus Heimenkirch im Allgäu bietet eine „Atempause“ in einem dichten Laubmischwald. Ein Holzsteg führt tiefer in den Wald, dessen Charakter durch schattenliebende Stauden betont wird. Nach einem „Waldbad“ erwartet die Besucher ein idyllisch mit Naturstein gepflasterter Platz unter einer berankten Pergola. Von hier führt eine Tür zu einem Pavillon, der den hektischen Alltag symbolisiert. Lounge-Sessel auf der Lichtung bieten den Blick auf einen Naturteich. Große Findlinge ermöglichen es, die Füße ins kühlende Nass zu strecken. Die natürliche Bepflanzung filtert das Wasser und dient Insekten als Nahrungsquelle und Lebensraum. Ein Sichtschutz aus Schwartenholzbrettern umgibt Lichtung und Teich und sorgt für Intimität.
Garten-Déjà Vu
Der Garten der Firma Kappler aus Wangen zeigt Möglichkeiten für ästhetisches Recycling. Großformatplatten und Sitzbänke bestehen aus recycelten Baustoffen. Die gestrahlte Oberfläche macht das Recyclingkorn sichtbar. Die Tragschicht der wassergebundenen Wegedecke besteht aus Recyclingschotter, das Holzdeck aus heimischem Hartholz. Unter einem mehrstämmigen Solitärgehölz lädt ein Freisitz mit bunten Kissen zum Entspannen ein. Wippende Gräser und farbenfrohe, trockenheitsresistente Stauden benötigen keine Bewässerung. Das wasserspeichernde recycelte Ziegelsubstrat bildet hierfür eine gute Basis. Eine Hainbuchenhecke fasst die Gartensituation ein, eckige Säulengehölze bilden einen Gegenpart zur Staudenbepflanzung.
Blickwinkel
Eine weitere Gestaltung der Firma Kappler aus Wangen schafft durch eine spannende Raumgliederung vielfältige Blickwinkel. Eine Wegedynamik aus fränkischem Muschelkalk führt zu verschiedenen Orten. Versetzt angeordnete Holzbänke ermöglichen unterschiedliche Blickrichtungen. Solitärgehölze und blühende Staudenpflanzungen ziehen mit ihrem Schauspiel der Natur die Aufmerksamkeit auf sich. Ein eingewachsener Staketenzaun aus Flachstahl ist inmitten des Blütenzaubers wahrnehmbar. Ein handgefertigtes Hochbeet aus Muschelkalk am Ende des Weges kann von einer beschatteten Pergola aus betrachtet werden. Ein Wasserbecken mit Überlauf spiegelt die Umgebung in umgekehrter Perspektiven.
Der Garten – als Teil der Natur
Die Helmut Haas GmbH aus Wangen legt den Fokus ihrer Gestaltung auf fließende Übergänge in die umgebende Landschaft und natürliche Kreisläufe. Belagsflächen mit breiten Fugen lassen Regenwasser versickern und bieten Refugium für trittfeste Bodendecker. Eine Dachbegrünung mit Photovoltaik-Anlage, deren Überschusswasser in eine artenreich bepflanzte Sickermulde abfließt, zeigt, wie negative Folgen der Versiegelung abgemildert werden können. Eine Anhügelung im Wiesengelände macht dieses Regenwassermanagement erlebbar. Ein glasklarer Schwimmteich mit biologischer Reinigung bietet im Flachwasserbereich Blütenreichtum und Verstecke für die Teichfauna. Am Holzdeck lässt es sich zwischen bunten Stauden entspannen. Schatten spenden ausgewählte Gehölze, darunter ein trockenheitsverträglicher Klimabaum und ein robuster Obstbaum.
Die Ess-Bar – zum Futtern gern
Pia Präger, Gartengestaltung in Argenbühl-Eglofstal, präsentiert naturnahe Hausgärten mit hoher Aufenthaltsqualität. Dieser Schaugarten berücksichtigt Regenwassermanagement mit wenig versiegelten Flächen, einem Gründach auf dem Gartenhaus und einer Sumpfzone für Überschusswasser. Die vielfältige Bepflanzung ist heimisch, essbar, heilend, gesundheitsfördernd oder anderweitig verwendbar. Sie dient zudem als Nahrung für Vögel und Insekten. Trockenmauern, Totholz, Benjes Hecken, offene Bodenstrukturen sowie Trocken- und Feuchtbereiche fördern die Biodiversität. Ein Blickfang ist das Zusammenspiel von Rorschacher Sandstein mit wiederverwerteten Baustoffen als Sitzmauer eines Pflanzhügels. Versickerungsfähige Wege aus wassergebundener Decke oder Patchwork-Pflaster mit breiten Fugen führen an Details wie einer Feuerstelle vorbei.
Begleitprogramm und Nachwuchsförderung
Begleitend zu den Schaugärten bietet der Pavillon Treffpunkt Grün eine zentrale Informationsplattform. Neben fachlicher Beratung wird ein Veranstaltungsprogramm angeboten, darunter die wöchentliche Vortragsreihe „Garten aktuell“ zu Themen wie Gestaltungsideen, Rosen im Garten oder Rasenpflege. Kinder und Jugendliche können bei verschiedenen Veranstaltungen Einblicke in den Berufsalltag eines Landschaftsgärtners gewinnen und eigene Gärten in Kisten gestalten.
Landschaftsgärtner-Cup Baden-Württemberg 2024
Zur Eröffnung der Landesgartenschau Wangen treffen sich sechs Nachwuchsteams des Garten- und Landschaftsbaus zum Landschaftsgärtner-Cup Baden-Württemberg 2024. In diesem Wettbewerb zeigen angehende Landschaftsgärtner und Landschaftsgärtnerinnen ihr Können, indem sie in sieben Stunden einen Garten nach Plan bauen. Eine Fachjury bewertet die Wettbewerbsaufgaben nach den Regeln der Technik.

