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Veitshöchheimer Landespflegetage 2020: Herausforderungen im GaLaBau

Die Veitshöchheimer Landespflegetage 2020 beleuchteten aktuelle Trends und Herausforderungen im Garten- und Landschaftsbau. Experten diskutierten Klimawandel, Artenschutz, Betriebsnachfolge und Pflanzenpflege, um die grüne Branche zukunftsfähig zu gestalten.

Aktuelle Trends und Entwicklungen im GaLaBau

Die Veitshöchheimer Landespflegetage 2020 befassten sich unter dem Motto „Herausforderungen für den GaLaBau“ mit aktuellen Trends und Entwicklungen der grünen Branche. Rund 900 Fachleute informierten sich am 21. und 22. Januar 2020 über die Schwerpunktthemen Klimawandel, Artenschutz, Besonderheiten der Betriebsnachfolge und Aspekte der Pflanzenpflege.

Gerhard Zäh, Präsident des Verbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL Bayern), identifizierte in seinem Grußwort Klimawandel, Digitalisierung und Fachkräftesicherung als zentrale Herausforderungen. Er betonte die Rolle des Grüns bei der Bewältigung des Klimawandels und die Notwendigkeit, Städte grüner zu gestalten, um den Anforderungen an Umweltschutz und Nachhaltigkeit gerecht zu werden. Auch das Bedürfnis nach Erholung in Gärten und öffentlichen Grünanlagen nehme zu.

Der VGL Bayern engagiert sich seit 2013 mit der Charta „Zukunft Stadt und Grün“, die von rund 50 Stiftungen, Unternehmen und Verbänden unterstützt wird, um Politik und Gesellschaft auf die Anforderungen des Klimaschutzes aufmerksam zu machen. Die Initiative „Grün in die Stadt“ hebt die positiven Effekte von Grünflächen im öffentlichen Raum hervor. Seit 2018 ergänzt der „Förder-Check“ die Kampagne als Dialogplattform für kommunale Entscheider, um passende Förderprogramme zu finden und Anträge zu stellen. Mit der Initiative „Rettet den Vorgarten“ tritt der Verband der zunehmenden Verschotterung von Gartenbereichen entgegen. Ziel ist es, Hausbesitzer über den Beitrag bepflanzter Außenanlagen zur Biodiversität und zum häuslichen Mikroklima aufzuklären. Die 2019 erschienene Broschüre „Unsere grüne Zukunft gestalten“ zeigt Beispiele auf, wie dem Klimawandel und urbanem Wachstum begegnet werden kann.

Zusammenfassend kann man feststellen, dass sich der GaLaBau, in Zusammenarbeit mit Landschaftsarchitekten und Planern, dem Produktionsgartenbau, der Baustoffindustrie und dem Handel, zunehmend zur Schlüsselbranche in der Bewahrung und Verbesserung der Lebensqualität für die Menschen entwickelt – in der Stadt und im ländlichen Raum.

Hinsichtlich der Digitalisierung verwies Zäh auf die Hilfestellung des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau bei Fragen zu Unternehmens- und Geschäftsprozessen. GaLaBau-Betriebe können einen „DIGI-Check“ durchführen und Merkblätter zu digitalen Lösungsansätzen nutzen. Der demografische Wandel und die Akademisierung der Berufswelt sind auch in der grünen Branche spürbar.

Wir sind deshalb aufgefordert, uns verstärkt mit der Qualität in der Ausbildung unserer angehenden Fachkräfte zu beschäftigen. Denn ein hervorragender Ausbildungsbetrieb ist und bleibt ein wichtiger Wegbereiter für junge Frauen und Männer beim Start in das Berufsleben.

Der VGL Bayern hat den „Staatsehrenpreis für vorbildliche Ausbildung im Garten- und Landschaftsbau“ initiiert, der 2019 erstmals vom Bayerischen Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vergeben wurde. Verbandsangebote, wie Studienreisen nach Lissabon im Rahmen des EU-Programms Erasmus+, bei denen 36 bayerische Auszubildende und Ausbilder das Ornamentpflastern erlernen, sollen die Attraktivität der Ausbildung steigern.

Wie der GaLaBau dem Artensterben entgegentreten kann

Pia Präger, Präsidiumsmitglied des VGL Bayern, erläuterte die Gestaltung naturnaher Privatgärten, Außenanlagen im Wohnungsbau und gewerblicher Flächen. Unter „naturnah“ versteht die Gärtnermeisterin die Gestaltung und Pflege eines Gartens im Einklang mit der Natur. Dies bedeute nicht, Pflanzen wild wuchern zu lassen, sondern der Natur Raum zur Entwicklung zu geben, ohne auf lenkende Eingriffe zu verzichten. Pflegemaßnahmen müssten sich am Charakter des Gartens und seiner Umgebung orientieren. Naturnahe Gärten mit vielen Ökosystemen und hoher Biodiversität seien ein Zeichen ausgeprägten Umweltbewusstseins.

Ein Naturgarten gilt als pflegeleicht, da viel der Natur überlassen wird. Bei der Schaffung von Lebensräumen für Pflanzen und Tiere sowie deren Artenvielfalt sind Aspekte wie die richtige Pflanzenauswahl, geeignete Standorte für Pflanzengesellschaften, der Verzicht auf Torf und die Verwendung von natürlichem Dünger zu beachten. Falllaub, verwelkte Blütenstände und abgestorbene Pflanzenteile bleiben im Herbst in den Pflanzflächen liegen. Sie schützen den Boden vor Austrocknung und führen ihm Nährstoffe zu. Totholz, Reisighaufen aus Obstbaum- oder Heckenschnitt sowie Falllaubschichten bieten Unterschlupf, Deckung, Schlafplatz, Überwinterungsort und Brutgelegenheit für zahlreiche Tierarten. Ein naturnaher Garten benötigt in der Regel keine zusätzliche Bewässerung, außer bei lang anhaltender Trockenheit, wofür gespeichertes Regenwasser verwendet wird.

Begrünte Dächer und Fassadenbegrünungen bieten vielfältige Lebensräume für Tiere und Pflanzen. Trockenmauern ermöglichen das Abfangen von Höhenunterschieden, gliedern den Garten und schaffen als Extremstandorte unvergleichliche Lebensräume für Pflanzen und Tiere. Hecken und Zäune eignen sich für Grundstücksabgrenzungen. Hecken bleiben meist freiwachsend und benötigen nur gelegentlichen Schnitt. Zäune aus Holz bieten Gestaltungsmöglichkeiten und können individuell aus Weidengeflecht, Knüppelholz, Brettern oder Ästen hergestellt werden. Bestehende Zäune aus Maschendraht oder Doppelstabgitter dienen als Kletterhilfe für Pflanzen. Parkplätze, Verkehrsflächen, Wege und Terrassen beanspruchen viel Fläche. Eine ökologische Gestaltung dieser Flächen bedeutet, den Flächenverbrauch zu minimieren. Hierfür eignen sich wassergebundene Wegedecken aus mineralischen Baustoffen und wasserdurchlässige Pflasterbeläge.

Betriebsübergabe erfolgreich planen und durchführen

Der Nachmittag des ersten Veranstaltungstages widmete sich der Betriebsnachfolge. Firmeninhaber berichteten über ihre Erfahrungen bezüglich des zeitlichen Vorlaufs, der Ermittlung von Unternehmenswert und Finanzierungsformen, des Rollenverständnisses von Übergeber und Nachfolger sowie deren Vorstellungen zur Unternehmensentwicklung.

Wolfgang und Marc-Daniel Zink von der Firma Garten Zink begannen im Sommer 2017 mit der Betriebsübergabe und führten Gespräche mit ihrem Steuerberater und einem Unternehmensberater. Aufgrund der langjährigen Zusammenarbeit von Vater und Sohn waren wenige Belange zu klären. Sie entschieden sich für den Verkauf bzw. Kauf des Unternehmens, um die Absicherung des Übergebers im Alter zu gewährleisten. Bei der Ermittlung des Unternehmenswertes wurden Betriebsimmobilien, Grundstücke, Pflanzen- und Materialbestände, Maschinen und der Firmenwert berücksichtigt.

Bei der Übergabe ändert sich im täglichen Ablauf nicht mehr viel. Wir haben einen klaren Leitfaden festgelegt. Demnach wird mein Vater weiterhin seine Bestandskunden sowie Kontakte pflegen und sich um das Firmengelände kümmern.

Die formelle Übernahme des Unternehmens Die Gartenzwerge Garten- und Landschaftsbau durch Mario Nast von Dieter Clonisch erfolgte 2015, wobei der Vorlauf bis zum endgültigen Vertrag zwei Jahre betrug. Nast entwickelte während seiner Tätigkeit ein enges Vertrauensverhältnis zum Übergeber Clonisch. Für Businessplan, Vertragsgestaltung, Finanzierungs- und Liquiditätsplanung holte Nast externe Hilfe. Die Wertfeststellung des Unternehmens erfolgte über die Bilanzsumme, und der Kaufvertrag wurde als Asset Deal ausgestaltet. Für den Kaufpreis gab es Förderkredite über die LfA Förderbank Bayern, und für den Kontokorrent wurde eine Grundschuld auf das Geschäftsgebäude bei der Hausbank hinterlegt. Das Eigenkapital für die Kredite steuerte der Übernehmer selbst bei.

Die Firma stand schon so da, wie ich mir das vorstellte. Deshalb musste erst einmal nicht viel geändert werden. Die weitere Entwicklung seitdem ist super: Maschinenpark getauscht und erweitert, neue Branchen-Software und Digitalisierung integriert, Ausbildung auf ein Topniveau gebracht und weitere Mitarbeiter eingestellt.

Gerhard Zäh, Geschäftsführer von Zäh Gartengestaltung, begann 2015 mit Überlegungen zur Betriebsübergabe. Sein Sohn Michael setzte sich in seiner Bachelorarbeit „Umfirmierung mit integrierter Nachfolge“ intensiv mit dem Thema auseinander. Konkrete Schritte folgten ab März 2016, und zum Jahreswechsel 2016/2017 stieg Michael Zäh in den Betrieb seines Vaters ein. Dies geschah im Zuge einer Umfirmierung bzw. Neugründung der bestehenden Firma in eine GmbH & Co. KG mit gleichzeitiger Überschreibung von Unternehmensanteilen des eingebrachten Einzelunternehmens. Im Rahmen der schrittweisen Übergabe hat das Unternehmen derzeit zwei Gesellschafter und zwei Geschäftsführer.

Als Übergeber sollte man sich ab dem 55 Lebensjahr Gedanken zur Nachfolge machen und in zeitliche Abschnitte splitten. Entscheidend war, zusammen mit meinem Sohn eine individuelle Planung zu erstellen.

Da beide Geschäftsführer und Gesellschafter des gemeinsamen Unternehmens sind, herrscht ein intensiver Dialog. Es gelte der Grundsatz, zusammen am gleichen Strang zu ziehen und die Meinung des anderen zu respektieren. Gerhard Zäh betonte, dass der Übergeber abgeben können müsse und der Übernehmer den Wert der Erfahrungen des Übergebers erkennen sollte. Michael Zäh ergänzte, dass ein gesundes Mittel gefunden wurde, bei dem der Übergeber den Übernehmer manchmal einbremst, die Richtung im Grundsatz aber der Übernehmer vorgibt. Der Einfluss des Übernehmers sollte sich nicht schlagartig, sondern langsam entwickeln, um die Umstellung auch für die Angestellten zu erleichtern.

Der zweite Veranstaltungstag konzentrierte sich auf fachkundigen, energieschonenden und chemiefreien Pflanzenschutz und -pflege. Weitere Themen waren der Einfluss des Klimawandels auf Rasenflächen, Untersuchungen der LWG zu Substraten im GaLaBau sowie die Möglichkeiten von Straßenbäumen als Komponenten einer Überflutungs- und Hitzevorsorge. Die Landespflegetage endeten mit der Präsentation aktueller Ergebnisse zur Stresstoleranz von Stadtbäumen. Die Fachtagung wird jährlich vom Institut für Stadtgrün und Landschaftsbau an der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau, dem VGL Bayern und dem Verband Ehemaliger Veitshöchheimer veranstaltet. Die 53. Veitshöchheimer Landespflegetage finden am 23. und 24. Februar 2021 statt.

24.01.2020

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