Branche im Fokus: Wirtschaftliche Lage und Saisonarbeitskräfte
Das Pinneberger Baumschulland, eine Region mit rund 300 Baumschulen, 3.000 Beschäftigten und einem Umsatz von 200 Millionen Euro, blickt auf eine 250-jährige Wirtschaftsgeschichte zurück. Landwirtschafts- und Umweltminister Jan Philipp Albrecht informierte sich vor Ort über die aktuelle Lage der Branche.
Bei einem Branchengespräch in den E. Sander Baumschulen in Tornesch traf sich Minister Albrecht mit Axel Huckfeldt, dem Vorsitzenden des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) Schleswig-Holstein, und weiteren Fachleuten. Im Fokus standen die Auswirkungen der Corona-Krise, aktuelle Herausforderungen sowie Lösungsansätze der Branche für Klimawandel, Insektenschutz und Biodiversität.
Axel Huckfeldt erläuterte die wirtschaftliche Situation der norddeutschen Baumschulen während der Corona-Pandemie:
Im Großen und Ganzen sind die Baumschulen bisher mit einem blauen Auge durch die Corona-Krise gekommen, obwohl der Absatz an Gartencenter zeitweise und der Export gänzlich zusammengebrochen war! Aufgrund der langen Produktionszyklen bei Baumschulprodukten von drei bis 15 Jahren ist eine kurzfristige Anpassung an einen sich verändernden Markt nicht möglich! Die Produktion für die nächsten Jahre steht schon auf dem Feld! Wir hoffen also auf eine sehr schnelle Erholung der Wirtschaft!
Bezüglich der Versorgung mit Saisonarbeitskräften gab Huckfeldt Entwarnung. Da die Saison bereits Ende Februar/Anfang März begann, gab es kaum Probleme mit der Einreise. Er betonte jedoch die Abhängigkeit von ausländischen Saisonarbeitskräften in Landwirtschaft und Gartenbau, was sich auch im Herbst bewähren müsse.
Anpassung an Klimawandel und Biodiversität
Jens Sander, Inhaber der E. Sander Baumschulen, die als Komplettlieferant für den Garten- und Landschaftsbau sowie den Gartenfachhandel agieren, gab einen Marktüberblick. Er berichtete von einem steigenden Interesse an Bienen- und Insektennährgehölzen. Bei Kommunen und Planern wachse zudem das Interesse an sogenannten Klimawandelgehölzen, also Baumarten, die auch bei Hitze und Dürre ihre Funktionen als öffentliches Grün erfüllen können.
Dr. Frank Schoppa, Verbandsgeschäftsführer, wies auf die ab 2020 gesetzlich vorgeschriebene Verwendung gebietseigener Arten in der freien Landschaft hin:
Unsere Branche hat sich auf die veränderten Rahmenbedingungen eingestellt. In der bundesweit tätigen Zertifizierungsgemeinschaft gebietseigener Gehölze (ZgG) sind viele Holsteiner Baumschulen Mitglied. Dieses Angebot ist angesichts des Klimawandels jedoch keinesfalls die Antwort für den überplanten und bebauten Bereich in der Stadt! Wir müssen Antworten finden, welche Baumarten die zukünftig immensen Belastungen aushalten und dennoch die ökologischen Funktionen leisten können. Hier wünschen wir uns Offenheit und mehr Unterstützung durch die Politik. Dazu gehört explizit auch keine Scheu vor nichtheimischen Gehölzarten aus vergleichbaren Klimaten.
Huckfeldt forderte nach dem Gespräch eine stärkere Investition in grüne Infrastruktur:
Wir sind auch nach der Corona-Krise noch Teil der Lösung der Klima-Krise! Wir produzieren CO2-Senken! Die Investitionen in die grüne Infrastruktur müssen weiter gesteigert werden!
Er schlug eine im Baurecht festgeschriebene Grün-Quote vor, um Mensch und Umwelt zu helfen und den Auswirkungen des Klimawandels in städtischen Räumen zu begegnen.
Qualität und Zukunftsaussichten der Baumschulen
Bernhard von Ehren, BdB-Vizepräsident, hob die internationale Spitzenposition der deutschen Baumschulen in puncto Qualität und Leistungsfähigkeit hervor. Diese Betriebe konzentrierten sich auf moderne Produktionsverfahren, Klima(wandel) und Nachhaltigkeit.
Er äußerte eine positive Zukunftsperspektive für die Branche:
Wir gehen davon aus, dass sich der Wandel zur Green Economy nach der Corona Krise beschleunigen wird und damit auch die Wertschätzung für Gehölze in der Politik und Gesellschaft zunehmen wird.
Abschließend dankte Huckfeldt Minister Albrecht für die Unterstützung der Fachmesse „FLORUM – Forum für Grünes Wissen“ 2019 und lud ihn zur Eröffnung der FLORUM 2021 am 1. September nach Ellerhoop ein.
