Verbände und Organisationen

Zwischen Naturidylle und Nutzungsdebatte

30.10.2016

Experten beleuchten, wie Bambisyndrom und Schlachthaus-Paradoxon die Wahrnehmung von Wald und Forstwirtschaft prägen – und warum Kommunikation zum Schlüsselfaktor wird.

Gesellschaftliche Wahrnehmung von Wald und Forstwirtschaft

Der Wald wird in der Gesellschaft sehr unterschiedlich wahrgenommen. Während sich eine naturverbundene Generation bewusst im Wald bewegt, um Erholung, Naturerlebnis und Sinnstiftung zu suchen, wächst zugleich eine „naturentwöhnte“ Gruppe heran, die kaum direkten Bezug zum Wald hat.

Diese Spannbreite der Wahrnehmung beeinflusst auch die Sicht auf Forstwirtschaft und Holznutzung. Wald und Holz genießen ein positives Image, die wirtschaftliche Nutzung hingegen stößt häufig auf Skepsis.

Bambisyndrom und Schlachthaus-Paradoxon

Im Rahmen der Veranstaltung „Waldbesitz und Kommunikation“ des DLG-Ausschusses für Forstwirtschaft wurden zentrale gesellschaftliche Entwicklungen analysiert. Zwei Begriffe verdeutlichen die Problematik: das sogenannte Bambisyndrom und das Schlachthaus-Paradoxon.

Das Bambisyndrom beschreibt die Verniedlichung der Natur und die Ablehnung des Tötens von als „süß“ wahrgenommenen Tieren. Das Schlachthaus-Paradoxon steht für die gleichzeitige Wertschätzung von Naturprodukten bei Ablehnung der zugrunde liegenden Nutzung. Diese Diskrepanz prägt zunehmend die öffentliche Debatte.

Referenten der Veranstaltung waren Dr. Stephanie Bethmann, Umweltsoziologin aus Freiburg, sowie Dr. Andreas Möller, Leiter Unternehmenskommunikation und Politik der TRUMPF Gruppe. Sie beleuchteten die unterschiedlichen Innen- und Außensichten auf Wald und Forstwirtschaft.

Drei zentrale Herausforderungen

In Gesprächsrunden kristallisierten sich drei forstpolitische Kernfelder heraus:

  • Verantwortung für Generationen
  • Klimaschutz
  • Emotionen

Die Verantwortung für kommende Generationen ist in der Forstwirtschaft aufgrund langer Wachstumszyklen besonders ausgeprägt. Waldbesitz bedeutet langfristiges Denken über Jahrzehnte hinweg.

Gleichzeitig stellt der Klimawandel mit häufigeren Extremereignissen eine wachsende Herausforderung dar. Wälder, Böden und Ökosysteme müssen sich an veränderte Bedingungen anpassen, was eine angepasste Bewirtschaftung erfordert.

Emotionen spielen dabei eine zentrale Rolle. Wahrnehmungen und Bilder beeinflussen die gesellschaftliche Akzeptanz stärker als rein fachliche Argumente.

Kommunikation als Schlüssel

Um die Öffentlichkeit besser zu erreichen, wurden drei kommunikative Ansätze hervorgehoben:

  • Meinungsführerschaft etablieren
  • Persönliche Betroffenheit herstellen
  • Bilder schaffen

Ziel ist es, komplexe Zusammenhänge verständlich zu vermitteln und emotionale Brücken zu schlagen. Praktische Hinweise zur Umsetzung gab Dietrich Holler, Leiter Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit der DLG. Eine klare, transparente Kommunikation kann helfen, Missverständnisse zu reduzieren und die gesellschaftliche Akzeptanz der Waldbewirtschaftung langfristig zu sichern.

Zurück