Branche diskutiert Nachhaltigkeit, Fachkräfte und Bürokratie auf Verbandstreffen
Mehr als 150 Unternehmerinnen und Unternehmer sowie Gäste aus Politik, Wirtschaft und Bildung nahmen an der Mitgliederversammlung des Verbands Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Niedersachsen-Bremen teil. Die Veranstaltung fand am 29. Februar und 1. März bei der Solarlux GmbH in Melle statt und widmete sich zentralen Herausforderungen für den Garten- und Landschaftsbau.
Im Mittelpunkt standen Themen wie nachhaltiges Wirtschaften, Bürokratie, Fachkräftemangel sowie die wirtschaftliche Entwicklung der Branche. VGL-Präsident Harald Kusserow begrüßte Vertreter der Mitgliedsbetriebe, Fördermitglieder und zahlreiche Gäste.
Nachhaltigkeit wird zum zentralen Unternehmensfaktor
Oliver Meyer, Nachhaltigkeitsberater der Kullmann & Meinen GmbH, eröffnete die Veranstaltung mit einem Vortrag über nachhaltiges Wirtschaften im Garten- und Landschaftsbau. Er betonte, dass Nachhaltigkeit für Unternehmen zunehmend zur Voraussetzung für langfristigen Erfolg werde.
„Das Thema Soziales wird sehr, sehr oft vergessen und kann aber ein sehr guter Katalysator werden, um Fachkräfte zu binden. Meine Attraktivität als Arbeitgeber steigt dadurch, wenn ich zum Beispiel flexiblere Arbeitszeiten ermögliche.“
Gerade für die Generation Z spiele Nachhaltigkeit bei der Wahl des Arbeitgebers eine wichtige Rolle. Der Verband bietet daher im Anschluss an die Mitgliederversammlung Workshops zur praktischen Umsetzung entsprechender Maßnahmen in den Betrieben an.
Strategien für den Umgang mit Krisen
Als Keynote-Speakerin sprach die Eurofighter-Pilotin, Ingenieurin und ESA-Reserveastronautin Nicola Winter über den Umgang mit Stress und Krisen. In ihrem Vortrag erläuterte sie, wie Entscheidungsprozesse auch unter extremen Bedingungen funktionieren können.
„Je komplexer das Problem ist, je größer die Krise wird, desto einfacher muss die Lösung sein“, betonte Nicola Winter.
Anhand realer Beispiele aus der Luftfahrt zeigte sie, wie klare Strukturen und einfache Entscheidungsregeln helfen können, auch in kritischen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Bürokratie und Fachkräftemangel im Fokus der Politik
Der CDU-Fraktionsvorsitzende im Niedersächsischen Landtag, Sebastian Lechner, sprach über Bürokratieabbau, Fachkräftemangel und Investitionsstau. Als Beispiel für effiziente Verwaltung nannte er die Digitalisierung staatlicher Prozesse in Estland.
Gleichzeitig hob er die Bedeutung ehrenamtlichen Engagements hervor.
„Ehrenamtliche Arbeit und der Einsatz fürs Sozialwesen verlängern die eigene Lebenserwartung. Und zwar, laut einer Studie der Universität Michigan, um 21 Prozent.“
Engere Zusammenarbeit von Schule und Wirtschaft
Staatssekretär Marco Hartrich aus dem Niedersächsischen Kultusministerium diskutierte mit den Teilnehmern über aktuelle Herausforderungen im Bildungsbereich. Ein zentrales Anliegen der Betriebe ist eine stärkere Verzahnung zwischen Schulen und Unternehmen.
Unternehmerinnen und Unternehmer sprachen sich insbesondere für flexiblere Praktikumszeiten aus, um Jugendlichen einen besseren Einblick in Berufe des Garten- und Landschaftsbaus zu ermöglichen. Gleichzeitig wurde gefordert, Maßnahmen gegen den Mangel an Berufsschullehrern zu verstärken.
Wahlen und Branchenentwicklung
Im Rahmen der Mitgliederversammlung bestätigten die Mitglieder Dietmar Uhlendorff im Amt des Vizepräsidenten. Neu in das Vizepräsidium gewählt wurde Achim Friedrichs aus Braunschweig.
BGL-Präsident Thomas Banzhaf berichtete gemeinsam mit BGL-Hauptgeschäftsführer Dr. Guido Glania über aktuelle Themen des Bundesverbandes Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau. Dazu zählen unter anderem politische Gespräche zur Mautausweitung für Fahrzeuge ab 3,5 Tonnen.
Trotz wirtschaftlicher Unsicherheiten zeigt sich die Branche weiterhin stabil. In Niedersachsen und Bremen erzielte der Garten- und Landschaftsbau 2023 einen Umsatz von rund 1,278 Milliarden Euro, ein Plus von 3,12 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Die Zahl der Beschäftigten stieg leicht auf 15.798, während auch die Zahl der Auszubildenden auf rund 1.100 anwuchs. Gleichzeitig geht die Zahl der Mitgliedsbetriebe leicht zurück, vor allem aufgrund ungelöster Unternehmensnachfolgen.


