Neue Wege in der Nachwuchsgewinnung: Online-Messen als Antwort auf die Pandemie
Der Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Schleswig-Holstein (FGL S.-H.) beschreitet neue Wege bei der Ansprache potenzieller Nachwuchskräfte. Angesichts der Absage traditioneller Jobmessen aufgrund der Corona-Pandemie setzt der Verband auf Online-Alternativen.
Die Branche des Garten- und Landschaftsbaus ist von der Corona-Krise weniger stark betroffen als andere Wirtschaftszweige. Die Tätigkeit im Freien schränkt die Arbeitsmöglichkeiten kaum ein. Zudem verzeichnen viele Betriebe im Privatkundenbereich einen Aufschwung, da Investitionen in den eigenen Garten getätigt werden. Trotz dieser positiven Rahmenbedingungen gab es während des Lockdowns kaum Möglichkeiten, mit potenziellen Auszubildenden in Kontakt zu treten. Dies führte zu einem Rückgang der Ausbildungsverträge: Bisher wurden lediglich 21 Verträge im Garten- und Landschaftsbau bei der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein registriert, was einem Rückgang von 45 Prozent im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
Online-Messen als Lösung für die Nachwuchssuche
Um die Mitgliedsbetriebe bei der Suche nach qualifiziertem Nachwuchs zu unterstützen, nehmen die Referenten für Nachwuchswerbung des FGL S.-H. im Juni und August an sechs Online-Berufsmessen teil. Dazu gehören fünf regionale Veranstaltungen der Messereihe „parentum“ in Lübeck, Kiel, Flensburg, Neumünster und der Region Unterelbe/Westküste sowie die landesweite „Virtuelle Jobwoche Schleswig-Holstein“.
Für uns ist dieses Format unter den erschwerten Bedingungen eine tolle Möglichkeit, in Form von Video-Chats mit Jugendlichen im Berufswahlalter und ihren Eltern ins Gespräch zu kommen.
Adonis Andresen, Ausbilder und Referent für Nachwuchswerbung beim FGL S.-H., hebt die Vorteile dieses Formats hervor.
Virtuelle Kennenlerngespräche und Zeitersparnis
Das Konzept der virtuellen Berufsmessen ist unkompliziert: Aussteller buchen Chatrooms, die sie über einen Online-Link erreichen. Eine Kamera und ein Mikrofon ermöglichen die persönliche Präsenz im Netz. Messebesucher und deren Eltern können sich anhand von Firmenprofilen über die teilnehmenden Unternehmen informieren. Zudem besteht die Möglichkeit, Informationsmaterial wie Flyer und Broschüren herunterzuladen. Für Kennenlerngespräche melden sich Interessenten mit einem frei wählbaren Namen für die ausgewählten Chatrooms an und treten ein, sobald der Raum frei ist.
Das Ganze ist quasi wie ein virtueller Messestand. Mit dem großen Unterschied, dass wir diesen nicht aufbauen und auch nicht durchs ganze Land fahren müssen, um zu den Messestandorten zu gelangen.
Lisa Willers, ebenfalls Ausbilderin und Referentin für Nachwuchswerbung beim FGL S.-H., betont die Zeitersparnis. Diese Effizienz ermöglicht es, an zwei Online-Messeterminen an einem Tag teilzunehmen, was bei Präsenzveranstaltungen nicht realisierbar wäre. Die Referenten können sich vorstellen, auch nach der Pandemie sowohl Online- als auch Präsenzmessen zu nutzen. Mitgliedsfirmen des Fachverbands können sich an diesen Aktivitäten beteiligen.
Bei der virtuellen Jobwoche Schleswig-Holstein habe ich im Chatroom zum Beispiel unser Mitglied Soeren von Hoerschelmann vom Fachbetrieb Gaerten von Hoerschelmann mit dabei. Wir werben gemeinsam für den Beruf des Landschaftsgärtners, und er kann zeitgleich nach geeigneten Nachwuchskräften für seinen Betrieb Ausschau halten.
Adonis Andresen ergänzt, dass sich Mitglieder auch kurzfristig für die Teilnahme an Chatrooms entscheiden können, was die Flexibilität der virtuellen Kommunikation unterstreicht. Die Bewerbung der Online-Messen erfolgt über die Partnerschulen der etablierten Präsenzmessen, um eine ausreichende Besucherzahl zu gewährleisten.

