ZVG-Symposium beleuchtet die Rolle von Pflanzen im Klimaschutz
Der Zentralverband Gartenbau (ZVG) veranstaltete unweit der Landesgartenschau Bingen das zweite Symposium der Reihe „Mensch & Pflanze“. Die Veranstaltung konzentrierte sich auf den Klimaschutz durch Grün und richtete sich an Fachleute sowie branchenfremde Interessierte. Am Vortag der Preisverleihung zum Bundeswettbewerb „Unsere Stadt blüht auf“ wurden verschiedene Aspekte der Thematik beleuchtet.
Mit dieser Symposien-Reihe möchte der ZVG den Fokus auf die Bedeutung von Pflanzen lenken, die über ästhetische Aspekte hinausgeht, insbesondere im Kontext von Klima und Grün. ZVG-Präsident Heinz Herker hob in seinem Grußwort die doppelte Rolle der Gartenbauprodukte und -dienstleistungen hervor.
Unsere vielfältigen Produkte und nachhaltigen Dienstleistungen werden einerseits selbst vom Klimawandel beeinflusst und verändert, andererseits wirken sie aber positiv als Klimafaktoren. Der ZVG stellt sich diesen Entwicklungen als Dachverband der deutschen Gärtner. Die einzelnen Unternehmer müssen sich den Veränderungen ebenso stellen, allein schon aus ökonomischen Gründen, um ihre Existenz und Arbeitsplätze zu sichern. Außerdem tragen wir Gärtner dazu bei, unsere Umwelt für nächste Generationen lebenswert zu erhalten.
Die Veranstaltung, moderiert von Professor Dr. Klaus Neumann von der Technischen Fachhochschule Berlin, befasste sich mit den Konsequenzen des Klimawandels für Mensch und Unternehmen. Es wurde die These aufgestellt, dass die Weltwirtschaft auf eine „grüne Epoche“ zusteuere, die revolutionäre Veränderungen mit sich bringen werde. Unternehmen, die sich frühzeitig anpassten, würden profitieren, während andere zurückblieben.
Professor Dr. Hans-Joachim Weigel vom Johann Heinrich von Thünen Institut Braunschweig erläuterte die Klimaveränderungen aus Sicht der Klimaforschung und zeigte mögliche Folgen für Ökosysteme und Pflanzen auf. Astrid Kube vom Bundesamt für Naturschutz in Bonn referierte über Grün und Grünpolitik.
Grün- und Freiraumstrukturen stellen auf regionaler, gesamtstädtischer und quartiersbezogener Ebene wesentliche Einflussgrößen auf das Stadtklima dar. Neben den Beiträgen zur Minderung der Folgen des Klimawandels kommen ihnen jetzt und in Zukunft wichtige Funktionen hinsichtlich der Erhaltung der biologischen Vielfalt und der Lebensqualität für den Menschen in urbanen Räumen und Landschaften zu.
Dr. Joachim Bauer vom Arbeitskreis Stadtbäume der Gartenamtsleiter-Konferenz (GALK) thematisierte den Beitrag von Gehölzen zur Minderung der Auswirkungen des Klimawandels. Er betonte, dass der prognostizierte Klimawandel nur mit großer Anstrengung zu stoppen oder zu verlangsamen sei, weshalb Anpassungsstrategien entwickelt werden müssten. Neue Aspekte wie Feinstaubfilterung und CO2-Reduktion seien in den Fokus gerückt.
Mit dem Klimawandel seien auch eine Zunahme neuer Baumkrankheiten und höhere Anforderungen an Standorte verbunden. Dies könne die Verwendung bestimmter Baumarten einschränken oder unterbinden, sodass vermehrt neue Baumarten zum Einsatz kommen müssten. Astrid Snowdon vom Regionalverband Ruhr, Essen, ergänzte, dass Grün zwar ein wichtiges Instrument in der Stadtklimatologie sei, die Wirkung der Vegetation auf Klima und Luftqualität jedoch von Faktoren wie Art der Bepflanzung, Größe, Lage und Gestalt abhänge.
Die Expertin hob hervor, dass zunächst das Ziel der Bepflanzung festgelegt werden müsse, um durch die Auswahl geeigneter Pflanzenarten und ein optimales Bepflanzungskonzept das gewünschte Ergebnis zu erzielen. Matthias Schmauder von der Landesgartenschau Bingen / Deutsche Bundesgartenschau-Gesellschaft (DBG) beleuchtete die Impulse des Berufsstandes für die Stadtentwicklung und die Auswirkungen des Klimawandels auf die aktuelle Landesgartenschau Bingen. Er forderte zudem, dass sich die Forschung verstärkt der Züchtung geeigneter Pflanzen widmen müsse.
Heinrich Bruns vom Gartenamt der Stadt Münster stellte Strategien zur Verbesserung der Lebensqualität in Kommunen vor. Er führte aus, dass eine systematisch betriebene integrierte Entwicklung von Grünflächen wesentlich zur hohen Lebensqualität in Münster beitrage, was die Loyalität der Bürger stärke und einen Vorteil im Wettbewerb der Städte darstelle.
Dr. Hans-Hermann Bentrup, Vorsitzender des Kuratoriums Entente Florale Deutschland, betonte in seinem Schlusswort die Notwendigkeit einer nachhaltigen Grünpolitik als Maxime politischen Handelns, die ständig neu erarbeitet werden müsse.
Mitmachaktionen gehören für unsere Städte deshalb zu den Selbstverständlichkeiten. Ein sehr erfolgreiches Instrument ist der Bundeswettbewerb "Unsere Stadt blüht auf". Der Wettbewerb 2008 wird heute mit der Preisverleihung im ZDF-Fernsehgarten abgeschlossen. Lassen Sie uns dieses Instrument verstärkt nutzen! Denn das ZVG-Symposium "Mensch und Pflanze" hat uns eindrucksvoll aufgezeigt, dass sich der Einsatz für mehr Grün in unserem Umfeld lohnt. Lassen Sie uns die Chancen nutzen! Mitstreiter für mehr Grün in unseren Städten kann es gar nicht genug geben.
Bentrup dankte abschließend allen Beteiligten, Referenten und Diskutanten.
