Infrastruktur als Rückgrat des Verkehrsflusses
Die Infrastruktur ist das Rückgrat des Verkehrsflusses. Ähnlich wie die Gefäße im menschlichen Körper, die das Blut transportieren, müssen auch Schienenwege regelmäßig überprüft und instand gehalten werden, um einen reibungslosen Betrieb zu gewährleisten. Eine solche umfassende Sanierung erfolgte kürzlich auf einem Abschnitt der Frankenwaldbahn zwischen Ludwigsstadt und Pressig in Oberfranken, einer wichtigen Verbindung zwischen Bayern und Thüringen.
An der Sanierung waren die Unternehmen Joseph Hubert, Schweerbau und VE-Log beteiligt. Die Arbeiten umfassten die Sanierung von Richtungs- und Gegenrichtungsgleisen und wurden in fünf Bauabschnitten im Schichtbetrieb rund um die Uhr durchgeführt. Neben dem konventionellen Umbau von sechs Kilometern Gleis war die Reinigung von Gleisbetten auf einer Länge von 34 Kilometern erforderlich. Dies betraf sowohl freie Streckenabschnitte als auch Bereiche um Bahnhöfe wie Steinbach am Wald und Brücken, wo der Schotter ausgetauscht werden musste.
Spezialmaschinen und Materialmanagement
Eine zentrale Rolle spielte dabei eine RM 800 Super 3S, eine Hochleistungsmaschine von Joseph Hubert zur Gleisschotterreinigung. Die knapp 300 Meter lange Maschine erneuerte pro Stunde 400 Meter Schotterbett. Der alte Schotter hatte im Laufe der Jahre seine Kantigkeit verloren und konnte sich nicht mehr richtig verzahnen, was für die Federung des Gleises notwendig ist. Steffen Assmann, Bereichsleitung Tiefbau, Geräte und Flächenmanagement von VE-Log, erklärte die Notwendigkeit des Austauschs.
Insgesamt mussten 21.000 Tonnen Neuschotter eingebracht werden. VE-Log aus Erlangen war für den Umschlag, den Betrieb von Lagerflächen für Schüttgüter und die Transporte zuständig. Das Unternehmen unterstützte die RM 800 Super 3S, indem es Feinmaterial und Altschotter entgegennahm und bei der Entladung der Altstoffe half. Dies umfasste das Anlegen von Haufwerken und das Umschichten von Material.
Die Gesamtbilanz der Materialien umfasste 20.000 Tonnen PSS (Planumsschutzschicht), 20.000 Tonnen Boden, 21.000 Tonnen Neuschotter und 30.000 Tonnen Altschotter.
Herausforderungen im Tiefbau und bei der Entwässerung
VE-Log führte auch konventionelle Tiefbauarbeiten durch, die für die Tiefenentwässerung auf einer Länge von 1,1 Kilometern notwendig waren. Diese Arbeiten schufen die Voraussetzungen für die Gleisbauer, um Schwellen zu legen und Schienen zu montieren. Auf knapp sechs Kilometern Länge musste zudem das Planum verbessert und der Boden ausgebaut werden, wobei die Baufirma mit wechselnden Bodenklassen konfrontiert war.
Eine weitere Herausforderung stellte das große Gefälle in einigen Gleisabschnitten dar, beispielsweise in Richtung Förtschendorf mit einer Steigung von etwa 28 Promille. Die 1890 erbaute Strecke führte durch den Rennsteig, was immer wieder zu felsigem Untergrund aus Diabas und Schiefergestein führte. Damals wurde Sprengstoff eingesetzt, was zu einer sehr unebenen Fläche führte. Steffen Assmann erläuterte:
„Als die Strecke gebaut wurde, achtete man nicht so wie heute auf einen ebenen Untergrund – durch das Sprengen entstand eine sehr unebene Fläche. Diese Abweichungen müssen wir nun ausgleichen durch den Einbau einer PSS in unterschiedlicher Schichtstärke.“
Zur Lösung des Felsgesteins im Jahr 2021 kamen Kemroc Fräsen vom Typ EK 40 und KR 120, ausgerüstet an Cat 330 Baggern, zum Einsatz. Anschließend konnte die neue PSS eingebracht und Neuschotter verteilt werden.
Maschineneinsatz und Logistik
Für die verschiedenen Tätigkeiten setzte VE-Log 15 Baumaschinen ein. Dazu gehörten eine Cat Walze mit Stehr-Verdichterplatten (CS56B) und Cat Kettenbagger (zwei 330 der neuen Generation). Ein neuer Cat Zweiwegebagger M323F bewährte sich besonders durch sein kurzes Heck, den Schienenradantrieb und das Bremssystem für die Gleisräder. Dieser Bagger ermöglichte profilfreies Arbeiten im Gleis, etwa beim Umschlagen von Schwellen oder Verteilen von Schotter, wobei ein flacher Stiel Schäden an der Oberleitung verhinderte. Aufgrund der positiven Erfahrungen plant VE-Log eine Erweiterung der Zweiwegebagger-Flotte für 2022 auf drei Cat Geräte.
Drei Cat Kettenbagger 315 mit Verstellausleger und Höhenbegrenzung übernahmen den Ein- und Ausbau von Schotter, ebenfalls unter Berücksichtigung der Oberleitung. Ergänzt wurde der Maschinenpark durch Schlepper, Vierachser, Tridem-Mulden und Raupen-Dumper. Für schnelle Arbeiten setzte VE-Log Highspeed-Dozer ein, eine Kombination aus Grader und Planierraupe auf Gummiketten.
Trotz der Widrigkeiten und schlechten Bodenverhältnisse konnte der enge Zeitplan eingehalten werden. Steffen Assmann betonte:
„Trotz vieler Widrigkeiten und schlechter Bodenverhältnisse haben wir eine Punktlandung bei der Bauzeit erzielt. Es gab nicht nur eine Herausforderung für Maschinisten und den Bauleiter zu bewältigen, um den engen Zeitplan einhalten zu können.“
Drei Baukolonnen von VE-Log arbeiteten parallel an den Gleisen in verschiedenen Abschnitten. Für den Materialumschlag und die Lagerung wurden im Vorfeld sechs Lagerflächen und kleinere Umschlagsflächen als Zwischenlager sowie Baustraßen für die Anlieferung von Korngemischen angelegt. Das Flächenmanagement, einschließlich der Pachtung von Lagerflächen für die Dauer der Baumaßnahme, gehört zum Service von VE-Log.
Auf diesen Lagerflächen waren in Spitzenzeiten bis zu fünf Cat Radlader 966 im Einsatz, um Altschotter, Boden, PSS und Neuschotter umzuschlagen. Überall, wo Baustoffe lagerten, wurde ein Vlies eingebaut. Altstoffe lagen zusätzlich auf einer Folie, die mit einer Schicht Filterkies abgewalzt wurde. Dies sollte eine Verdichtung des Untergrunds durch Baumaschinen verhindern und das Eindringen von Regenwasser mit Altstoffen ins Erdreich und Grundwasser unterbinden. Nach Abschluss der Arbeiten Ende November wurden die Lagerplätze in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzt.
Umfassende Vorbereitung und Baustellenmanagement
Die logistisch aufwendigen Vorbereitungen erfolgten in enger Abstimmung mit allen Beteiligten. Dazu gehörte die Installation von Baucontainern als Büros bei Steinbach am Wald und die Suche nach Unterkünften für die 50 Mitarbeiter. Aufgrund der Corona-Pandemie, die dazu führte, dass viele Hotels in der Region geschlossen blieben, entschieden sich die beteiligten Firmen für den Aufbau eines Baustellencamps mit Containern auf dem örtlichen Schützenplatz. Dies ermöglichte den Mitarbeitern kurze Wege, was angesichts der vielen Nachteinsätze besonders praktisch war und den Baustellenbetrieb rund um die Uhr sicherstellte.
