Erste Erfahrungen und Zielgruppen der GaLa-Q-Kurse
Melanie Selcho, Landschaftsgärtnerin und Bauleiterin, verantwortet seit September 2018 das Qualifizierungsangebot an der LVG. Sie gestaltete den Bildungsplan praxisnah mit kompetenten Referenten. Am Kurs Vegetationsflächenpflege nahmen 19 Personen teil, am Baustellenleiterkurs 17.
Das Weiterbildungsangebot ist zwischen der Berufsausbildung zum Landschaftsgärtner und den staatlichen Abschlüssen zum Meister oder Techniker angesiedelt. Die Berufserfahrung der Teilnehmer reichte von einem halben Jahr bis zu 30 Jahren. Selcho betonte die Herausforderung, jeden Teilnehmer individuell zu fördern.
Der Baustellenleiterkurs erstreckte sich über drei Wochen von November 2018 bis Februar 2019. Die Teilnehmer waren überwiegend gelernte Landschaftsgärtner, die bereits als Vorarbeiter tätig waren oder für diese Rolle vorgesehen sind. Die Weiterbildung in der Vegetationsflächenpflege umfasste in der Erprobungsphase zwei Wochen.
Inhalte des Baustellenleiterkurses
Die Teilnehmer kamen aus Betrieben unterschiedlicher Größe, vom Kleinbetrieb bis zu Unternehmen mit 100 Mitarbeitern, sowie aus dem Privatkundenbereich und der Kommunalwirtschaft.
„Im Baustellenleiterkurs bekamen wir konkreten Einblick in zwei GaLaBau-Unternehmen aus der Region und besuchten ein Erdenwerk. Die unterschiedlichen Organisationsstrukturen in den Betrieben sowie die Gespräche mit den Chefs und deren Bauleitern ergaben interessante Einblicke in unterschiedliche Praktiken. Jeder Teilnehmer hatte zudem ein eigenes Projekt mit Leistungsverzeichnis (LV), Plänen, Verträgen und Bildern dabei. Anhand dieser Beispiele konnten Optimierungsmaßnahmen aufgezeigt und erläutert werden“, so Selcho.
Unterrichtsinhalte waren unter anderem der Bedarf an Aufmaßen, Teilaufmaßen, Tages- und Baustellenberichten. Die Schnittstelle zwischen Büro und Baustelle wurde intensiv behandelt. Weitere Themen waren Baustellendokumentation, Kommunikation und der Umgang mit Baustellenbeteiligten.
Andreas Baranski vom Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Baden-Württemberg e.V. referierte zur Fassadensockelabdichtung. Auch die Sicherheit auf der Baustelle war ein Schwerpunkt. Rainer Gehrig von MVV Regioplan GmbH beleuchtete Leistungsverzeichnisse, Kalkulationen und Zeitwerte aus der Perspektive des Auftraggebers. Weitere Inhalte umfassten die Einsatzplanung und Pflege von Baumaschinen, Materialentsorgung, Baumschutz auf der Baustelle und das Lesen von Leistungsverzeichnissen. Eine Online-Plattform zur Wissensfestigung und zum Austausch ist geplant.
Inhalte des Kurses Vegetationsflächenpflege
Der Kurs Vegetationsflächenpflege richtete sich an Baumschuler, Zierpflanzengärtner, Forstwirte, Fachagrarwirte Baumpflege und GaLaBauer. Die Themen reichten von Böden und Standortbewertung bis zu Kommunikation und Teamfähigkeit.
Weitere Schwerpunkte waren Besonderheiten im Siedlungsgrün, Freiflächenmanagement, Pflegepläne, Pflegehandbücher und der sichere Umgang mit Maschinen. Auch Wiesenmahd, Landschaftspflege, Rasen, Rosen, Stauden, Schnitte, Düngung, Pflanzenschutz, Wildkrautbeseitigung und digitale Zeiterfassung wurden behandelt.
Vorhandenes Wissen konnte aufgefrischt, vertieft und erweitert werden. Das Verständnis für betriebliche Abläufe stand im Mittelpunkt. Der Pilotkurs dauerte zwei Wochen, wobei sich zeigte, dass für die Praxisübertragung zukünftig mehr Zeit eingeplant werden sollte.
David Zimmerling, Referent, Autor und Landschaftsarchitekt, zeigte sich positiv überrascht vom Interesse und dem Erfahrungsaustausch der Teilnehmer. „Hierin sehe ich eine gute Basis für eine virtuelle Plattform, auf welcher ein weiterer wertvoller Wissenstransfer zwischen den Teilnehmern stattfinden kann. Jeder Pflegende greift automatisch in die ursprünglich geplante Gestalt der Pflanzung ein, weshalb es sehr wichtig ist, das Ziel des Planers zu erfassen“, so Zimmerling. Er betonte die Bedeutung des Verständnisses für die Hintergründe der Tätigkeiten.
Neben Frontalunterricht zur Terminologie förderte Zimmerling den Wissensaustausch durch Gruppenarbeiten.
Teilnehmerstimmen und Feedback
Helen Knuth, Vorarbeiterin bei Peter Wallenwein, empfand die Erläuterungen zu Menschentypen und Kommunikation als hilfreich für den Alltag. Sie wünschte sich jedoch mehr Praxisbeispiele.
Zsuzsanna Somodi von Böttinger Garten und Landschaftsbau GmbH hob die Themen Sicherheit und Kommunikation hervor. Sie erwartet weitere Erkenntnisse zur Baustellenkalkulation.
Ralf Kremser, Revierleiter im botanischen Garten Frankfurt, konnte Wissenslücken, insbesondere zum Preisbewusstsein, schließen und plant die Entwicklung eines Pflegehandbuchs. Er hofft auf den Erhalt des Netzwerks.
Alexander Münch, der die Pflegeabteilung im Betrieb Kretz aufbaut, sah die Qualifizierung als gute Vorbereitung für seinen Berufsweg. Er fand Kalkulation, Pflegemanagement und Konfliktmanagement besonders interessant.
Jacob Rauch von Pia Präger verstand durch den Baustellenleiterkurs die Zusammenhänge zwischen Büro und Baustellenabläufen besser und fühlt sich nun in der Lage, den Betrieb besser zu unterstützen.
Alexander Zöller von Zöller Garten- und Landschaftsbau lernte viel über Kommunikation und erweiterte sein Fachwissen zu Normen und Richtlinien. Er schätzte die Lösungsfindung bei Konfliktsituationen und den Austausch mit anderen Teilnehmern.
Unternehmerischer Blickwinkel
Paul Saum, Vorsitzender des BGL-Ausschusses Berufsbildung und Mitglied im Arbeitskreis GaLa-Q, meldete drei Mitarbeiter zu den Weiterbildungen an. Er lobte die Inhalte und betonte, dass die Mitarbeiter mit neuen Impulsen zurückkehrten, was die Qualität der Ausführung steigere und die Attraktivität des Berufs fördere.
Birgit Zimmermann von Die Bäumler erhielt das Feedback, dass die Inhalte noch praxisbezogener hätten sein dürfen, insbesondere im Bereich Baustellenorganisation und -umsetzung. Sie regte einen Selbsttest zur Kommunikation an.
Peter Wallenwein von Gaiberg schickte drei Mitarbeiter zur Vegetationsflächenpflege. Er sah dies als Möglichkeit zur Horizonterweiterung und als Wertschätzung für die Mitarbeiter. Er wünschte sich mehr Praxisbezug, beispielsweise durch Exkursionen, und eine mögliche Verlängerung des Kurses, um fachlichen Diskussionen mehr Raum zu geben. Die Kompetenz der Referenten wurde positiv hervorgehoben.
Weiterbildungs-Visionen
Christoph Hintze, Direktor der LVG, sieht großes Potenzial in Blended-Learning-Konzepten für diese Weiterbildungen. Die Kombination aus Präsenz- und Selbstlernphasen bietet sich für engagierte Mitarbeiter an und reduziert die Freistellungszeiten für Betriebe. Selcho bestätigte die erforderliche Selbstdisziplin. Hintze sieht die langjährige Erfahrung der LVG mit digitalen Medien als Vorteil, auch wenn die Bereitschaft der Unternehmen zur Freistellung für Online-Lernphasen eine Herausforderung darstellt.
Ein virtuelles Klassenzimmer für Austausch und Datenzugriff ist im E-Learning vorgesehen. Medienpädagogen werden die Bausteine entwickeln, und ab Herbst 2020 bietet die LVG erste Blended-Learning-Kurse in den beschriebenen Bereichen an. Nach der Evaluierung durch die INIFES gGmbH bei allen sieben Bildungspartnern wird an der Verbesserung und Vereinheitlichung der Kursinhalte gearbeitet.
Zukünftig sollen die Weiterbildungen kostenpflichtig angeboten und bundesweit mit einer einheitlichen Abschlussprüfung versehen werden, um Transparenz zu schaffen. Die Zielgruppe muss präziser definiert werden, um die Erwartungen der Teilnehmer besser auf die Kursinhalte abzustimmen. Das Angebot ist derzeit auf Fachkräfte mit gärtnerischer Berufsausbildung begrenzt, könnte aber zukünftig auch von Kompetenz und Engagement abhängen.
