Park- und Aussenanlagen

Optische Täuschungen im Garten- und Landschaftsbau: Weite schaffen auf begrenztem Raum

Historische Schlossgärten nutzen optische Effekte, um Tiefe zu suggerieren. Diese Prinzipien lassen sich auch auf kleinere, private Gärten übertragen, um ein Gefühl von Weite und Struktur zu erzeugen und den Blick bewusst zu lenken.

Blickführung durch Sichtachsen im Garten

Ein bewährtes Mittel zur Blickführung sind Sichtachsen. Dabei handelt es sich um geradlinig angelegte Schneisen, die den Blick auf einen sogenannten „Point de vue“ richten. Dieser Blickpunkt kann ein Gebäude, ein Pavillon, ein Brunnen oder ein markantes Gehölz sein, das visuell hervorgehoben werden soll.

Auch in Privatgärten mit begrenztem Platzangebot können Sichtachsen effektiv eingesetzt werden. Ein schmal und linear verlaufender Weg kann beispielsweise den Garten größer erscheinen lassen. Eine gerade Wasserrinne verlängert den Garten optisch und erzeugt durch die Spiegelung des Himmels zusätzliche Tiefenwirkung.

Die Wirkung von Sichtachsen lässt sich durch die beidseitige Bepflanzung mit niedrig wachsenden Koniferen oder Laubgehölzen verstärken. Für diese Leitpflanzen empfehlen Landschaftsgärtner oft immergrüne Arten, da sie ihre Struktur und Wirkung über das gesamte Jahr beibehalten.

Abwechslung und Kontraste in der Bepflanzung

Zwischen den Leitpflanzen können sommergrüne und blühende Kleinsträucher für Abwechslung sorgen. Die Kombination von formal geschnittenen Gehölzen mit Gräsern schafft einen Kontrast zwischen Geradlinigkeit und Bewegung. Blühpflanzen mit unterschiedlichen Blütezeiten bieten über das Jahr hinweg wechselnde Farb- und Formkompositionen.

Die geschickte Wahl von Blatt- und Blühfarben kann den Garten zusätzlich vergrößern. Dunkle Farbtöne erzeugen Tiefe und eignen sich für den hinteren Bereich des Grundstücks, während helle Farben im Vordergrund eingesetzt werden können. Fachleute im Garten- und Landschaftsbau beschränken sich oft auf wenige Pflanzenarten und -sorten, die sie in einem rhythmischen Muster anordnen. In Streifen oder Blöcken gepflanzt und beidseitig der Sichtachse regelmäßig angelegt, unterstützen sie die visuelle Führung.

Den Blickpunkt inszenieren

Der „Point de vue“ im privaten Garten ist in der Regel kleiner als in großen Anlagen, kann aber dennoch eindrucksvoll gestaltet werden. Hierfür eignen sich beispielsweise ein Steinkübel, eine Skulptur oder ein Wasserspiel, passend zum persönlichen Geschmack und zur Architektur des Hauses. Auch Gehölze mit üppiger Blüte, attraktivem Laub oder intensiver Herbstfärbung können als Blickpunkt dienen. Bei ausreichend Platz kann sogar eine Sitzgruppe oder ein Durchgang zu einem weiteren Gartenbereich als Blickpunkt inszeniert werden.

Zusätzliche Spannung entsteht, wenn die Sicht auf den Blickpunkt durch Elemente wie einen Gartenteich oder eine niedrige Mauer unterbrochen wird. Für die Planung und Umsetzung solcher optischen Effekte ist die Beratung durch einen Landschaftsgärtner empfehlenswert, um die gewünschte Wirkung zu erzielen.

03.02.2019

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