Autonom mähen zwischen Heidelbeerreihen ohne Begrenzungsdraht und Zusatzantenne
In einer Heidelbeeranlage in Oberalmsham bei Ampfing übernimmt seit Frühjahr 2024 ein Mähroboter die Pflege der Grünstreifen zwischen den Reihen. Auf rund 1300 m² mit 79 No-Mow-Zonen testet Landwirt Michael Reiter den Einsatz eines Kress KR233E, um das Gras vor der Ernte zuverlässig kurz zu halten und den Aufwand im Betrieb zu reduzieren.
Die Heidelbeerfläche wurde 2015 angelegt. Tausende Sträucher wachsen dort in langen Reihen in feucht-humosem Boden. Für jede Pflanze wurde eine etwa 80 Zentimeter breite und 40 Zentimeter tiefe Grube ausgehoben, die Beete wurden mit Rindenmulch abgedeckt und über eine Tropfbewässerung versorgt. Bis zur Ernte ab Ende Juni oder Anfang Juli steht die Pflege der Anlage im Mittelpunkt, danach kommen Familien auf den Betrieb, um Heidelbeeren selbst zu pflücken.
Wiederkehrende Arbeit zwischen den Reihen
Zwischen den Pflanzreihen verlaufen rund 1,5 Meter breite Grünstreifen. Diese hat Reiter bisher regelmäßig mit einem Aufsitzmäher bearbeitet. Gerade in der Zeit vor der Ernte fiel dafür viel Arbeit an.
„Eine zeitaufwendige Tätigkeit,“ erläutert Reiter. „Dies ist der größte Teil meiner Arbeit auf dem Gelände.“
Neben dem Zeitaufwand störte ihn auch der Dieselverbrauch. Für eine biozertifizierte Anlage passte dieser Aufwand aus seiner Sicht nicht zum eigenen Anspruch an den Betrieb.
„Ich habe mich mit meinem Landmaschinenhändler darüber unterhalten und der machte den Vorschlag, es doch einmal mit einem Mähroboter zu versuchen.“
RTKn-System ohne zusätzliche Antenne
Landmaschinenhändler Thomas Loipfinger empfahl ein Gerät aus der Kress RTKn-Serie und zog Marcel Reder vom Kundendienst zur Beratung hinzu. Für die Fläche in Ampfing fiel die Wahl auf den Kress KR233E mit einer Maximalleistung von 1800 m².
„Das reicht allemal für die 1300 m2 Fläche mit 79 „no-mow-Zonen“, die ca 7.500 m2 ausmachen und die nicht gemäht werden,“ weiß Reder.
Das System arbeitet satellitengestützt und kommt ohne Begrenzungskabel sowie ohne zusätzliche Referenzantenne auf dem Gelände aus. Statt eines zufälligen Fahrmusters wird die Fläche digital erfasst. Die Installation erfolgt durch einmaliges Ablaufen des Mähbereichs, anschließend speichert der Roboter die Kartierung.
Die RTKn-Technik nutzt ein herstellereigenes Netzwerk an Referenz-GNSS-Empfängern, das über das Mobilfunknetz Korrekturdaten an den Mäher sendet. So wird die sonst übliche Positionsgenauigkeit von zwei bis fünf Metern auf Zentimeterniveau verbessert. Ein Koppelnavigations-Algorithmus soll die Spurtreue auch dann sichern, wenn Bäume oder Gebäude die Sicht zu Satelliten einschränken.
Praxisbetrieb in der Heidelbeer-Saison
Nach einigen an das Gelände angepassten Einstellungen mäht der Roboter inzwischen nahezu problemlos durch die Wiesenpassagen. Während der Ernte pausiert er, damit sich Kunden mit Körben und Eimern frei durch die Anlage bewegen können. Für den Familienbetrieb steht dabei nicht nur die Ernte im Vordergrund, sondern auch das Erlebnis in gepflegter Umgebung.
„Das Geheimnis des tollen Geschmacks ist unsere langjährige Erfahrung und hohe Sorgfalt im Anbau der Heidelbeeren,“ erzählt Michael Reiter voller Stolz. „In unserem kleinen Verkaufshäuschen kann man außerdem vielerlei Produkte regionaler Hersteller finden.“
Wenn die Saison meist Ende Juni beginnt, wird die Anlage zum Ausflugsziel für Familien. Reiter verbindet die Pflege der Flächen mit dem Anspruch, seinen Kunden beste Bio-Qualität und ein stimmiges Umfeld zu bieten. Der autonome Mäher übernimmt dabei einen Arbeitsgang, der bislang viel Zeit gebunden hat.
