Erste Erfahrungen mit Pflasterklinker im Mörtelbett
Ein zentraler Punkt des Seminars war ein erster Erfahrungsbericht zur Anwendung von Pflasterklinker im Mörtelbett. Dieses Verfahren wird derzeit in einem Gemeinschaftsprojekt des Amtes für Straßen- und Verkehrstechnik der Stadt Köln, der Fachhochschule Köln und der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker erprobt. Ziel ist die Entwicklung von Ausführungsempfehlungen für die gebundene Bauweise bei der Sanierung von Klinkerpflasterflächen im Umfeld der Kölner Philharmonie.
Professor Koch, Professor für Straßenbau und Vermessung an der FH Köln, erläuterte die Eignung dieser Bauweise für mitteleuropäische Klimaverhältnisse. Er betonte, dass eine alleinige Vermörtelung der Fuge bei ansonsten ungebundenem Aufbau nicht ausreicht, um die Vorteile gebundener Pflasterungen wie bessere Begehbarkeit und höhere Standfestigkeit zu erzielen. Die Wirtschaftlichkeit der teureren gebundenen Pflasterung sei nur gegeben, wenn auch Bettung und Tragschicht als starre, verformungsarme Unterlage ausgeführt werden.
Professor Koch stellte zudem die Kernpunkte des Arbeitspapiers "Flächenbefestigungen mit Pflasterdecken und Plattenbelägen in gebundener Ausführung" vor, das voraussichtlich im September 2007 von der FGSV veröffentlicht wird. Er berichtete auch über Untersuchungen zum Haftverhalten von Klinker mit verschiedenen Werkmörteln für die Pflasterfuge im Rahmen der Sanierung des Heinrich-Böll-Platzes in Köln. Die Versuche zeigten, dass der Erfolg der gebundenen Verlegung von Material und Baustellenbedingungen abhängt.
Planung und Ausführung aus kommunaler Sicht
Dipl.-Ing. Frank Weinert, Bau- und Projektleiter von Straßenbaumaßnahmen des Tiefbauamtes Bottrop, gab Empfehlungen für Planung, Ausschreibung und Ausführung von Klinkerpflasterbau aus Sicht des kommunalen Auftraggebers. Als Beispiel diente die Neugestaltung der Hauptstraße in Bottrop-Kirchhellen, die in Regelbauweise mit Pflasterklinker erfolgte.
Weinert stellte die unterschiedlichen Erwartungen der Beteiligten dar, die von optischer Aufwertung über barrierefreie Zugänge bis hin zu Langlebigkeit, Schmutzresistenz und der Vermeidung von "Flickenteppichen" durch Aufbrüche reichen. Für die Umsetzung der Baumaßnahme hob er die Bedeutung hervor, in der Ausschreibungsphase die ZTV Pflaster in Verbindung mit der TL-Pflaster zu vereinbaren.
Neuerungen im Bauvertragsrecht und Regelwerk
Dipl.-Ing. Joachim German, öffentlich bestellter und vereidigter Sachverständiger für Straßenbau, Darmstadt, erläuterte anhand von Beispielen aus der Baupraxis den aktuellen Stand der Regelsetzung, die mit der Veröffentlichung der neuen VOB 2006 in Kraft getreten ist. Er informierte über die Auswirkungen dieser Neuerungen auf Bauvertragsrecht, Ausschreibungen, Aufmaß, Kalkulation und Ausführung.
German betonte, dass die drei Regelwerke – ZTV Pflaster-Stb 06 für die Ausführung, die TL-Pflaster-Stb 06 für die Produkte und die ATV DIN 18318 – als Einheit zu betrachten sind. Seine Empfehlung für den Bau von Verkehrsflächen lautet, die ZTV Pflaster und damit auch die TL Pflaster als bauvertragliche Grundlage in den Leistungsbeschreibungen zu verankern. Dies schaffe bauvertragliche Klarheit und berücksichtige die Neuerungen des europäischen Normenwerkes.
Aktuelle Tendenzen bei der Gestaltung mit Pflasterklinker
Abschließend gab Dipl.-Ing. Dieter Rosen, Technischer Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Pflasterklinker, einen Überblick über aktuelle Tendenzen bei der Planung und Gestaltung mit Pflasterklinker im öffentlichen Raum.
Das Seminar wurde gemeinsam mit dem Baugewerbeverband Schleswig-Holstein und dem Fachverband GaLaBau Schleswig-Holstein e.V. veranstaltet.
