Baustoffe & Materialien, Stadtmöblierung, Wege-, Platz- und Terrassenbau

SF-Kooperation: Spezielle Pflasterbettung für Gemeindshus am Lindenplatz

Seit 1971 ist die Städtebauförderung als gemeinschaftliche Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen ein erfolgreiches Instrument der städtischen Erneuerung. Sie unterstützt die Kommunen dabei, ihre Städte an wirtschaftliche, gesellschaftliche und ökologische Veränderungen anzupassen. So werden zum Beispiel die Errichtung von Schulen, Kindergärten und Spielplätzen, die Schaffung von Grünanlagen sowie barrierearmen Zugängen oder die Sanierung auf den aktuellen Stand der Technik gefördert. Allein in Baden-Württemberg konnten bereits mehr als 900 Kommunen in über 3.400 Sanierungs- und Entwicklungsgebieten ihre städtebauliche Entwicklung voranbringen, Missstände beseitigen und Orte der Begegnung schaffen.

Jüngstes Beispiel für eine gelungene Maßnahme stellt die Sanierung des Umfeldes des „Gmeindshus“ in Oberlauchringen im baden-württembergischen Landkreis Waldshut dar. Bei der Umgestaltung des Lindenplatzes setzten die Planer auf ein spezielles Pflastersystem in Kombination mit einem besonderen Fugen- und Bettungsmaterial.

Das „Gmeindshus am Lindenplatz“ wurde ursprünglich 1910 erbaut, diente zunächst als Bürgerhaus und wurde später als Wohnhaus genutzt. Es ist ein regionaltypischer Bau mit Staffelgiebel und zählt zum lokalen Denkmalbestand. Aufgrund des altersbedingten Sanierungsbedarfs und zum Erhalt der historischen Substanz, beschloss der Gemeinderat vor einiger Zeit eine Generalsanierung des denkmalgeschützten Gebäudes. Diese zielte darauf ab, eine multifunktionale Nutzung zu ermöglichen, die eine Open Library, eine rund um die Uhr geöffnete Marktscheune, Co-Working-Spaces und einen Treffpunkt für Bürger umfasst. Hierfür wurden die Innenräume so umgestaltet, dass sie den unterschiedlichen Nutzungen gerecht werden. Um allen Bürgern den Zugang zu ermöglichen, wurden barrierefreie Zugänge geschaffen. Dies umfasst den Einbau eines Aufzugs sowie Rampen und behindertengerechte Toiletten, die den historischen Charakter des Gebäudes respektieren.

Ortsentwicklungskonzept als Basis für die Neugestaltung

Zusammen mit dem vorgelagerten Lindenplatz bildet das Gebäude ein städtebauliches Ensemble und stellt die Ortsmitte von Oberlauchringen dar. Aus diesem Grund kam der Sanierung des Areals rund um das Gebäude eine besondere Bedeutung zu. Eva Kiesel von der Studio Stadtlandschaften Stadtplanung Architektur GmbH aus Stuttgart schildert die Maßnahme: „Grundlage für die Neugestaltung war ein Ortsentwicklungskonzept (OEK) aus dem Jahr 2019. Der Planungsumgriff des ersten Bauabschnitts umfasste mit einer Fläche von ca. 4.250 m2 den Bereich um das Gemeindehaus (Wettenstraße 2) und damit die Neugestaltung des Lindenplatzes, angrenzender Verkehrs- und Grünflächen, sowie die Herstellung einer KfZ-Stellplatzanlage. Ziel der Planung war es, die öffentlichen Räume um das Gemeindehaus als gemeinschaftlicher Treffpunkt mit hoher Aufenthaltsqualität zu schaffen, mit Nutzungen zu belegen und in die bestehenden Strukturen einzubinden. Durch die Neugestaltung von Verkehrsflächen sollte eine Rücknahme der Verkehrsbetonung und damit eine Beruhigung des Straßenverkehrs entlang des Lindenplatzes erreicht werden, um die Aufenthaltsqualität und Sicherheit zu steigern“, so Kiesel.

Homogenes Erscheinungsbild

Im Bereich des Platzes erfolgte eine Gliederung durch Grüninseln, die mit integrierten Sitzelementen zum Verweilen einladen und durch die Bepflanzung zu einem angenehmen Mikroklima beitragen. Eine geplante Einleitung von unbelastetem Oberflächenwasser im Sinne des Prinzips Schwammstadt wirkt sich durch die Speicherung und Verdunstung des vor Ort gespeicherten Regenwassers positiv auf die Ökologie des Platzes und die Versorgung des Grünbestands bei Trockenheit aus. Integriert in die Gestaltung des Lindenplatzes werden eine bestehende Linde und der Brunnen. Der ortsbildprägende Charakter des Lindenplatzes kann dadurch auch zukünftig abgelesen werden und stärkt die Ortsidentität. Die Gestaltung der neuen Flächenbefestigung bezieht sich auf die prägenden Gebäude in der Umgebung. Insbesondere das Gemeindehaus sollte durch die Farbgebung eines geeigneten Betonpflasterbelages in Szene gesetzt werden. Ziel war es, in der Gesamtheit von Gebäuden und öffentlichem Raum ein homogenes Erscheinungsbild zu erreichen.

Betonpflastersystem VS5 vom Betonsteinhersteller braun-steine

Die Wahl der Planer fiel auf das Betonpflastersystem VS5 von braun-steine aus Amstetten mit der Oberfläche VELVET CONCRETE® in drei unterschiedlichen Oberflächenbearbeitungen: gebürstet, kugelgestrahlt und friktionsgefräst. Die drei Varianten wurden gleichmäßig im Patchwork verlegt und erzeugen ein lebendiges, zugleich harmonisches Gesamtbild. Eva Kiesel fährt fort: „Durch die feine Abstimmung der Texturen fügt sich das Pflaster ideal in den architektonischen Kontext ein: Die warmen Beigetöne und die differenzierten Oberflächen nehmen die Materialität des Bürgerhauses auf und bilden eine gestalterische Brücke zu dessen Sandstein-Gewänden der Fenster. Gleichzeitig setzen sie dezente moderne Akzente, die sich harmonisch an die anthrazitfarbenen Metalldetails sowohl des historischen Eingangsbereichs als auch des modernen Anbaus anlehnen. Das abwechslungsreiche Oberflächenspiel verleiht dem Platz eine hochwertige Anmutung, steigert die räumliche Wahrnehmung und unterstreicht den handwerklichen Charakter der Anlage“, so Kiesel.

Pflaster mit gebürsteter Oberfläche und 3D Oberflächenschutz

Um den Eingangsbereich von der Platzfläche abzuheben und zugleich den Anforderungen des Cafés Linde gerecht zu werden, wurde dieser Bereich mit einer ebenen, ausschließlich gebürsteten Oberfläche gestaltet. Die Steine wurden in einem Reihenverband verlegt und kombinieren große sowie kleine Formate, wodurch der Bereich besonders hervorgehoben wird. Richard Beck, Gebietsleiter des Betonwerks braun-steine ergänzt: „Dank der glatten, gebürsteten Oberfläche ist die Nutzung mit Stühlen problemlos möglich. Zusätzlich sorgt der innovative CLEAN SAVE 3D-Oberflächenschutz für eine besonders pflegeleichte Fläche – ideal für den Gastronomiebetrieb. Der innovative 3D Oberflächenschutz bietet viele Vorteile von Imprägnierungen, Versiegelungen und Beschichtungen in einem System. Dank dünner Mikroschichten im Materialgefüge wird die Anhaftung von Verschmutzungen reduziert und die Betonoberfläche lässt sich leichter reinigen.“

5-seitige Verschiebesicherung Neben den optischen bestanden für die Planer aber auch noch funktionale Anforderungen an die neue Flächenbefestigung. Markus Hilpert vom Planungs- und Vermessungsbüro Kaiser GmbH aus Waldshut-Tiengen erklärt: „Am Lindenplatz treffen die Hintergasse, Wettenstraße, Alte Rathausstraße und Kirchstraße aufeinander, wodurch auf der Platzfläche größere Scherkräfte der Fahrzeuge wirken. Mit der Entscheidung für das VS5-Pflastersystem sind wir hier auf der sicheren Seite, denn es ist in der Lage, diesen Belastungen standzuhalten.“ Dank seiner 5-seitigen Verschiebesicherung (Rundumverzahnung und gekerbte Unterseite) kommt es auch bei stark beanspruchten Flächen nicht zu Verschiebungen von Steinen. Eingebaut wurden die VS5-Pflastersteine im Umfang von ca. 2.500 m² im gemischten Ellbogenverband in den Formaten 30 x 22,5 und 22,5 x 15 cm in einer Stärke von 12,8 cm. Bei der Sanierung hatten die Planer aber noch eine weitere Besonderheit zu beachten: Da die Tragschichten noch in einwandfreiem Zustand waren, sollte der bestehende Unterbau des Platzes, u.a. um Kosten und CO₂-Ausstoß zu sparen, weiterverwendet werden. Vermieden werden sollte hierbei jedoch, dass Waser in den Unterbau gelangt, welches z.B. durch Verschmutzungen der Fläche durch landwirtschaftlichen Verkehr und der Bepflanzung auf dem Platz nicht ordnungsgemäß versickert und dann die Gefahr besteht, dass es im Winter zu Frostschäden kommt.

Sonderbauweise ECOPREC® Aus diesem Grund wurden 1.250 m² der Platzfläche mit dem speziellen Bettungs- und Fugenmaterials ECOPREC® von der SF-Kooperation eingebaut. Hierzu Richard Beck: „Das bitumenhaltige Material wurde als ECOPREC® Cold Variante in einer Dicke von 3,5 cm zur Ausführung gebracht. Dabei wird das Schüttgut erkaltet und rieselfähig angeliefert, der Einbau erfolgte wie bei einer herkömmlichen Splittbettung. Der große Vorteil von ECOPREC® liegt in seinen Produkteigenschaften. Einerseits sorgt das bituminöse Material für eine dauerhaft stabile Fuge. Die üblichen Probleme, die man von Pflasterflächen kennt, bei denen sich Fugenmaterial auswäscht und es dann zu Schäden kommt, sind hier daher kein Thema. Andererseits ist ECOPREC® nahezu wasserundurchlässig. Schäden durch eindringendes Wasser sowie Frostschäden müssen wir daher nicht befürchten, denn auftretendes Oberflächenwasser fließt einfach ab“, so der Vertriebsmitarbeiter vom Betonwerk braun-steine.

Letzte Arbeiten an den Außenanlagen rund um das „Gmeindshus“ wurden im April 2026 abgeschlossen. Dank der gewählten Bauweise mit dem Bettungs- und Fugenmaterial ECOPREC® und dem VS5-Pflasterstein wurden gute Voraussetzungen geschaffen, dass die Flächenbefestigung hier langfristig schadensfrei bleibt.

11.08.2026

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