Anpassung an den Klimawandel: Herausforderungen für das Kulturerbe
Der Klimawandel stellt die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg vor große Herausforderungen. Die Anpassung der Monumente an sich verändernde Umweltbedingungen ist eine zentrale Aufgabe. Dies betrifft nicht nur große Gärten, sondern das gesamte kulturelle Erbe.
Die Staatlichen Schlösser und Gärten beteiligen sich an dem deutschlandweiten Forschungsprojekt „KERES“. In diesem Verbundprojekt untersuchen mehrere Fraunhofer-Institute, wie Kulturdenkmäler künftig besser vor den Folgen des Klimawandels geschützt werden können.
Frühe Warnsignale aus Sammlungen und Gärten
Bereits seit mehreren Jahren beschäftigen sich die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg intensiv mit den Auswirkungen des Klimawandels. Erste konkrete Anzeichen zeigten sich an den Oberflächen barocker Gläser aus der Sammlung von Schloss Favorite Rastatt. Das Schadensbild führte zu einer Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer-Institut für Silicatforschung. Die Untersuchungen zum Einfluss von Umweltbedingungen auf das historische Material lieferten Handlungsempfehlungen für den Erhalt der Gläser.
Auch in den historischen Gärten sind die Auswirkungen des Klimawandels messbar. Im Jahr 2019 belegten Zahlen, dass traditionelle Baumarten zunehmend unter Hitze und Trockenheit leiden. Die Anzahl abgestorbener und geschädigter Bäume verdeutlichte die Dimension der Veränderungen.
Stück um Stück mussten wir erkennen, dass diese Schäden Teil eines größeren Zusammenhangs sind. Die Beteiligung am Fraunhofer-Forschungsprojekt KERES ist ein zentrales Element unserer Strategie, um unsere Monumente zukunftsfähig zu machen – nicht nur die Gärten, sondern auch die Gebäude und Kunstwerke.
Ein interdisziplinäres Forschungsprojekt
„KERES“ ist ein vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit 1,97 Millionen Euro gefördertes Projekt. Es erforscht die Klimawandelfolgen für das kulturelle Erbe. Zentrale Fragestellungen sind, mit welchen Extremwetterereignissen in Deutschland künftig zu rechnen ist, wie Schäden an Kulturdenkmälern vermieden werden können und welche Maßnahmen langfristig wirksam und wirtschaftlich sinnvoll sind.
Unter der Federführung des Fraunhofer-Instituts für Silicatforschung (ISC) und des Fraunhofer-EU-Büros Brüssel arbeiten weitere Institute der Fraunhofer-Forschungsallianz Kulturerbe mit. Dazu gehören das Fraunhofer-Institut für Bauphysik (IBP), das Fraunhofer-Zentrum für Internationales Management und Wissensökonomie (IMW) sowie das Fraunhofer-Institut für Optronik, Systemtechnik und Bildauswertung (IOSB). Ergänzt wird der Verbund durch das Climate Service Center Germany des Helmholtz-Zentrums Geesthacht und die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg.
Teil des internationalen Climate Heritage Network
Ein Ziel des Projekts ist es, mithilfe hochaufgelöster regionaler Klimamodelle Schadensrisiken für historische Gebäude und Gärten abzuschätzen. Zudem sollen nachhaltige Präventions- und Notfallmaßnahmen entwickelt werden.
Damit leistet KERES auch einen wichtigen Beitrag zum Europäischen Green Deal.
Mit dem Projektstart im Dezember 2020 trat die Fraunhofer-Forschungsallianz Kulturerbe als erster deutscher Forschungsverbund dem internationalen Climate Heritage Network bei. Dieses Netzwerk bündelt weltweit die Aktivitäten von Forschungs- und Kultureinrichtungen zur Umsetzung der Klimaschutzziele des Pariser Abkommens und zur Entwicklung von Anpassungsstrategien an den Klimawandel.
Schutz des kulturellen Erbes für kommende Generationen
Im Fokus von KERES steht die zunehmende Häufigkeit von Extremwetterereignissen in Deutschland und deren Auswirkungen auf Kulturgüter. Historische Gebäude, Monumente, Gärten und Kulturlandschaften mit ihren Pflanzensammlungen benötigen besonderen Schutz, um sie für nachfolgende Generationen zu bewahren.
Über einen Zeitraum von drei Jahren werden die regionale Relevanz künftiger Extremwetterereignisse, potenzielle Schäden an Bauwerken und Außenanlagen sowie geeignete Maßnahmen zur Schadensvermeidung und -bewältigung untersucht. Neue Simulationsverfahren ermöglichen es, die Auswirkungen von Extremklimaereignissen realitätsnah abzubilden und darauf aufbauend Präventionsstrategien für einzelne Denkmäler zu entwickeln.
Wissenstransfer und europäische Zusammenarbeit
Die im Projekt gewonnenen Erkenntnisse werden auf einer Wissensplattform gebündelt. Diese soll Institutionen wie die Staatlichen Schlösser und Gärten Baden-Württemberg bei der Prävention und im Notfallmanagement unterstützen. Die Ergebnisse fließen zudem direkt in die Arbeit der EU-Arbeitsgruppe „Strengthening Cultural Heritage Resilience for Climate Change“ ein.
Diese Arbeitsgruppe nahm am 19. Januar 2021 unter dem Vorsitz von Dr. Johanna Leissner ihre Tätigkeit auf. Sie vertritt Deutschland auf europäischer Ebene und bindet Experten aus Brand- und Katastrophenschutz, Denkmalpflege, Forschung und Kulturgutschutz in den interdisziplinären Austausch ein.
