Der BGL fordert klare Qualitätskriterien, dauerhafte Pflege und verlässliche Finanzierung
Der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. (BGL) fordert verbindliche Rahmenbedingungen für eine dauerhaft wirksame grün-blaue Infrastruktur in Städten und Gemeinden. Anlass ist der Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans zur Umsetzung von Artikel 8 „Wiederherstellung städtischer Ökosysteme“ der EU-Wiederherstellungsverordnung. Stadtbäume, Parks und öffentliche Grünflächen, Dach- und Fassadenbegrünungen sowie Regenwassermanagement betrachtet der Verband als Teil der Daseinsvorsorge.
Angesichts zunehmender Hitzeperioden kommt diesen Elementen eine besondere Bedeutung zu. Damit Stadtgrün seine Funktionen langfristig erfüllen kann, fordert der BGL verbindliche Planung, fachgerechte Pflanzung und Ausführung, kontinuierliche Pflege sowie eine verlässliche Finanzierung.
„Ohne Schatten, Verdunstung und Wasser leiden gerade die Menschen in den Städten noch stärker unter dieser Gluthitze“, sagt Thomas Banzhaf, BGL-Präsident. „Stadtgrün ist Daseinsvorsorge, keine „Deko“. Es bietet Hitzeschutz mit natürlichem Schatten und Verdunstungskühle und schützt so Leben. Genau das muss der Nationale Wiederherstellungsplan abbilden – mit klaren Qualitätskriterien, langfristiger Pflege und einer stetigen Finanzierung, die auch bei den Kommunen ankommt.“
Hitze erhöht den Handlungsdruck in Städten
Hitzeperioden mit dauerhaft mehr als 30 Grad treten infolge des Klimawandels häufiger auf und dauern länger. In Deutschland steigt die Zahl der Tage mit Wärmebelastung. Besonders dicht bebaute und stark versiegelte Stadtquartiere sind davon betroffen.
Hitzewellen können erhebliche gesundheitliche Folgen haben. Im heißen Sommer 2003 wurden deutschlandweit rund 10.000 zusätzliche Todesfälle infolge der Hitzewellen verzeichnet. Für 2018 und 2019 werden rund 9.000 beziehungsweise rund 7.000 hitzebedingte Todesfälle genannt. Aktuelle Zahlen des Robert Koch-Instituts lassen auch für 2026 erneut tausende Todesfälle infolge von Hitze befürchten.
Asphalt, Beton und versiegelte Plätze speichern Wärme und geben sie während der Nacht wieder ab. Fehlen Bäume und unversiegelte Böden und wird Niederschlagswasser schnell über die Kanalisation abgeführt, können sich Quartiere besonders stark aufheizen.
Stadtbäume und Parks schaffen dagegen Schatten und Verdunstungskühle. Entsiegelte Flächen, Dach- und Fassadengrün sowie wassersensible Freiräume können zusätzlich Wasser zurückhalten und für Trockenzeiten verfügbar machen. Das Zusammenspiel von Pflanzen und Wasser macht grün-blaue Infrastruktur damit zu einem wichtigen Baustein für klimaangepasste Städte.
BGL fordert Umbau der Städte
Für den BGL sind mehr Grünflächen, Bäume, Wasser und Entsiegelung zentrale Elemente beim klimaangepassten Umbau der Städte. Der Garten- und Landschaftsbau bringt nach Einschätzung des Verbandes das notwendige Fachwissen und die praktische Erfahrung für Gestaltung, Bau und dauerhafte Pflege dieser Flächen mit.
„Deutschland muss jetzt seine Städte umbauen: mit viel mehr natürlichem Schatten durch professionell gestaltete und dauerhaft gepflegte Grünflächen und Bäume, mehr Wasser, mehr Flächenentsiegelung statt neuer Versiegelung“, so Banzhaf. „Der Garten- und Landschaftsbau hat das Fachwissen und die Erfahrung. Jetzt braucht es politische Entschlossenheit und eine verlässliche, langfristige Förderung.“
EU-Vorgaben für städtische Ökosysteme
Die EU-Wiederherstellungsverordnung verpflichtet die Mitgliedstaaten zur Wiederherstellung geschädigter Ökosysteme. Artikel 8 nimmt dabei insbesondere Städte und Gemeinden in den Blick. Deutschland setzt die europäischen Vorgaben über einen Nationalen Wiederherstellungsplan um.
Der BGL hat zum vorliegenden Entwurf öffentlich Stellung bezogen. Für den Verband reicht es nicht aus, die Entwicklung des Stadtgrüns ausschließlich anhand von Quadratmetern oder der Baumkronenfläche zu betrachten. Entscheidend sei vielmehr, dass die geschaffene grün-blaue Infrastruktur dauerhaft funktionsfähig bleibt.
Dafür verbindet der Verband quantitative Ziele mit Anforderungen an die Qualität. Gute Planung, fachgerechte Ausführung und Pflanzung, langfristige Pflege und ein funktionierendes Wassermanagement sollen ebenso berücksichtigt werden wie eine verlässliche Finanzierung. Insbesondere die Kommunen benötigen dafür langfristig verfügbare finanzielle Mittel.
Weitere Informationen zur Stellungnahme stellt der Bundesverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau e. V. auf seiner Webseite im Bereich „Positionen & Stellungnahmen“ bereit.
