Herausforderungen bei der Sanierung der Außenterrasse
Die Sanierung der Neuen Nationalgalerie in Berlin zwischen 2015 und 2021 umfasste nicht nur das Gebäudeinnere, sondern auch die umfassende Erneuerung der Außenbereiche. Eine zentrale Aufgabe war die Demontage, Auslagerung und Neuverlegung von 7.000 Quadratmetern Granitplatten. Drainagesysteme von Gutjahr Systemtechnik wurden dabei für die Entwässerung und Tragfähigkeit eingesetzt.
Das Berliner Architekturbüro David Chipperfield Architects war für die Grundsanierung des von Ludwig Mies van der Rohe entworfenen Museumsbaus verantwortlich. Ziel war es, einen modernen Museumsbetrieb zu ermöglichen, während der ursprüngliche Charakter des Gebäudes weitgehend erhalten bleiben sollte. Bauherrin war die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, vertreten durch das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung. Nach sechs Jahren Bauzeit wurde die Neue Nationalgalerie im August 2021 wiedereröffnet.
Vor der Sanierung wies das Gebäude nach fast 50-jähriger Nutzung zahlreiche Mängel auf. Dazu gehörten Schäden an Beton und Sockelfassade, Glasbruch an der Fassade, Mängel in der Haustechnik und beim Brandschutz, ein undichtes Stahldach sowie Risse im Belag der umlaufenden Granitterrasse.
Umfassende Sanierung der Außenterrasse
Um die ursprüngliche Substanz des Museumsgebäudes zu bewahren, wurden über 30.000 Originalbauteile ausgebaut, eingelagert, bei Bedarf saniert und wieder eingesetzt. Dazu zählten Innenwandverkleidungen, Deckengitter, Leuchten, Fassaden- und Terrassenplatten. Die Sanierung der 7.000 Quadratmeter großen Außenterrasse erfolgte zwischen 2018 und 2020.
Der ursprüngliche Terrassenbelag war ohne Drainagen lose auf Splitt verlegt worden, was zu Unebenheiten, Überzähnen und Rissen führte. Bei der Sanierung wurden sämtliche Natursteinplatten, größtenteils im Format 1200 x 1200 x 40 mm, aufgearbeitet und an ihrem ursprünglichen Platz neu verlegt.
Einen Aufwand in dieser Größenordnung hatte ich zuvor noch nie erlebt. Es wurde jeder Stein aufgenommen, einzeln nummeriert, 40 Kilometer entfernt eingelagert und dann wieder eingebaut.
erinnert sich Fachberater Andreas Pfeiffer von Gutjahr Systemtechnik.
Entwässerungslösungen für geringes Gefälle
Der Kontakt zu Gutjahr Systemtechnik entstand über die Projektierungsgesellschaft ProDenkmal GmbH Berlin, die David Chipperfield Architects beratend begleitete. Bereits 2013 wurde Walter Gutjahr, Gründer des Unternehmens, kontaktiert, um Fragen der Terrassenentwässerung zu klären und verschiedene Aufbauvarianten zu entwickeln. Ursprünglich war erwogen worden, die ausgebauten Naturwerksteinplatten aus Striegauer Granit wieder ohne Drainage auf einer Splittbettung zu verlegen.
Ein wesentlicher Nachteil der losen Verlegung ohne Drainage ist die Kapillarwirkung eines Kies- oder Splittbetts, die bei stehendem Wasser auf der Abdichtung zu Feuchteflecken und Verunkrautung der Fugen führt. Eine besondere Herausforderung war das geringe Gefälle der Abdichtungsebene von nur 0,5 bis 1 Prozent, was Pfützenbildung begünstigt. Regelwerke sehen für Abdichtungen im Außenbereich üblicherweise mindestens zwei Prozent Gefälle vor.
Um eine optimale Lösung zu finden, erstellten die Entwässerungsspezialisten von Gutjahr Systemtechnik in Abstimmung mit den Architekten und ProDenkmal spezielle Versuchsflächen. Dort wurden verschiedene Aufbauvarianten mit den vorhandenen Platten getestet, um die Belastbarkeit unter den Bedingungen eines öffentlichen Bereichs, wie der Befahrung durch Reinigungsfahrzeuge, zu prüfen.
Spezialanfertigung der Flächendrainage
Die Wahl fiel auf die Flächendrainage AquaDrain T+ von Gutjahr in einer Stärke von 16 mm, die als Spezialanfertigung mit einer dickeren Wandung versehen wurde. Dieses Drainagesystem ist kapillarpassiv und für die lose Verlegung von Natur- und Betonwerkstein konzipiert. Die Drainkanäle bilden eine kapillarbrechende Luftschicht, die verhindert, dass auf der Abdichtung verbleibendes Stauwasser mit der Splittbettung (Körnung 3 bis 5 mm) in Kontakt kommt. Dies minimiert Feuchteflecken an den Granitplatten.
Das Gutjahr-System erzielte bei einer Prüfung des tBU Greven die besten Entwässerungswerte im Vergleich zu anderen Drainagematten, dank eines drainfähigen Hohlraums von 95 Prozent. Die gewählte Variante AquaDrain T+16 ist für eine Flächenbelastbarkeit bis 40 kN/m² geeignet. Die Spezialanfertigung mit dickerer Wandung trägt zusätzlich zur Aufnahme der Belastungen bei. In den Randbereichen mit fest in Drainmörtel eingebauten Rinnensteinen kam die kapillarbrechende Flächendrainage AquaDrain EK zum Einsatz, die für die Verlegung von Außenbelägen auf Drainmörtel entwickelt wurde.
Logistik und Zusammenarbeit
Die Demontage der Terrasse und die Auslagerung der Granitplatten begannen 2016 unter Koordination der Firma Gebauer Steinmetzarbeiten GmbH aus Berlin, die später auch mit der Neuverlegung des Terrassenbelags beauftragt wurde. Die Neuverlegung erfolgte von 2018 bis 2020, nachdem alle technischen Fragen im Büro von David Chipperfield mit ProDenkmal und Gutjahr geklärt worden waren.
Für den kompletten Rückbau – innen und außen – mussten alle Teile kartiert, katalogisiert und abmontiert werden, es war eine richtige Logistik-Aufgabe.
erläutert Bauleiterin Manuela Figaschewsky von Gebauer. Nach vier Monaten war die Demontage abgeschlossen. Mitte 2018 konnte nach der Abdichtung der Fläche mit Bitumenschweißbahnen mit der Verlegung des Drainagesystems und der Granitplatten auf Splittbett begonnen werden. Jede Platte wurde an ihrem ursprünglichen Ort und in unveränderter Ausrichtung verlegt.
Die Herausforderung des geringen Gefälles wurde durch die gewählten Flächendrainagen AquaDrain T+ und AquaDrain EK gelöst, die eine ausreichende Wasserleitfähigkeit und Tragfähigkeit gewährleisteten. Die Zusammenarbeit aller Beteiligten, einschließlich Architekten, Bauleitung und Gutjahr Systemtechnik, trug zum reibungslosen Ablauf bei.
Die Zusammenarbeit mit den Architekten und mit Gutjahr Systemtechnik war perfekt. An der einen oder anderen Stelle haben wir über die Ausführung diskutiert und etwas abgeändert, aber immer in enger Kooperation. Und unabhängig davon, an wen ich mich bei Gutjahr gewandt habe und ob es um die Ausführung oder Lieferungen ging, es entwickelte sich immer sofort eine gemeinsame Lösung.
bestätigt Manuela Figaschewsky.
Diplom-Ingenieur Stefan Reichert, Koordinator des Projekts bei Gutjahr, hob ebenfalls die konstruktive Zusammenarbeit hervor:
Die gesamte Durchführung war äußerst weitsichtig, es waren überall Profis am Werk. Bei offenen Fragen haben Architekten wie Bauleitung immer sehr früh angefragt, das ist grundsätzlich sehr hilfreich.
Ziel der Planungen war es, eine höhere Tragfähigkeit und eine ausreichende Wasserleitfähigkeit zu erreichen. Trotz des nicht idealen Gefälles wurde dies durch das kanalartige Ableitsystem erreicht. Die Terrasse wird den zukünftigen Belastungen standhalten.
