Nicht-chemische Unkrautregulierung im Arzneipflanzenanbau auf dem Prüfstand
Die Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und die Pharmaplant Arznei- und Gewürzpflanzen Forschungs- und Saatzucht GmbH entwickeln praxisnahe Entscheidungshilfen zur Unkrautregulierung im Arzneipflanzenanbau. Im Fokus stehen vor allem nicht-chemische Verfahren, da in diesem Segment nur wenige Pflanzenschutzmittel zugelassen sind und bestehende Zulassungen teilweise auslaufen.
Ziel ist es, Alternativen zum Herbizideinsatz und zur arbeitsintensiven Handhacke zu prüfen. Dabei werden sowohl direkte mechanische Maßnahmen als auch indirekte Verfahren wie Zeitpunkt und Intensität der Saatbettbereitung systematisch verglichen.
Mechanische Verfahren im Vergleich
Im ersten Arbeitspaket untersuchen die Projektpartner die Modellkulturen Arnika, Melisse und Pfefferminze (gepflanzt) sowie Engelwurz und Petersilie (gesät) an vier Standorten. Diese Kulturen gelten als konkurrenzschwach und unkrautsensibel und stehen exemplarisch für Arten mit hohem Pflegeaufwand.
Getestet werden unterschiedliche Werkzeuge und Einstellungen zur mechanischen Unkrautregulierung. Zum Einsatz kommen unter anderem:
- moderne Präzisionsstriegeltechnik
- Finger- und Torsionshacken
- verschiedene Hackschare und Hackmesser
Für jedes Gerät werden optimale Einsatzbedingungen und Einstellungen ermittelt, um Wirkung und Effizienz zu steigern.
Strategien für gesäte Kulturen
Ein weiteres Arbeitspaket widmet sich der Entwicklung von Unkrautregulierungsstrategien für gesäte Melisse und Kamille. Beteiligt sind die Agrarprodukte Ludwigshof eG und die Agrargenossenschaft Nöbdenitz eG in Thüringen, zwei der größten deutschen Betriebe im Arzneipflanzenanbau. Sie prüfen die Ergebnisse unter Praxisbedingungen auf dem Acker.
Untersucht werden verschiedene Varianten der Bodenvorbereitung, darunter Zwischenfruchtanbau und das sogenannte Falsche Saatbett. Dabei werden Unkräuter vor der eigentlichen Aussaat gezielt zum Keimen angeregt und anschließend mit Striegel oder Egge beseitigt. Zusätzlich wird bei Melisse erprobt, wie sich der Unkrautbesatz in der Säreihe durch gezieltes Dämpfen des Bodens reduzieren lässt.
Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im Fokus
Im Sinne einer nachhaltigen Landwirtschaft analysiert das Projekt die Auswirkungen mechanischer Maßnahmen auf Bodenwasserhaushalt und Mineralisation. Für etablierte Bestände werden rein mechanische sowie kombiniert mechanisch-chemische Verfahren getestet.
Die vielversprechendsten Ansätze kommen mit der Herbstaussaat 2020 in den beteiligten Agrargenossenschaften unter realen Bedingungen zum Einsatz. Abschließend wird das Kosten-Nutzen-Verhältnis der optimierten Verfahren im Vergleich zur bisherigen Praxis bewertet.
Die Ergebnisse sollen auch auf weitere Arznei- und Gewürzpflanzen sowie auf Gemüsekulturen übertragbar sein und sowohl ökologische als auch konventionelle Produktionsweisen berücksichtigen. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft über die Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe e. V.
