Lösungsansätze für ökologisches und nachhaltiges Handeln
Die Baumschulbranche traf sich zum 25. Mal in den Veitshöchheimer Mainfrankensälen, um sich mit den Themen Wasserknappheit, Klimawandel und Artenschwund auseinanderzusetzen. Rund 300 Fachleute aus Deutschland, der Schweiz, Österreich und den Niederlanden nahmen an der Veranstaltung teil. Neben Forschungsergebnissen der Bayerischen Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau (LWG) wurden konkrete Lösungsansätze für die Praxis erörtert.
LWG-Präsident Dr. Hermann Kolesch betonte in seiner Eröffnungsrede die Notwendigkeit konkreten Handelns im Sinne eines ökologischen und nachhaltigen Umdenkens. Als Beispiel nannte er die Umstellung der Bewirtschaftung des LWG-Versuchsbetriebes Stutel, der auf Totalherbizide verzichtet und ökologisch bewirtschaftet wird. Kolesch hob zudem die Rolle der bayerischen Baumschulen als Vermittler zwischen Planern, Kommunen, Städten und Verbrauchern hervor. Er forderte die Baumschulen auf, den Dialog mit Kunden zu suchen und die Herausforderungen im Bereich Klimawandel und Biodiversität mutig anzugehen. Die Zusammenarbeit aller Bereiche des Gartenbaus, der Landwirtschaft und der Forstwirtschaft sei entscheidend, um einen Bewusstseinswandel für Nachhaltigkeit und Ökologisierung zu erreichen.
Bäume pflanzen als Antwort auf den Klimawandel
Micheal Kutter, Vorsitzender des Landesverbandes Bayern des Bundes deutscher Baumschulen e. V. (BdB), begrüßte die hohe Beteiligung am Baumschultag. Er rief die Teilnehmer dazu auf, die Produkte der Baumschulen als Lösungsansätze für die Probleme der Erderwärmung und des Artenschwundes zu sehen.
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Die wichtigste Antwort auf den Klimawandel sei das Pflanzen von Bäumen. Kutter dankte der Veitshöchheimer Landesanstalt für die Zusammenarbeit und sah im Neubau des Thüngersheimer Versuchsbetriebes ein klares Zeichen für die Stärkung der bayerischen Baumschulwirtschaft. Er überreichte Dr. Hermann Kolesch das Goldene Okuliermesser als Würdigung seines Engagements für die Baumschulen.
Wassermanagement und Gehölze als Lebensraum
Stefan Kirchner vom LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau stellte neue Regelungen zur Entnahme von Grund- und Oberflächenwasser vor und zeigte auf, wie die Bayerische Landwirtschaftsverwaltung den Gartenbau bei effizienter Bewässerung und Wasserspeicherung unterstützen wird. Angesichts eines niederschlagsarmen Winters und zweier trockener Sommer sind die Wasserspeicher im Boden erst zu etwa zwei Dritteln aufgefüllt.
LWG-Experte Klaus Körber präsentierte die neue Broschüre „Bäume und Sträucher für Bienen und Insekten“, die den Wert von Gehölzen für Bestäuber darstellt und Handlungsempfehlungen sowie Sortenvorschläge bietet. Er betonte die Notwendigkeit, den ökologischen Wert von Produkten für Tiere und Menschen stärker zu kommunizieren. Körber wies darauf hin, dass die Auswirkungen von Hitzewellen, wie die über 800 Todesfälle in Berlin und Brandenburg im Sommer 2018, besonders in Städten spürbar sind.
Zukunftsbäume und Artenvielfalt
Zwei Studierende der Universität Würzburg nutzten die Versuchsflächen für Zukunftsbäume in Thüngersheim für ihre Masterarbeiten. Julia Grauberger untersuchte die Wildbienenvielfalt an heimischen und nicht-heimischen Linden und stellte fest, dass neue Lindenarten für Wildbienen in Städten ebenso attraktiv sind wie heimische Arten. Florian Loidolt untersuchte das Hummelsterben an Silberlinden und widerlegte das Vorurteil, die Bäume seien giftig. Seine Untersuchungen zeigten, dass der Tod der Bestäuber davon abhängt, wie gut das Nektarangebot in der Umgebung ist, wenn die Silberlinde wenig Nahrung bietet.
Neues aus dem Versuchsbetrieb Stutel
Roman Döppler und Alexander Zimmermann vom LWG-Institut für Erwerbs- und Freizeitgartenbau informierten über den Fortschritt der Baumaßnahmen im Versuchsbetrieb Stutel, dessen Wiedereröffnung für Frühjahr 2021 geplant ist. Sie sprachen über neue Herausforderungen im Pflanzenschutz und die Bewirtschaftung nach Richtlinien des ökologischen Landbaus. Diese biete neue Ansätze für Forschungsprojekte wie die mechanische Beikrautregulierung. Der Klimawandel beeinflusst auch das Obstbausortiment, was sich in Erfahrungsberichten und Versuchsergebnissen zum Anbau von Mandel und Feige zeigte.

