Erfolgreiche Bilanz der Baumpflegetage 2016
Die 24. Deutschen Baumpflegetage in Augsburg verzeichneten vom 26. bis 28. April 2016 eine hohe Beteiligung. Mit rund 50 Vorträgen und praktischen Vorführungen, einer ausgebuchten Messe mit 131 Ausstellern und 1.450 Tagungsteilnehmern aus 17 Ländern zog die Veranstaltung Fachleute aus verschiedenen Regionen an, darunter Japan, Neuseeland, Russland und die USA.
Im Fokus des Tagungsprogramms standen die Verkehrssicherheit von Alleen, eingeschleppte Schädlinge und neue Baumkrankheiten. Parallel dazu bot die Baumpflege-Messe und das Kletterforum Raum für den Austausch und die praktische Darstellung von Baumpflegearbeiten.
Alleen und Verkehrssicherheit: Eine kontroverse Debatte
Der erste Tag der Tagung widmete sich der Debatte um Alleen und ihre Verkehrssicherheit. Fünf Referenten präsentierten in halbstündigen Vorträgen unterschiedliche Positionen. Dr. Detlev Lipphard vom Deutschen Verkehrssicherheitsrat und Uwe Ellmers von der Bundesanstalt für Straßenwesen betonten die Notwendigkeit der Einhaltung von Richtlinien für passiven Schutz an Straßen durch Fahrzeugrückhaltesysteme (RPS).
Ihr Ziel ist die Schaffung fehlerverzeihender Straßen durch die Reduzierung von Gefahrenquellen. Lipphard wies darauf hin, dass Bäume am Straßenrand eine Gefahr darstellen können und im Jahr 2014 mehr als ein Viertel der Verkehrstoten in Deutschland auf Baumunfälle zurückzuführen war. Daraus folgerte er, auf Neupflanzungen straßenbegleitender Bäume zu verzichten oder diese nur unter umfassenden Schutzmaßnahmen durchzuführen. Bestehende Bäume sollten demnach gefällt werden, wenn sich an ihrem Standort Unfälle häufen und Schutzmaßnahmen nicht greifen.
Katharina Brückmann vom BUND Landesverband Mecklenburg-Vorpommern und Prof. Dr. Rüdiger Trimpop vom Institut für Psychologie in Jena kritisierten diese Sichtweise. Sie bemängelten, dass weder der Mensch als Unfallverursacher noch die Bedeutung von Alleen als Natur- und Kulturerbe ausreichend berücksichtigt würden.
Die Kettensäge und der Verzicht auf Baumpflanzungen können nicht die Lösung sein. Wir müssen bei den Autofahrern ansetzen und das Unfallrisiko durch höhere Tempolimits, verstärkte Verkehrsüberwachung, mittige Barrieren auf Landstraßen und die Reduzierung von Ablenkung im Auto mindern.
Prof. Trimpop ergänzte diese Perspektive:
Bäume springen selten auf die Straße und verursachen Unfälle. Es ist ein verständlicher, aber sehr unrealistischer Wunsch, alle potenziellen Gefahren abschaffen zu wollen, statt den kompetenten Umgang mit ihnen zu trainieren.
Dr. Peter Sanftleben, Staatssekretär im Ministerium für Landwirtschaft, Umwelt und Verbraucherschutz Mecklenburg-Vorpommern, zeigte auf, dass Alleenschutz und Verkehrssicherheit vereinbar sind. In Mecklenburg-Vorpommern werden Alleen mit Unterstützung eines Alleenfonds gepflegt und angepflanzt, wodurch zwischen 1990 und 2014 550 neue Alleen-Kilometer entstanden.
Podiumsdiskussion: Annäherung der Standpunkte
Im Anschluss an die Vorträge fand eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von Prof. Dr. Dirk Dujesiefken statt. Die Diskussion entwickelte sich zu einem lösungsorientierten Austausch, bei dem die Bereitschaft zur Zusammenarbeit signalisiert wurde. Einigkeit bestand darin, dass die Fällung von Bäumen die Ultima Ratio sein sollte, während Verkehrssicherheit und Schutzmaßnahmen von großer Bedeutung sind. Katharina Brückmann und FFL-Geschäftsführer Jürgen Rohrbach forderten eine baldige Überarbeitung der RPS unter Einbeziehung von Grünen Verbänden und Verhaltensforschern. Uwe Ellmers räumte ein, dass die RPS bezüglich der Bäume möglicherweise Anpassungsbedarf haben.
Baumkrankheiten im Fokus
Der zweite Tag der Deutschen Baumpflegetage konzentrierte sich auf die Ursachen, Vorsorge und Behandlung von Baumkrankheiten. Experten referierten über Themen wie das Eschentriebsterben, Rosskastaniensterben und die Bekämpfung des Asiatischen Laubholzbockkäfers. Prof. Dr. Rolf Kehr von der HAWK Göttingen beleuchtete die praktische Baumpflege und erläuterte anhand verschiedener Krankheitstypen die Möglichkeiten und Grenzen der Desinfektion von Schnitt- und Arbeitswerkzeugen.
20 Jahre Jahrbuch der Baumpflege
Das Jahrbuch der Baumpflege, das alle Vorträge der Baumpflegetage zusammenfasst, feierte sein 20-jähriges Jubiläum. Es hat sich zu einem Nachschlagewerk mit über 600 Fachbeiträgen in 20 Bänden entwickelt. Prof. Dr. Dirk Dujesiefken, Herausgeber des Jahrbuchs, betonte die Bedeutung der Dokumentation der Baumpflege über zwei Dekaden. Die Jubiläumsausgabe ist Professor Dr. Heinz Butin gewidmet, einem Gehölzpathologen, der seit über 60 Jahren in der Forschung, Lehre und Publikation im Bereich Baumkrankheiten tätig ist. Butin hob den Wert des Jahrbuchs hervor:
Dieses Buch vereint jedes Jahr die modernsten Erkenntnisse aus der Baumpathologie und anderen Fachbereichen. Sein Lexikoncharakter macht das Werk sehr wertvoll für die Baumpflege. Ich selbst ziehe die Jahrbücher oft als Quelle für meine eigenen Veröffentlichungen heran.
Fachpartner LWF und KWF
Die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF) und das Kuratorium für Waldarbeit und Forsttechnik (KWF) waren erneut Fachpartner der Deutschen Baumpflegetage. Am Stand der LWF konnten Besucher Baumschädlinge unter dem Mikroskop betrachten, Exponate des Asiatischen Laubbockkäfers (ALB) sowie dessen Befallsmerkmale an Holzproben studieren. Auch holzzersetzende Pilzarten stießen auf Interesse. Das KWF informierte über seine vier Prüfsiegel und präsentierte Produkte aus der Baumpflege, die auf Sicherheit, Einsatztauglichkeit, Umweltschutz und gesundheitliche Verträglichkeit getestet werden.
Das Kletterforum: Praxis und Theorie
Das Kletterforum bot Baumpflegern auch 2016 ein spezifisches Programm. Die Organisatoren legten Wert auf ein ausgewogenes Verhältnis von Theorie und Praxis, mit einer gleichen Anzahl an Fachvorträgen und praktischen Vorführungen, die die verschiedenen Facetten des Baumpflegerberufs abbildeten. Die nächsten Baumpflegetage sind für den 25. bis 27. April 2017 in Augsburg geplant.


