Anwendung des Konzepts im deutsch-tschechischen Grenzraum
Die Natur bietet vielfältige Leistungen, die für die menschliche Existenz grundlegend sind, darunter Nahrung, Baustoffe, Klimaregulation und Luftqualität. Diese sogenannten Ökosystemdienstleistungen stehen kostenfrei zur Verfügung. International gibt es Bestrebungen, diesen Leistungen einen messbaren Wert zuzuschreiben, um ihren Schutz zu verbessern. Das Projekt „Mehrwert Natur Osterzgebirge“ hat dies am Beispiel eines 365 Quadratkilometer großen Ausschnitts des Osterzgebirges untersucht.
Seit Juli 2012 analysierte das Projektteam, wie sich das Konzept der Ökosystemdienstleistungen auf dieses länderübergreifende regionale Beispielgebiet anwenden lässt. Die Wissenschaftler analysierten verschiedene Lebensräume in diesem Gebiet.
Den Wert der Natur und ihrer Leistungen ökonomisch zu beziffern, ist nicht immer einfach. Aber nur so wird deutlich, wie stark der Mensch auf intakte Natur angewiesen ist. Der Ansatz schärft das Bewusstsein dafür, wie wichtig es ist, Naturressourcen davor zu schützen, übermäßig beansprucht oder gar zerstört zu werden. So besteht die Chance, sie dauerhaft für den Menschen zu sichern.
erläutert Projektleiter Ralf-Uwe Syrbe vom IÖR.
Identifizierte Ökosysteme und ihre Bewertung im Osterzgebirge
Für das Osterzgebirge identifizierten die Wissenschaftler fünf charakteristische und wertvolle Ökosysteme: Bergwiesen, Steinrücken, Hochmoore und Moorwälder, naturnahe Bergwälder sowie Fließgewässer. Anschließend wurde untersucht, welche Leistungen dieser Lebensräume vom Menschen genutzt werden und wie diese ökonomisch bewertet werden können.
Am Beispiel des Hochwasserschutzes lässt sich der Wert eines Waldes, der zur Abflussminderung beiträgt, auf zwei Arten bemessen. Ralf-Uwe Syrbe erklärt: „Erspart der Wald den Bau eines Rückhaltebeckens, so entspräche sein Wert den vermiedenen Baukosten für diese technische Lösung. Oder man zieht die Kosten für die Beseitigung von Schäden heran, die durch den natürlichen Hochwasserschutz abgemindert oder ganz verhindert werden.“
Die Projektergebnisse sollen künftig in wirtschaftliche und planerische Entscheidungsprozesse einfließen und sind somit für Politik, Regional- und Umweltplanung sowie die Wirtschaft relevant. Ein weiteres Ziel des von der Europäischen Union geförderten Projekts war es, der Öffentlichkeit den Wert der Natur und ihrer Leistungen bewusst zu machen, um einen schonenden Umgang mit Naturressourcen zu fördern.
Kommunikationsinstrumente zur Vermittlung der Inhalte
Zur Vermittlung dieser Inhalte entwickelten die Projektpartner verschiedene Instrumente und erprobten den Einsatz moderner Kommunikationstechnik. Dazu gehören eine E-Learning-Plattform für die computergestützte Informationsvermittlung an Studierende, drei virtuelle Lehrpfade für Wanderer und ein GPS-basiertes Geländespiel. Neben dem theoretischen Konzept der Bewertung von Ökosystemdienstleistungen und der praktischen Umsetzung im Untersuchungsgebiet wurden diese Kommunikationswege bei der Abschlusskonferenz vorgestellt.