Historische Bedeutung der Fontänenanlage am Schloss Charlottenhof
Die Fontänenanlage am Schloss Charlottenhof, die erstmals am Neujahrstag 1828 in Betrieb genommen wurde, ist die älteste funktionstüchtige ihrer Art im Park Sanssouci. Aufgrund anfänglicher Materialmängel ließ Friedrich Wilhelm die gemeinsam mit Karl Friedrich Schinkel entworfene Anlage zwischen 1838 und 1848 schrittweise in Marmor erneuern. Besonders hervorzuheben ist die Fontänenschale mit ihrem feingliedrigen Rand, die an einen Blütenkelch erinnert. Sie gilt als hochrangiges Marmorbildwerk des 19. Jahrhunderts und dokumentiert die handwerkliche Qualität der Berliner Bildhauerschule.
Der Wasserstrahl der Schale erreichte ursprünglich eine Höhe von bis zu sechs Metern und bildete den weithin sichtbaren Mittelpunkt der Gartenanlage. Zusammen mit den Spolien der ehemaligen friderizianischen Beckeneinfassung aus dem Hauptparterre von Sanssouci, die 1838 an den unteren Beckenrand der Fontänenanlage versetzt wurden, bilden Schale und Becken mit den bepflanzten Marmorrinnen ein Denkmalensemble. Dieses sollte, nach Intention des Bauherrn, an die Wasserspiele der Alhambra erinnern.
Die Instandsetzungsmaßnahme im Detail
Die Gesamtanlage wies über Jahre massive Schäden an Gründung, Abdichtung der Brunnenbecken und Marmorelementen auf, was den Betrieb der Fontänen unmöglich machte. Im Vorfeld des Gartenjahres 2014 und der Ausstellung „PARADIESAPFEL“ wurde 2013 nach umfangreicher Recherche und Sondierungen am historischen Rohrsystem ein Instandsetzungskonzept erarbeitet. Dieses Konzept ermöglicht den zukünftigen Betrieb der Fontänenanlage unter weitestgehender Beibehaltung und Ertüchtigung der historischen Technik.
Im Rahmen der diesjährigen Instandsetzungsmaßnahme wurden zunächst die Gründungen des mittleren Brunnenbeckens, der östlichen und westlichen Marmorschalen sowie der Marmorrinnen ertüchtigt. Alle Brunnenelemente mussten neu ausgerichtet werden, um das notwendige Gefälle der Wasserläufe und das Zusammenspiel der Anlage sicherzustellen. Nach der originalgetreuen Instandsetzung und Wiederherstellung der historischen Aufsätze und Verkleidungen an den Rohrmündungen wurden seitlich der Marmorschalen Revisionsschächte für zukünftige Wartungsarbeiten angelegt.
Ein Schwerpunkt der Maßnahme lag auf der Konservierung und Restaurierung der Marmorelemente, die durch das Havelwasser stark beschädigt waren. Im Bereich der umgebenden Gartenanlage wurden die unteren Treppenanlagen ertüchtigt. Die Treppenzugänge zur Pergola wurden vollständig zurückgebaut und in ihrer historischen Form rekonstruiert. Eine Geländeneumodellierung war notwendig, um die historischen Höhen bei den Garten- und Wegeflächen wiederherzustellen, gefolgt von einer Neubepflanzung der Gartenterrasse nach historischem Vorbild. Die Instandsetzungsmaßnahmen wurden größtenteils durch die stiftungseigenen Schirrhof-Handwerker durchgeführt. Die Gesamtkosten beliefen sich auf etwa 130.000 Euro.
Außenanlagen und gärtnerisches Umfeld der Wasserspiele
Während der Sanierung der Brunnenanlagen auf der Terrasse wurde festgestellt, dass die Rasenfläche in den letzten 30 Jahren um bis zu 8 cm angewachsen war und gegenüber der Marmorrinne sowie der wassergebundenen Wegefläche zu hoch lag. Die Bauarbeiten, darunter die Fundamentierung der Brunnenanlagen, der Einbau der Brunnenkammer, die Verlegung von Zu- und Abwasserrohren, die Neuverlegung der Treppenstufen am Pergolagang und die Sandsteinwange der Nordosttreppe, hatten die Rasen- und Wegeflächen stark beeinträchtigt.
Die Terrasse liegt etwa 3 m über dem üblichen Niveau, was den logistischen Aufwand für den Transport von Maschinen, Geräten und Materialien erhöhte. Für die Bauarbeiten wurde ein temporärer, etwa 4 m langer und 3 m breiter Holzsteg an der Nordostseite der Rasenböschung über das Bassin errichtet. Folgende Maßnahmen wurden umgesetzt: Neubau der wassergebundenen Wegeflächen (115 qm) inklusive Unterbau und Wiedereinbau der Kantensteine, Neuanlage der tiefer gelegten Rasenfläche und Neumodellierung der Böschung (insgesamt 730 qm) sowie die Verlegung von Rollrasen. Zur Wiederherstellung wurden etwa 60 Kubikmeter Mutterboden bewegt.
Nach neuen Erkenntnissen gab es ursprünglich am mittig gelegenen Marmorbrunnen keine Schmuckpflanzung. Entsprechend werden nur die westlich und östlich gelegenen, halbrunden Brunnen und die Rinnen wieder mit einem begrenzenden Pflanzbeet versehen. Die Pflanzung mit Stauden und einjährigen Pflanzen im Bereich Brunnen und Rinne wird aufgrund der Jahreszeit exemplarisch auf der Ostseite (Exedraseite) angedeutet. Die Kosten für die gärtnerischen Maßnahmen betragen etwa 40.000 Euro. Die Wasserspiele sind in diesem Jahr noch bis zum 12. Oktober zu besichtigen.
