Plattform-Strategie für Baumaschinen: Effizienz und Anpassung
Die Baumaschinenbranche entwickelt sich stetig weiter, um den spezifischen Anforderungen der Anwender gerecht zu werden. Ein Ansatz, der sich im Automobilsektor bewährt hat, findet nun auch bei Baumaschinen Anwendung: die Plattform-Strategie. Caterpillar verfolgt dieses Konzept seit 2017 und bietet verschiedene Produktlinien an, die auf unterschiedliche Einsatzprofile zugeschnitten sind. Ziel ist es, den Kunden maßgeschneiderte Lösungen zu bieten und gleichzeitig den Entwicklungs- und Fertigungsaufwand zu optimieren.
Carl Pioch, geschäftsführender Gesellschafter von Michel Bau aus Klingenberg, hat sich von diesem Ansatz überzeugen lassen. Sein Unternehmen investierte in den ersten Cat Kettenbagger 320 der neuen Generation in Deutschland sowie in einen Radlader 950GC. Diese Maschinen verdeutlichen den konstruktiven Wandel und die neue Modellbezeichnung. Der Cat 320, ohne zusätzliche Buchstaben, ist auf Leistung ausgelegt und soll bei Michel Bau auf Erdbaustellen und in der Umweltsanierung zum Einsatz kommen. Der 950GC hingegen, mit dem Zusatz "General Construction", ist eine Basisversion für einfache bis mittelschwere Anwendungen und wird bei Michel Bau für den unregelmäßigen Umschlag von Schüttgütern auf dem Lagerplatz genutzt.
Effizienz durch Plattform-Strategie
Die Kettenbagger der neuen 300er-Serie von Caterpillar basieren auf einer gemeinsamen Entwicklungs- und Produktionsplattform. Dies ermöglicht es, Entwicklungszeiten und -kosten zu reduzieren sowie den Fertigungsaufwand und die Lagerhaltung von Ersatzteilen zu minimieren. Ein Beispiel hierfür ist die Reduzierung der Fahrerkabinen von ehemals 16 auf nunmehr drei Varianten. Auch die Anzahl der Luftfilter konnte von 15 auf drei gesenkt werden. Gleichzeitig wurden die Einstellmöglichkeiten für den Fahrer deutlich erweitert, was die Maschinen zu echten Technologie-Trägern macht.
Frank Kranich von der Zeppelin Projekt- und Einsatztechnik führte die Geräteeinweisung für den 22 Tonnen schweren Cat 320 durch. Dabei wurden dem Fahrer von Michel Bau die neuen Funktionen und Einstellungsmöglichkeiten detailliert erklärt. So lassen sich beispielsweise die Joysticks hinsichtlich Ansprechverhalten und Art der Baggersteuerung individuell an die Bedürfnisse des Fahrers anpassen. Die Entwicklungsingenieure von Caterpillar versprechen für die Kettenbagger der 300er-Serie eine um 45 Prozent höhere Fahrer-Effizienz, einen um 25 Prozent geringeren Kraftstoffverbrauch und um 15 Prozent niedrigere Wartungskosten.
„Ob diese Werte der Praxis standhalten, werden wir sehen, wenn wir mit der Baumaschine unter realen Bedingungen arbeiten. Das muss sich alles erst noch einspielen. Hierzu können wir erst in ein paar Wochen genaue Aussagen treffen, wenn Erfahrungen damit vorliegen“, so Carl Pioch.
Der neue Cat 320 wird zunächst auf der Deponie Büttelborn im Dichtungsbau eingesetzt, wo ein neuer Deponieabschnitt entsteht. Für Michel Bau, dessen Hauptbetätigungsfeld klassische Erd- und Tiefbauarbeiten sind, stehen Zuverlässigkeit und Genauigkeit im Vordergrund.
Integrierte Assistenzsysteme und Digitalisierung
Um die Präzision und Effizienz zu steigern, unterstützen integrierte Assistenzsysteme wie Planierautomatik sowie 2D- oder 3D-Maschinensteuerungstechnik den Fahrer. Eine konsequente Systemintegration elektronischer Steuerungselemente und eine elektrohydraulische Steuerung tragen dazu bei. Ab Werk sind zudem ein Wägesystem und eine Begrenzung des Arbeits- und Schwenkbereichs verbaut. Diese Funktionen werden laut Carl Pioch jedoch seltener genutzt, da die auszuführenden Arbeiten dies nur selten erfordern.
Stattdessen bietet Cat Grade mit 2D Führungshilfen für Tiefe, Neigung und horizontalen Abstand zum Planum. Dies ermöglicht dem Fahrer, das gewünschte Arbeitsergebnis schnell und präzise zu erreichen. Das serienmäßige 2D-System kann auf Cat Grade mit erweitertem 2D oder auf Cat Grade mit 3D aufgerüstet werden. Die ebenfalls ab Werk integrierte Planierautomatik Grade Assist steuert die Bewegungen von Ausleger und Löffel, sodass ein genaues Planum mit nur einer Joystickbewegung für den Stiel erstellt werden kann.
Michel Bau setzt bereits seit rund zehn Jahren auf GPS-Technologie in seinen Baggern. „Für Innovationen sind wir immer zu haben und Neuem gegenüber sind wir stets aufgeschlossen“, betont Carl Pioch. Besonders im Bereich der Umweltsanierung, Revitalisierung von Brachflächen und Beseitigung von Altlasten, wo mit kontaminiertem Material umgegangen wird, ist ein exakter Materialabtrag entscheidend, da jeder Millimeter zu viel enorme Kosten verursachen kann.
Ein weiterer Vorteil der GPS-Nutzung ist die Beschleunigung der Arbeitsabläufe. Der Vermesser kann direkt vom Büro aus mit den Maschinen kommunizieren und Daten wie das Aufmaß abrufen, das der Bagger realisiert hat. Dadurch entfallen Fahrten zur Baustelle, was Arbeitszeit spart. Mittlerweile wird GPS bei Michel Bau auch im Hochbau eingesetzt, einem Bereich, der in den letzten Jahren stark gewachsen ist, insbesondere im Industriebau. Hierfür wurden neue Tachymeter zur exakten Vermessung von Baustellen angeschafft.
„Das ist alles ein Vorstadium zu Building Information Modeling. Allerdings müssen die Planer die BIM-Methodik auch anwenden. Das ist die Grundvoraussetzung dafür, dass sich BIM auf Baustellen immer weiter durchsetzt. Wir als ausführendes Bauunternehmen brauchen ein 3D-Geländemodell, das die Ausgangsbasis für unsere Baumaschinen ist, die das dann umsetzen“, erklärt Carl Pioch.
Langjährige Partnerschaft und Service
Der Maschinenpark von Michel Bau umfasst rund 40 Cat Geräte. Allein im letzten Jahr wurden eine Cat Raupe D6N, der Kettenbagger 320F L, der Mobilbagger M320F, der Radlader 907M sowie die Minibagger 308E CR und in der Kurzheckversion 304E2 CR, 305E2 CR und 308E2 CR hinzugefügt. „Im Laufe Jahrzehnte langer Zusammenarbeit hat sich eine Vertrauensbasis gebildet, sodass wir kontinuierlich in Cat Technik investiert haben. Der Service, den wir bei Zeppelin erhalten, ist perfekt. Das können wir guten Gewissens sagen, da wir auch andere Produkte einsetzen und somit Vergleichsmöglichkeiten haben“, so Pioch.
Für Baumaschinen wie den 320 wurde ein Full-Service-Vertrag abgeschlossen. Angaben zu Wartungsintervallen und -kosten können daher nicht gemacht werden. Laut Herstellerangaben sollen sich diese bei der neuen Baggergeneration jedoch deutlich reduziert haben. So bietet beispielsweise der neue Rücklauffilter des Hydraulikölkreises eine Nutzungsdauer von über 3000 Stunden und ein um 50 Prozent höheres Partikelspeichervermögen als frühere Filter.
Der neue Cat 320 stellt eine Ersatzinvestition dar, wobei die Gerätegröße für den Maschinentransport ein limitierender Faktor war. „Heute muss man schnell, flexibel und mobil sein“, definiert der Firmenchef die Anforderungen. Michel Bau nutzt eine Vielzahl hydraulischer Anbaugeräte. Daher wurde am Cat 320 der Schnellwechsler Oilquick OQ 70/55 installiert, eingestellt und optimiert, bevor die Baumaschine von Sascha Fischer von der Niederlassung Hanau ausgeliefert wurde.
Flexibilität ist auch beim Radlader 950GC gegeben, den Michel Bau ebenfalls über Sascha Fischer orderte. Diese Baumaschine ist eine Investitionsalternative für Einsätze, bei denen kein Dauerbetrieb unter Höchstleistung erforderlich ist. Der Lader wird jährlich etwa 500 Betriebsstunden absolvieren und ist praxisgerecht ausgestattet. „Das heißt aber nicht, dass wir Abstriche machen müssen. Ich bin nicht nur mit der Ausstattung sehr zufrieden, sondern auch mit der Leistung. Der Radlader hat eine brachiale Kraft“, so das Urteil des Fahrers. Dies wird durch die Caterpillar Z-Kinematik ermöglicht, die für die nötigen Grab- und Ausbrechkräfte sorgt und so auch anspruchsvolle Arbeiten mühelos bewältigt.
