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Moderne Düngetechnik: Effizienzsteigerung und Emissionsminderung im Fokus

Die 16. Fachtagung „Land.Technik für Profis“ beleuchtete die Rolle moderner Düngetechnik bei der Verbesserung der Stickstoffeffizienz und der Reduzierung von Emissionen. Experten diskutierten Herausforderungen und Potenziale, von der Gülledüngung bis zu Connected-Nutrient Managementsystemen.

Herausforderungen im Stickstoffmanagement und neue Ansätze

Prof. Dr. Werner Wahmhoff von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) thematisierte die Stickstoffeinträge in die Umwelt. Obwohl der Stickstoffsaldo seit 1990 von 147 kg N/ha auf 84 kg N/ha gesunken ist, wurde das Ziel der Bundesregierung von 80 kg N/ha nicht erreicht. Dies führte dazu, dass die Vorgaben der Nitratrichtlinie und der NEC-Richtlinie nicht erfüllt wurden.

Wahmhoff zufolge hat sich das bisherige sektorale Stickstoffmanagement als unzureichend erwiesen. Er plädierte für eine Zusammenführung von Maßnahmen zur Reduktion unproduktiver Stickstoffemissionen und forderte komplexe Bewertungen der Nachhaltigkeit von Nährstoffströmen und Düngestrategien. Ganzheitliche, disziplinübergreifende Lösungen seien erforderlich und könnten durch zielführende ordnungsrechtliche Rahmenbedingungen sowie entsprechende Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten mittelfristig erreicht werden.

Gülledüngung: Von m³/ha zu kg N/ha

Ein weiterer Schwerpunkt der Tagung war die Gülledüngung, insbesondere das Problem schwankender Nährstoffgehalte. Erste Messsysteme zur Nährstoffbestimmung in Echtzeit sind auf dem Markt. Diese nutzen Nahinfrarotsensoren (NIRS), um den Nährstoffgehalt der Gülle während des Betankens oder Ausbringens online zu bestimmen.

Landwirt Klaus Münchhoff aus Derenburg identifizierte drei wesentliche Herausforderungen: Erstens erfordert die Kalibrierung der Sensoren exakte Mengenvorgaben und repräsentative Gülleproben, deren Erstellung aufgrund der Inhomogenität innerhalb einer Lagerstätte schwierig ist. Zweitens müssen Labormessungen präziser werden, da die Ergebnisse selbst bei Mehrfachanalysen desselben Labors variieren. Drittens muss der Gesetzgeber die Werte aus Echtzeit-Messsystemen für die Dokumentation anerkennen.

„Sind diese Voraussetzungen erfüllt, steht in der Landwirtschaft ein Paradigmenwechsel in der Ausbringung von Wirtschaftsdüngern an: Weg von m³/ha und hin zu kg N/ha. Zusätzlich eröffnet sich die Möglichkeit, die Nährstoffgabe teilflächenspezifisch anzupassen.“

Connected-Nutrient Managementsysteme und teilflächenspezifische Applikation

Jürgen Schwarzensteiner, Landwirt aus Irlbach, berichtete über positive Erfahrungen mit dem Connected-Nutrient-Managementsystem von John Deere zur teilflächenspezifischen Applikation. Dieses System ermöglicht die Reduzierung von N-Verlusten und eine bedarfsgerechte Versorgung der Pflanzen, auch mit organischem Dünger. Es unterstützt Landwirte bei der Planung, Applikation und Dokumentation der Maßnahmen.

Schwarzensteiner sieht in Fernerkundung und Manure Sensing wichtige Bausteine für die Weiterentwicklung einer effizienten Düngung. Er wies jedoch darauf hin, dass für die Nutzung des komplexen Systems fundierte EDV-Kenntnisse erforderlich sind.

Düngung nach durchschnittlicher Ertragserwartung

Die Neu-Seeland Agrar GmbH Reinstedt arbeitet seit 1996 teilflächenspezifisch. Geschäftsführer Herbert Lisso betonte, dass dies eine neue Qualität bei pflanzenbaulichen und betriebswirtschaftlichen Entscheidungen ermöglicht. Der Betrieb bewirtschaftet 1.600 ha mit einer durchschnittlichen Bodenwertzahl von 80,5. Etwa die Hälfte der Flächen ist homogen, die andere Hälfte weist stark schwankende Bodenqualitäten auf.

Grundlage für die potenzial-angepasste Bewirtschaftung sind Ertragskarten in Verbindung mit Abreifeluftbildern vergangener Jahre. Dieses Bewirtschaftungssystem vereint Erfahrung mit der Ertragserwartung unter Berücksichtigung und Wichtung von Prioritäten und spezifischen Standortbedingungen. Die Kalibrierung erfolgt auf die Fruchtart Winterweizen (Qualität A-Weizen mit 13 % Protein) nach Winterraps. Korrekturen und Bestätigungen der Ertragskarten erfolgen durch Abreifeluftbilder.

„Mit dieser Vorgehensweise haben wir schrittweise ein einfaches und praktikables System der teilflächenspezifischen Erfassung der Potenziale auf den Flächen und der Ableitung von Bewirtschaftungsparametern geschaffen, das mit vertretbarem Aufwand zu beherrschen ist und bei dem nicht der oft beklagte riesige ‚Datenmüll‘ entsteht.“

02.03.2017

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