Baustoffe & Materialien, Wege-, Platz- und Terrassenbau

Ortskernsanierung in Zwiefalten: Integration der B 312 und Neugestaltung des Peterstorplatzes

Zwiefalten hat seinen Ortskern erfolgreich saniert. Die Integration der B 312 und die Neugestaltung des Peterstorplatzes verbesserten die Aufenthaltsqualität. Ein spezielles Pflaster sorgt für Ästhetik und Belastbarkeit.

Herausforderungen und Sanierungskonzept in Zwiefalten

Das Land Baden-Württemberg fördert jährlich städtebauliche Sanierungs- und Entwicklungsmaßnahmen in Kommunen, um die baulichen, verkehrstechnischen und kulturellen Gegebenheiten zu verbessern. Seit der Einführung des Landessanierungsprogramms wurden 1.822 Gebiete in 786 Gemeinden aufgenommen, wovon über 970 Maßnahmen erfolgreich abgeschlossen werden konnten. Eine dieser Maßnahmen betrifft Zwiefalten, eine Gemeinde am südlichen Rand der Schwäbischen Alb.

Im Jahr 2003 wurde in Zwiefalten ein Entwicklungskonzept für die Ortsmitte beschlossen, das besondere Sanierungskriterien vorsah. Die Gemeinde mit rund 2.000 Einwohnern liegt zwischen Stuttgart und dem Bodensee und ist mit ihrem spätbarocken Münster sowie der landschaftlichen Umgebung der Alb und des Aachtales ein wichtiger Fremdenverkehrsschwerpunkt mit über 300.000 Besuchern jährlich. Trotz ihrer zentralörtlichen Funktion an der regionalen Entwicklungsachse Reutlingen/Riedlingen und ihrer touristischen Anziehungskraft stand Zwiefalten vor einer Herausforderung: Die Bundesstraße B 312 zerschnitt den Ort und der zentrale Peterstorplatz, der eigentlich die Ortsmitte definieren sollte, wurde als Bushaltestelle und Parkfläche genutzt. Unstrukturierte Hecken, Mauern und Platzmöblierungen trugen zu einem unübersichtlichen Straßenraum bei, der den Verkehr kanalisierte.

Rückgewinnung des Platzcharakters

Mit der Verabschiedung des Sanierungskonzepts im Rahmen des Landessanierungsprogramms im Jahr 2003 sollte sich die Situation ändern. Gerhard Keppler vom Architekturbüro Keppler/Schenk aus Münsingen erläuterte die Zielsetzung:

Da der Bau einer Umgehungsstraße auf weitere Sicht nicht erkennbar war, konnte unsere Entwurfsplanung nur das Ziel verfolgen, die Bundesstraße in das Ortsbild zu integrieren und dem zentralen Peterstorplatz seinen Platzcharakter zurückzugeben. Umgesetzt haben wir dies durch eine Reduktion der Fahrbahnregelbreite von 8,5 auf 7 Meter. Der gewonnene Platz steht nun für Fußgänger und den ruhenden Verkehr zur Verfügung. Zudem entstand durch eine offene Platzgestaltung vor dem Peterstor ein klarer und übersichtlicher Raum, auf dem sich Touristengruppen sammeln können.

Der Aufenthaltsbereich wurde durch flache Wasserbecken ergänzt. Nordwestlich des Peterstores befinden sich die Terrassen gastronomischer Betriebe. Die Mauerecken des ehemaligen Kirchhofs wurden als Begrenzung wiederhergestellt. Leuchten dienen als Lichtstelen und schaffen eine Wegführung sowie Abgrenzung zwischen Platzraum und Terrassenflächen.

Zur Auflockerung erfolgte eine punktuelle Begrünung zwischen den Stellplätzen entlang der Hauptstraße. Der Peterstorvorplatz wird zudem durch zwei Baumreihen im rechten Winkel zueinander begrenzt, und die Stellplätze sind als Kurzzeitparkplätze ausgewiesen. Dies soll das „wilde Parken“ an den Straßenrändern und im Bereich des Peterstorvorplatzes vermeiden. Keppler beschreibt die Maßnahmen:

Alle diese Maßnahmen verfolgen das Ziel, sämtlichen Aufenthaltsbereichen in der Ortsmitte eine neue Prägung zu verleihen.

Flächenwirkung durch spezielles Pflaster

Eine wesentliche Rolle spielte die Wahl des Belags für die rund 5.000 m² großen Flächen. Dipl.-Ing. Franz Knab vom Ingenieurbüro Schwörer aus Altheim betonte:

Uns war von vorne herein klar, dass für die Oberflächenbefestigung kein gewöhnlicher Pflasterstein in Frage kommt. Ziel war es, durch ein optisch besonders ansprechendes Material, die gewünschte Flächenwirkung zu erzeugen. Gesucht war ein Belag, der in die barocke Umgebung passt und eine moderne Atmosphäre erzeugt.

Neben ästhetischen Aspekten waren auch technische Anforderungen zu berücksichtigen. Knab führte aus:

Damit die gewünschte Optik des Platzes dauerhaft Bestand hat und es zu keinen Verschiebungen innerhalb der Fläche kommt, müssen die Pflastersteine den anfallenden Belastungen gewachsen sein. Immerhin werden Teilbereiche der Flächen nicht nur von zahlreichen PKW, sondern auch von Reisebussen befahren.

Belastbares und ästhetisches Einstein-Pflaster

Die Planer entschieden sich für das Einsteinpflaster der Firma Diephaus. Dessen Besonderheit ist die D-Punkt-Fugensicherung, die bei der Verlegung eine punktuelle, minimale Berührung an den Steinunterkanten gewährleistet. Der Anteil der Berührungsfläche zwischen den Steinen ist dadurch gering, wodurch eine Knirschverlegung vermieden und die für die Aufnahme von Verkehrsbelastungen notwendige Fuge stets eingehalten wird. Dies sichert eine optimale Kraftübertragung zwischen den Steinen.

Das Pflaster erfüllte somit die Anforderungen an die Belastbarkeit. Franz Knab hob hervor:

Das gute an diesem System ist, dass die technischen Vorzüge dieses Systems nicht zu Lasten der Optik gehen. Im Gegenteil: Mit seiner kugelgestrahlten hellen Oberfläche und dem geradlinigen Format von 20 x 20 cm wirken die sanierten Flächen gewünscht modern und bieten einen bewussten Kontrast zu den barocken Gebäuden.

Durch diese Maßnahmen konnte die Aufenthaltsqualität im Ortskern von Zwiefalten deutlich verbessert werden. Gerhard Keppler fasste zusammen:

Die Bundesstraße wurde ein Stück weit in den Ort integriert, den Verkehr beruhigt und das öffentliche Leben auf den Plätzen wieder hergestellt – es kommt halt drauf an, wie man es macht.

23.02.2012

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