Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Viele städtebauliche Maßnahmen der letzten Jahrzehnte haben zu einem erhöhten Versiegelungsgrad geführt und damit den Anteil an „grüner Infrastruktur“ in den Städten empfindlich reduziert. „Leider bleiben die wenigen noch freien Flächen in den Städten aus Mangel an kreativen Ideen und Lösung zusätzlich ungenutzt. Dabei gibt es schon heute die Dachbegrünung, die aufgrund der fortgeschrittenen Verdichtung der Städte oft die einzige Option ist, versiegelten Flächen ein Stück Natur zurückzugeben.

Ein intensiv begrüntes Dach in der Stadt: Selbst Bäume finden hier einen Platz in luftiger Höhe. Rankhilfen (li.) geben außerdem Gerüstkletterpflanzen Halt und sorgen dafür, dass sich das Grün an der Fassade fortsetzt. (Foto: BGL)

Gleichzeitig tragen diese ‚grünen Bauweisen‘ erheblich zur Verbesserung des Stadtklimas und der Lebensqualität bei“, wirbt Forster bei den Kommunen für eine stärkere Berücksichtigung der grünen Technologien in der Stadtentwicklung. Dass Dach- und Fassadenbegrünung mehr als nur ein Trend ist, zeigen die Metropolen Südostasiens, wo die grünen Technologien fester Bestandteil der Stadtplanung und - entwicklung sind und gezielt eingesetzt werden. Aber auch in Deutschland lohnt sich die Anlage von Dach- und Fassadengrün.

Die KfW-Bank hat jetzt zum Beispiel die Förderung der Dachbegrünung in ihr Förderprogramm „Energieeffizient Sanieren“ aufgenommen. Überdies fördern einige Städte und Kommunen die Dach- und Fassadenbegrünung durch verschiedene Subventionsmodelle. So müssen z.B. die Besitzer von begrünten Dächern in vielen Regionen deutlich weniger Niederschlagswassergebühren bezahlen.

Der Grund: Als „grüne“ Technologien leisten begrünte Dächer- und Fassaden einen wirksamen Beitrag zum Regenwassermanagement in Siedlungsräumen. Sie kompensieren die Flächenversiegelung, reinigen das Regenwasser, speichern bzw. verdunsten ganz oder teilweise die Niederschläge und entlasten dadurch die Kanalisation. Grüne Bauweisen leisten aber nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Regenwassermanagement, sie sorgen auch für ein angenehmeres Stadtklima. Qualitätsvoll gestaltete Vegetationsflächen steigern die Attraktivität einer Stadt, verbessern die Biodiversität, reduzieren die Luftverschmutzung und mildern den Hitzeeffekt. „Außerdem sind Menschen, die in einem grünen Umfeld leben weniger anfällig für Stressbelastungen und gleichzeitig offener für soziale Kontakte, was zusätzlich zur besseren Gesundheit beiträgt“, so Forster.

Multifunktionale grüne Dächer sind die Zukunft in der Stadt

Neben dem ökologischen und ökonomischen Nutzen schafft Stadtgrün auch einen sozialen Mehrwert. Angesichts des beschränkten Raumes in den Städten wird die Nutzung von naturnahem Wohnraum immer wichtiger - kreative Lösungen sind hier gefragter denn je. Für Bauherrn und Planer bieten grüne Dächer vielfältige Möglichkeiten. Besonders multifunktional genutzte Dächer werden in Zukunft das Stadtbild moderner Metropolen prägen. So können privat genutzte Dächer mit Pflanzbeeten, Heckenelementen, Rasenflächen, Teichanlagen und ebenerdigen Gärten als zusätzlicher naturnaher Wohnraum genutzt werden. Ein Beispiel hierfür ist u.a. das „urban farming“.

Aber auch für gewerbliche oder öffentliche Gebäude wie z.B. von Industrieunternehmen, Krankenhäusern und Pflege- und Wohnheimen können grüne Dächer als Kommunikationsplattformen und zusätzliche Begegnungsstätte dienen. Hier kommt der Gestaltung von begehbaren Wegen und Terrassenflächen mit barrierefreien Übergängen eine besondere Bedeutung zu. Überdies wird der Bedarf nach Einrichtungen für Spiel, Sport und Spaß in Zukunft weiter wachsen. Grüne Dächer können bei Berücksichtigung der Anforderungen und Statik als Freizeitanlagen mitten in der Stadt genutzt werden. Besonders eignen sich grüne Außenanlagen auf Dächern von Kindertagesstätten, die aufgrund des Platzmangels immer öfter in die Planung mit einbezogen werden.

„Die Themen Lebensqualität und multifunktionale städtische Infrastruktur in der Stadt werden in Zukunft immer wichtiger. Grün kann hier eine entscheidende Rolle spielen und wichtige Funktionen übernehmen. Aus diesem Grund ist die Förderung grüner Bauweisen und Freiflächen in Städten und Kommunen ein wesentliches Anliegen der Charta Zukunft Stadt und Grün, die der BGL zusammen mit über 20 weiteren Unterzeichnern aus Wirtschaft, Institution und Verbänden initiiert hat“, sagt Forster.

„Es gilt intelligente Anreize zu schaffen, um die verstärkte Nutzung der Ressource Stadtgrün zielgerichtet zu unterstützen. Denn die heutige Gesellschaft will zunehmend beides: In einer vitalen Stadt leben und gleichzeitig von viel Grün umgeben sein“, ist August Forster von der „grünen“ Stadt als Modell der Zukunft überzeugt.

 

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