Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Im Rahmen der Aktion Praxis für Politik des BDWi stattete die SPD-Bundestagsabgeordnete Dr. Dorothee Schlegel dem Garten- und Landschaftsbaubetrieb (GaLaBau) Stahl in Boxberg-Schweigern einen Besuch ab. Die beiden Firmeninhaber Jochen und Waldemar Stahl und Reiner Bierig, Geschäftsführer des Verbandes für den Garten- und Landschaftsbau Baden-Württemberg, sprachen zusammen mit der Abgeordneten über Chancen und Probleme der GaLaBau-Branche.

v.l.n.r.: Jochen Stahl, Dr. Dorothee Schlegel, Waldemar Stahl und Reiner Bierig tauschten sich über Chancen und Probleme der GaLaBau-Branche aus (Foto: GaLaBau-BW)

Bei einer anschließenden Baustellenvisite konnte Dr. Schlegel schließlich praxisnahe Eindrücke vom Arbeitsalltag eines Landschaftsgärtners sammeln: „Diese Arbeit ist mir nicht nur wegen meines großen Gartens vertraut, sondern auch weil ich nach meinem Studium wenige Wochen bei einem Gartenbauunternehmen in Stuttgart Erfahrungen gesammelt habe", erklärte sie.

„Der Garten- und Landschaftsbau ist und bleibt eine Branche mit Zukunft", sind die Vertreter des Verbandes für den Garten- und Landschaftsbau Baden-Württemberg Reiner Bierig und Waldemar Stahl, Regionalvorsitzender Franken des Verbandes, sich einig. Der 1992 gegründete, mittelständische Garten- und Landschaftsbaubetrieb engagiert sich seit dem Jahr 2000 auch in Sachen Ausbildung. Jochen und Waldemar Stahl sind gleichermaßen überzeugt: „Unsere Bemühungen in der Ausbildung junger Menschen dürfen nicht nachlassen. Ausbildung schafft die beste Grundlage für eine erfolgreiche Unternehmensentwicklung." Eine Einstellung, die Dr. Schlegel angesichts der europaweit hohen Jugendarbeitslosigkeit und als für Jugend und Bildung im Ausschuss für Angelegenheiten der Europäischen Union zuständige Berichterstatterin sehr begrüßt.

„Bauen mit Grün" liegt nach wie vor im Trend. „Bauen mit Grün ist gerade im ländlichen Raum auch wieder neu zu entdecken und eine wertvolle Grundlage für Lebensqualität", betont die Politikerin. „Wichtig ist auch, Gärten pflegeleichter zu gestalten, gerade weil die Bevölkerung auf dem Land älter wird und den Wunsch hat, den eigenen Garten so lange wie möglich selbst zu bewirtschaften", fügt sie hinzu.

So ist es kein Wunder, dass die Garten- und Landschaftsbauunternehmer die allgemeine Lage positiv bewerten. Die Auftragslage ist sehr gut, seit Jahren boomt die Nachfrage im Privatkundenmarkt, doch auch im öffentlichen und gewerblichen Bereich werden die „grünen Dienstleistungen" der Landschaftsgärtner zunehmend gefordert.

Gartenschauen – Ein baden-württembergisches Erfolgsmodell Ein hervorragendes Podium für diese „grünen Dienstleistungen" bieten dabei die Gartenschauen. Ob die aktuelle Gartenschau in Mühlacker, die in Baden-Württemberg stattfindenden Bundesgartenschauen Heilbronn 2019 sowie Mannheim 2023 oder die interkommunale Gartenschau Remstal 2019 (insgesamt 16 Städte und Gemeinden) – all diese Projekte verändern das Stadtbild positiv und nachhaltig. „Gartenschauen", so die Verbandsvertreter, „bieten Städten eine einmalige Chance sich als zukunfts-fähige, lebenswerte Stadt zu präsentieren. Gerade die weichen Standortfaktoren werden im Wettbewerb um Unternehmen, Arbeitskräfte und zu-künftige Bewohner immer wichtiger!" Interkommunale Gartenschauen wie im Remstal könnten gerade auch für das liebliche Taubertal in einigen

Bereichen nicht nur Vision bleiben, sondern dies wäre eine Zukunftsaufgabe, die angegangen werden kann, bestätigte auch Reiner Bierig.

Übrigens baut die Firma Stahl auch bei der Landesgartenschau Öhringen mit und wird im kommenden Jahr selbst mit einem Schaugarten präsent sein.

„Charta Zukunft Stadt und Grün" Und auch in Städten ohne anstehendes Gartenschauprojekt muss, nicht nur nach Ansicht der Experten für Garten- und Landschaft, in Sachen „Grün" so einiges in der Politik vorangetrieben werden. Deshalb hat sich der Bundesverband für den Garten- und Landschaftsbau intensiv mit diesem Thema auseinandergesetzt und gemeinsam mit zahlreichen Part-nern die Broschüre „Charta Zukunft Stadt und Grün" herausgegeben. Um den gerade in den Städten alltäglichen Herausforderungen, wie bspw. Klimawandel oder Feinstaubbildung, wirkungsvoll begegnen zu können, kann die künftige Stadtentwicklung nicht ohne nachhaltige, grüne Investitionen stattfinden. „Baden-Württemberg braucht Programme, die natürliches Grün in den Städten fördern", betont Reiner Bierig. „Jetzt ist auch die Politik gefordert, sich für die Neuanlage und den Erhalt von „urbanem Grün" einzusetzen." Dr. Schlegel, die Stadtsoziologie studierte und über Jahrzehnte mit der Stadt Stuttgart sehr vertraut ist, erklärt hierzu: „Stadtbegrünung ist für mich, die ich zu Leben in der Innenstadt meine Abschlussprüfung an der Uni gemacht, ein absolut bekanntes Thema. Und hier im ländlichen Raum gilt es, die Dorfkerne lebens- und liebenswürdig zu gestalten, am besten zusammen mit der Bevölkerung."

Geplante Umsatzbesteuerung der öffentlichen Hand Das Bayerische Staatsministerium der Finanzen hat im Juni 2014 einen mit Bund und Ländern abgestimmten Entwurf zur Neuregelung der Umsatzbesteuerung von Leistungen der öffentlichen Hand vorgelegt. Die geplante Vorschrift soll am Markt agierende Kommunen in weiten Teilen von der Umsatzsteuer befreien, was trotz massiver Kritik – dem Vernehmen nach – die nahezu unveränderte Grundlage für die jetzt geplante Änderung des Umsatzsteuergesetzes sein soll. Das bedeutet im Klartext, dass wirtschaftlich tätige Kommunen, insbesondere in dem großen Aufgabenbereich „öffentliche Infrastruktur", von der Umsatzsteuerpflicht befreit werden. Die geplante Vorschrift hat die Gefährdung von Chancengleichheit und fairem Wettbewerb zwischen privatem und öffentlichem Sektor zur Folge. Im Bereich des Garten- und Landschaftsbaus sind als Konsequenz die Existenzen vieler privatwirtschaftlicher Betriebe bedroht, da öffentliche Aufträge einen erheblichen Umsatzanteil ausmachen und sie selbst bei betriebswirtschaftlich effizienter Aufstellung gegen Betriebe der öffentlichen Hand bei der Auftragsvergabe chancenlos blieben. In diesem Zusammenhang sicherte die Bundespolitikerin zu, sich zum Stand der Dinge zu informieren und ihren Gesprächspartnern sodann eine Rückmeldung zu geben.

Rußpartikelfilter für Baumaschinen Das Land Baden-Württemberg plant ab Mitte 2016 in einer Landesverordnung verpflichtend festzuschreiben, dass mobile Maschinen in Luftreinhaltegebieten mit hoher Feinstaubbelastung (nach derzeitigem Stand: Stuttgart, Tübingen, Reutlingen, Ludwigsburg und Markgröningen) stufenweise nur noch mit Rußpartikelfiltern zum Einsatz kommen dürfen. Die Eckpunkte der geplanten Landesverordnung sehen vor, dass alle mobilen Baumaschinen größer 18 kW schrittweise mit einem Partikelminderungssystem ausgestattet werden müssen. Die Aufnahme einer Quotenregelung konnte bislang verhindert werden, wohingegen die Herausnahme einzelner Maschinenkategorien sowie eine Bestandsschutzregelung, nach der bereits nachgerüstete Baumaschinen nicht erneut nachgerüstet werden müssen, in intensiven Gesprächen mit dem Ministerium erreicht wurden. „Eine solche Regelung bedeutet einen enormen finanziellen Aufwand für uns", so Jochen und Waldemar Stahl. Und weiter: „Der tatsächliche Nutzen für die Umwelt bleibt jedoch fraglich." Auch hier versprach Dr. Schlegel, nähere Informationen einzuholen und der Firma Stahl zukommen zu lassen.

 

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