Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Der erweiterte Vorstand des Zentralverbandes Gartenbau e.V. (ZVG) informierte sich am 10. und 11. November 2015 über europapolitische Themen des Gartenbaus und empfing in der Bayerischen Landesvertretung in Brüssel Mitglieder des Europäischen Parlamentes und der Vertretungen der Bundesländer zu einem parlamentarischen Abend.

ZVG-Präsident Jürgen Mertz wies die EU-Parlamentarier auf die große Relevanz des Gartenbaus für Europa hin. (Foto: ZVG)

ZVG-Präsident Jürgen Mertz wies die EU-Parlamentarier auf die große Relevanz des Gartenbaus für Europa hin. „Neben dem Gartenbau als Wirtschaftsfaktor und Ausbildungsbereich trägt unser Berufsstand zu gesunder Ernährung bei. Er trägt dazu bei, dass Städte grün sind und grüner werden. Er erhält eine Erinnerungskultur und er schafft natürlich schöne Augenblicke", so Mertz. Gleichermaßen machte Mertz aber auch auf die Bedeutung der europäischen Gesetzgebung für den deutschen Gartenbau aufmerksam: „Europa prägt den deutschen Gartenbau und seine kleinen und mittelständischen Betriebe maßgeblich, sei es bei Fragen des Pflanzenschutzes, der Pflanzengesundheit, beim Import und Export, sei es bei der Dienstleistungsfreiheit, der Abfallbewirtschaftung oder arbeitsrechtlichen Fragen wie Gesundheit am Arbeitsplatz oder der Entsenderichtlinie".

Bei Europäischen Forschungsprogrammen müsse ausreichend auf eine Berücksichtigung des Gartenbaus hingewirkt werden, mahnte Mertz. Im Projekt HortInnova bringt der ZVG sich derzeit bei der Formulierung von Forschungsfragen für den Gartenbau ein. EU-geförderte Programme wie u.a. Horizont 2020 werden in Projektplanungen mit Partnern aus verschiedenen europäischen Mitgliedstaaten berücksichtigt. Der deutsche Gartenbau bringt sich aktiv in die Politik ein, fordert aber auch ihre Unterstützung.

Mertz stellte in seinem Grußwort an die Abgeordneten und Landesreferenten die Imagekampagne der Gartenbaubranche „Natürlich schöne Augenblicke" zum ersten Mal auf europäischer Ebene vor und erntete sichtliche Begeisterung der Gäste für die gelungene Kampagne.

Neben den Grußworten durch den Präsidenten des ZVG, betonte Birgit Fehling, Regierungsdirektorin Ernährung und Landwirtschaft in der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik Deutschland bei der Europäischen Union, die enorme Bedeutung des Gartenbaus in Europa. Sie verwies auf die Bereitstellung von Obst und Gemüse für die gesunde Ernährung von Schülern und Jugendlichen im Rahmen des Schulobst- und Gemüseprogramms, aber auch auf die Bedeutung von Pflanzen als grüne Lungen in der Stadt und als Wohlfühlelement im eigenen Lebensumfeld.

Als Gastreferent begrüßte der ZVG Europaparlamentarier Markus Ferber, der über die Arbeit im Europäischen Parlament berichtete, Matthias Langemeyer (EU-Kommission, Generaldirektion Landwirtschaft und ländliche Entwicklung), der europäische Netzwerke vorstellte und Julia Riss von Burson-Marsteller, die einen Einblick in die Arbeit von politischen Beratungsagenturen in Brüssel gewährte.

Ferber machte deutlich, dass die Auswirkungen des geplanten Freihandelsabkommen TTIP für den Gartenbau bisher eher gering seien. So lange keine Einigungen über nicht-tariffäre Handelshemmnisse im Bereich Pflanzengesundheit erzielt würden, bliebe der Export in die USA schwierig. Wichtiger wären die multilateralen Verhandlungen zum Abkommen über Handel und Dienstleistungen, namentlich TiSA (Trade in Services Agreement).

Langemeyer stellte das Europäische Netzwerk für ländliche Entwicklung (ENRD) vor. Das ENRD ist eine Plattform für Ideen- und Erfahrungsaustausch über die praktische Verwirklichung der ländlichen Entwicklungspolitik und ihre Verbesserung in allen Mitgliedstaaten.

Mittels der Europäischen Innovationspartnerschaft EIP AGRI soll Forschungsbedarf identifiziert werden, um Herausforderungen in der Praxis zu lösen.

Wie wichtig eine gute Interessensvertretung auf europäische Ebene ist, machte Julia Riss deutlich. Am Beispiel des Pflanzenschutzes, Substrate und der Kreislaufwirtschaft zeigte sie auf, wie notwendig eine professionelle Politberatung im europäischen Gesetzgebungsprozess ist.

„Die politische Vertretung des ZVG auf der europäischen Ebene macht sich tagtäglich bezahlt", meint Jürgen Mertz. Durch unser funktionierendes Netzwerk in Brüssel bekäme der ZVG über das Europareferat Themen und Stimmungen des europäischen Politikbetriebes frühzeitig mit und könne seine Mitglieder entsprechend informieren und sich auf nationale Umsetzungsprozesse vorbereiten. „Umgekehrt vertreten wir aktiv auf EU-Ebene die Interessen des deutschen Gartenbaus", so Mertz.

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