Fachzeitschrift für den Garten- und Landschaftsbau

Am Montag, dem 30. November 2015, geht die biotopeinrichtende Pflege der Englischen Partie im Schlossgarten Rheinsberg in die letzte Runde. Die Gartenabteilung der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg (SPSG) wird in der kommenden Woche die letzten Abschnitte des historischen Wassergrabensystems räumen. Damit enden die Anfang 2014 begonnenen Wiederherstellungsmaßnahmen in diesem Gartenareal.

Schloss Rheinsberg (Foto: Hans Bach)

Die Englische Partie

Die Englische Partie ist ein Gartenteil, der um 1770 als eine strukturreiche, mit Wegen, Bachläufen und Gehölzgruppen durchzogene Wiese gestaltet wurde. Dieser offene und lichte Gartenraum war die Verbindung zwischen Lustgarten und dem anschließenden ländlich verschönerten Boberow. Die Partie verwilderte im 19. und 20. Jahrhundert. Die aufgewachsenen Bäume wurden bereits in den 1980er Jahren gefällt. Bis vor zwei Jahren bestand der Gartenbereich aus einer mit Schilf bewachsenen Wiese. Die gartenkünstlerisch geprägte Wirkung ging verloren. Um diese wiederzugewinnen, sollten das Schilf zurückgedrängt, eine blütenreiche Feuchtwiese etabliert und das erhaltene Grabensystem beräumt werden.

Die Wiederherstellungsmaßnahmen

Nach ersten Rücksprachen mit der Unteren Naturschutzbehörde erfolgte 2011 eine Biotopkartierung des Gebietes. Hierbei wurden unter anderem die Vorkommen der geschützten Orchidee Breitblättriges Knabenkraut und des sehr seltenen Großen Feuerfalters festgestellt. Daraufhin erarbeitete die SPSG ein Pflegekonzept, das mit der Oberen und der Unteren Naturschutzbehörde, dem Naturpark Stechlin-Ruppiner Land, dem Wasserzweckverband und dem Landesamt für Denkmalpflege abgestimmt und konkretisiert wurde.
Danach wurde das Schilf auf der mehr als 3 ha großen Fläche in den Jahren 2014 und 2015 viermal bzw. dreimal in immer größer werdenden Bereichen gemäht. Weiterhin erfolgte die Grundräumung des 620 m langen Grabensystems und des ca. 100 m² großen Teiches. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei dem Schutz der Muscheln und des Flussampfers, der einzigen Futterpflanze des Großen Feuerfalters. Entsprechend den naturschutzrechtlichen Auflagen zum Artenschutz wurden die ausgehobenen Muscheln wieder ins Wasser zurückgesetzt.

Einen Großteil der Arbeiten in dem moorastigen und unwegsamen Gelände führte die Rohrer Richter Technology GmbH aus Lauchhammer mit Hilfe eines Amphibienfahrzeuges durch.

Mit der Räumung der letzten Abschnitte des Grabensystems werden in der kommenden Woche die Wiederherstellungsmaßnahmen abgeschlossen. Ab 2016 geht das Areal in die dauerhafte Pflege – mit ca. zwei Mahdterminen pro Jahr – über.

 

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