Naturschutz

Zehn Jahre Grünes Band Europa: Forderung nach stärkerer politischer Unterstützung

Akteure aus 24 europäischen Ländern trafen sich in Berlin, um das zehnjährige Jubiläum des „Grünen Bandes Europa“ zu feiern. Sie fordern stärkere politische Unterstützung und eine länderübergreifende Koordinationsstruktur für den Lebensraumverbund entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs.

Internationale Fachtagung zum Grünen Band Europa

Anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Initiative „Grünes Band Europa“ trafen sich Akteure aus 24 europäischen Ländern in Berlin. Auf einer internationalen Fachtagung diskutierten sie über Erfahrungen, Herausforderungen und die Zukunft dieses Lebensraumverbunds entlang des ehemaligen Eisernen Vorhangs.

Obwohl bereits zahlreiche grenzüberschreitende Projekte auf verbandlicher und behördlicher Ebene erfolgreich umgesetzt werden, wünschen sich viele Beteiligte eine stärkere und nachhaltigere politische Unterstützung von ihren Ländern und der Europäischen Union. Ein maßgeblicher Schritt hierfür wäre die Etablierung einer offiziellen und länderübergreifenden Koordinationsstruktur für das Grüne Band Europa. Auch Vertreter aus Südkorea zeigten großes Interesse an den Erfahrungen mit dem 12.500 Kilometer langen europäischen Grünen Band und präsentierten ihre Bemühungen bezüglich der Demilitarisierten Zone zwischen Süd- und Nordkorea.

Veranstalter der Fachtagung waren das Bundesamt für Naturschutz (BfN) gemeinsam mit der EuroNatur Stiftung und dem Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland e.V. (BUND).

Wir sind uns als Initiatorin und deutsche Fachbehörde unserer zentralen Verantwortung für dieses europäische Projekt bewusst. Aus Sicht des Naturschutzes bietet das 'Grüne Band Europa' die besten Voraussetzungen zur Entwicklung einer internationalen "grünen Infrastruktur". Es ist das Rückgrat eines europäischen Biotopverbundes, so wie ihn jüngst als sogenannte 'Grüne Infrastruktur' auch die Europäische Kommission gefordert hat.

Dies erklärte BfN-Präsidentin Prof. Beate Jessel auf der Tagung. Die Präsidentin von EuroNatur, Christel Schroeder, wies auf Gefährdungen durch Infrastruktur-Großprojekte und industrielle Landwirtschaft hin.

Wenn das europäische Grüne Band nicht als Gesamtidee berücksichtigt wird, droht seine Zerstückelung und damit seine Auflösung. Wir alle tragen die Verantwortung dafür, dass diese friedensstiftende Idee keinen Partikularinteressen geopfert wird.

Nach Ansicht von Prof. Hubert Weiger, Vorsitzendem des BUND Deutschland, ist das Grüne Band ein Impulsgeber für eine nachhaltige ländliche Entwicklung.

Der ökologische Reichtum kann nur dann langfristig erhalten werden, wenn sein Wert von den Menschen auch geschätzt wird. Zahlreiche Beispiele zeigen, wie das Grüne Band zur natur-touristischen Entwicklung strukturschwacher Grenzregionen beitragen und wirtschaftlichen Mehrwert generieren kann.

EU-Umweltkommissar Janez Potočnik, der selbst nahe des Grünen Bandes aufwuchs, äußerte sich in einer Videobotschaft.

Das Grüne Band überwindet Grenzen und verbindet Natur und Menschen. Es trifft damit das Herz dessen, wofür Europa und nachhaltige Entwicklung stehen. Es hilft zudem eine Verbindung herzustellen zwischen europäischer Politik und der praktischen Umsetzungsebene. Diese Konferenz ist dabei ein exzellentes Beispiel wie Mitgliedsstaaten, Nicht-Regierungsorganisationen und andere Stake Holder effektiv zusammen arbeiten.

Hintergrund: Entstehung und Bedeutung des Grünen Bandes Europa

Die europäische Initiative für ein Grünes Band Europa begann 2003 in Deutschland. Seither wird die Erhaltung und Entwicklung des über 12.500 Kilometer langen ökologischen Korridors durch Europa von zahlreichen Akteuren vorangetrieben. Bereits seit den 1970er Jahren gab es in mehreren Bereichen Aktivitäten zum Schutz der Natur, die sich im Schatten der Grenzanlagen entwickeln konnte. Nach 1989 etablierten sich regionale Projekte, und vor zehn Jahren wurde die europaweite Initiative ins Leben gerufen. Heute arbeiten Menschen über Sprach- und Kulturgrenzen hinweg in zahlreichen Projekten zusammen.

Beispiele hierfür sind drei transnationale Interreg-Projekte in Zentraleuropa und entlang der Ostseeküste, die Vorbereitung grenzüberschreitender Schutzgebiete in Fennoskandien und auf dem Balkan sowie grenzüberschreitende Vorhaben zum Schutz großer Grenzflüsse wie Drau und Mur. Auch gezielte Artenschutzprojekte, etwa für den Balkanluchs, werden durchgeführt. Diese Bemühungen verwirklichen die europäische Idee: „Grenzen trennen. Natur verbindet.“ Dies ist auch politisch relevant, da das Grüne Band Europa die grenzüberschreitende Zusammenarbeit fördert und den Prozess der europäischen Einigung vorantreibt.

Das Grüne Band Europa ist für den pan-europäischen Biotopverbund von großer Bedeutung. Dies zeigt sich in der Häufung großflächiger Schutzgebiete. Allein 40 Nationalparks liegen direkt entlang des früheren Eisernen Vorhangs vom Eismeer bis zum Schwarzen Meer; 16 davon sind grenzüberschreitend. Innerhalb eines 50 Kilometer breiten Korridors befinden sich über 3200 Schutzgebiete. Zudem bietet das Grüne Band zahlreichen Arten der Flora-Fauna-Habitat- und Vogelschutz-Richtlinie der EU einen Lebensraum, darunter die Bechstein-Fledermaus, der Mausschläfer, die Flussperlmuschel und die Zwerggans. Alle diese Arten stehen auf den Roten Listen Europas.

16.05.2013

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