Beetpflanzen und Gehölze, Messen und Veranstaltungen

Digitalisierung im Garten- und Landschaftsbau: Herausforderungen und Chancen für Baumschulen

Die Digitalisierung verändert das Käuferverhalten in der grünen Branche. Baumschulen müssen sich mit Themen wie Social Media und E-Commerce auseinandersetzen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Rund 250 Baumschulgärtner informierten sich auf dem 24. Baumschultag der LWG über die Möglichkeiten der Gehölzvermarktung 2.0.

Forschung und Zukunftsinvestitionen in der grünen Branche

Die LWG führt seit 1967 Versuchsreihen für Obstbau und Baumschulen durch. Ein zentraler Bestandteil ist der „Zukunftswald“ auf dem Versuchsbetrieb „Stutel“ in Thüngersheim. Dort werden über 160 Baumarten und -sorten auf ihre Klimastresstoleranz getestet, um geeignete Stadtbäume für die Zukunft zu identifizieren.

Mit der Modernisierung unseres Versuchsbetriebes setzt der Freistaat ein deutliches Zeichen für die Forschungsarbeit der LWG und ein klares Bekenntnis zu den bayerischen Baumschulen.

Dies betonte Dr. Herman Kolesch, Präsident der LWG. Fünf Millionen Euro werden in den Neubau von Wirtschafts- und Bürogebäuden investiert, um die Forschung zu fördern. Dr. Kolesch dankte den Berufsverbänden für ihre Unterstützung und wies darauf hin, dass der Neubau des Institutsgebäudes auf dem grünen Campus in Veitshöchheim noch ausstehe.

Ausbildung als Zukunftsfaktor für Baumschulen

Michael Kutter, Vorsitzender des BdB-Landesverbandes Bayern e. V., hob die Bedeutung der Veranstaltung hervor und sah darin eine Wertschätzung für die Forschungsarbeit des Institutes für Erwerbs- und Freizeitgartenbau (IEF) der LWG. Er betrachtete die Digitalisierung nicht nur als Herausforderung, sondern als Chance für Baumschulgärtner. Kutter rief die Unternehmer dazu auf, ihre Zukunft aktiv zu gestalten und in die Ausbildung und Weiterqualifizierung ihrer Mitarbeiter zu investieren.

Möchte man in Deutschland ein Meister oder Techniker mit dem Schwerpunkt Baumschule werden, so ist die Staatliche Meister- und Technikerschule der LWG in Veitshöchheim dafür die erste Wahl.

Digitale Transformation: Wege aus der Schockstarre

Engelbert Kötter, ehemaliger Absolvent der Staatlichen Meister- und Technikerschule, verdeutlichte, dass sich die Branche bereits inmitten einer bedeutenden Zeitwende befindet. Er beschrieb die aktuelle Situation als geprägt von Preisdruck, verändertem Kundenverhalten und Zukunftsängsten.

Viele Unternehmer sind ratlos und befinden sich in einer regelrechten Schockstarre. Daneben werden mit extremen Sparkursen oder der Verringerung der Anbauflächen genau die falschen Schritte unternommen.

Kötter betonte, dass traditionelle Methoden wie stationäre Schauflächen oder Rabattaktionen in einem gesättigten und sich wandelnden Markt nicht mehr ausreichen. Stattdessen sei es entscheidend, die Möglichkeiten der digitalen Welt zu nutzen, um die Kunden von morgen zu erreichen. Eine gepflegte Homepage und ein Onlineshop, der eine virtuelle Erlebniswelt bietet, seien dabei essenziell.

Nur wer alle Kanäle nutzt, die vorhanden sind, und die Bedürfnisse seiner Kunden kennt, wird zu den künftigen Gewinnern gehören.

Kötter forderte einen Paradigmenwechsel: Baumschulen und Gartenbaubetriebe verkaufen nicht nur Pflanzen, sondern auch Trends und Werte.

Vernetzung von analoger und digitaler Welt im Gartenbau

Alexander Kelm von Green Solutions präsentierte Marketinglösungen für Baumschulen und zeigte auf, wie die Vernetzung von analoger und digitaler Welt gelingen kann.

Das stationäre und digitale Angebot dürfen nicht getrennt voneinander betrachtet werden, sondern müssen Hand in Hand miteinander arbeiten.

Wenn das Interesse des Kunden in einer Onlinebestellung mündet, müssen die analogen Prozesse wie Bereitstellung und Versand reibungslos funktionieren. Kelm sieht den stationären Handel als Fundament, das durch einen digitalen Auftritt ergänzt und in den Fokus der Kunden gerückt wird. Handwerkliche Fehler im stationären Verkauf, wie das Fehlen eines Frühlingssortiments, seien dabei zu vermeiden. Die Entwicklung geht weiter: Eine Smartphone-App soll es ermöglichen, mit wenigen Klicks Pflanzen im Garten zu visualisieren.

Cross Media in der Praxis: Reichweite durch soziale Medien

Sabrina Nitsche, Autorin und Moderatorin des TV-Gartenformates „Querbeet“, betonte die Notwendigkeit der Präsenz in sozialen Medien. Eine Sendezeit von 30 Minuten alle zwei Wochen sei nicht ausreichend, um wahrgenommen zu werden. Soziale Medien werden genutzt, um Gartenliebhaber jederzeit und überall zu erreichen, beispielsweise durch Outtakes, Kurzfilme oder Tutorials. Die Kommunikation mit den Zuschauern steht dabei im Mittelpunkt. Silvia Appel, Autorin des Blogs „Gartenfräulein“, zeigte, wie sie Follower in grüne Erlebniswelten entführt und begeistert. Dieser Ansatz ist für die Kundenbindung und die Gewinnung junger Zielgruppen im Gärtnereibereich zunehmend wichtig.

Einblicke in den Onlinehandel für Baumschulen

Klaus Körber, IEF-Abteilungsleiter Technik und Unternehmensentwicklung, stellte den Baumschulgärtnern den Onlinehändler Amazon vor. Er beleuchtete die Entwicklungen des Konzerns und dessen wachsende Bedeutung. Felix Weber, angehender Baumschulmeister, berichtete von seinen Erfahrungen mit der Amazon-Handelssparte „Pflanzen“. Er zeigte auf, dass die über Amazon vertreibenden Gartenbaubetriebe etwa ein Drittel des Kundeneinkaufspreises als Umsatz erhalten. Christian Müller, Baumschulbesitzer, bewertete seine Zusammenarbeit mit Amazon positiv, da es zur Markenbekanntheit seiner Obstgehölz-Marke beitrage. Er sieht die digitale Vermarktung als Ergänzung zum stationären Absatz.

LWG-Referendarin Silke Borzym und Studierende der Baumschulklasse präsentierten Erkenntnisse zu Homepage, Onlineshops, Suchmaschinenoptimierung und Social Media. Ein angepasster digitaler Unternehmens- und Handelsauftritt von Baumschulen sei unverzichtbar, ebenso wie die Möglichkeit zur unkomplizierten digitalen Kommunikation. Digitale Medien sollen genutzt werden, um Baumschulbetriebe einem breiten Publikum zugänglich zu machen.

Praktische Erfahrungen mit Digitalisierung in Baumschulen

Über Social Media können Kunden leichter erreicht, saisonale Stimmungen geweckt und zu Veranstaltungen eingeladen werden. Bilder und Videos gewinnen gegenüber Texten an Bedeutung, und die Benutzerfreundlichkeit digitaler Angebote ist entscheidend. Der Online-Pflanzenverkauf wird zunehmend wichtig und sollte nicht allein den „Big Playern“ überlassen werden, resümierte Silke Borzym.

Abschließend berichteten der Schweizer Baumschulunternehmer Roman Schwitter und die niederbayerische Baumschul-Gärtnermeisterin Elke Wimmer von der Baumschule Patzelsberger über ihre praktischen Erfahrungen mit der Digitalisierung ihrer Betriebe und ihrem Engagement in sozialen Medien.

01.03.2018

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