Naturschutz

30 Jahre BUND-Auenzentrum: Erfolge für Arten-, Klima- und Hochwasserschutz

26.10.2024

30 Jahre Engagement für lebendige Flussauen: Das BUND-Auenzentrum auf Burg Lenzen hat an der Elbe bedeutende Renaturierungsprojekte umgesetzt. Sie stärken Artenvielfalt, Klimaschutz und Hochwasserschutz und gelten bundesweit als Modell für nachhaltige Auenentwicklung.

Renaturierte Elbauen zeigen, wie Naturschutz und Hochwasserschutz zusammenwirken können

Das BUND-Auenzentrum auf Burg Lenzen an der Elbe blickt auf 30 Jahre erfolgreiche Arbeit für den Naturschutz zurück. Seit seiner Gründung hat das Zentrum maßgeblich zur Renaturierung von Flussauen im UNESCO-Biosphärenreservat Flusslandschaft Elbe sowie darüber hinaus beigetragen. Die Projekte verbinden Naturschutz, Hochwasserschutz und regionale Entwicklung.

Vertreterinnen und Vertreter aus Politik und Naturschutz würdigten die bisherigen Erfolge und diskutierten Perspektiven für die Zukunft der Elbauen. Zu den Gästen zählten unter anderem Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), Brandenburgs Umweltminister Axel Vogel, Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer sowie Sachsen-Anhalts Umweltstaatssekretär Steffen Eichner.

„Die Geschichte des BUND hier an der Elbe ist eine echte Erfolgsgeschichte: Das BUND Auenzentrum feiert sein 30-jähriges Bestehen. Aber mehr als das: Der BUND hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Projekten umgesetzt und eindrücklich gezeigt: Ansprüche von Naturschutz, Verkehr und Wasserwirtschaft lassen sich vereinen und gleichzeitig profitiert die nachhaltige Entwicklung der Region davon.“

Das betonte BfN-Präsidentin Sabine Riewenherm mit Blick auf die zahlreichen Renaturierungsmaßnahmen entlang der Elbe. Insgesamt setzte der BUND dort zwei der vier größten Deichrückverlegungen in Deutschland um. Damit entstanden rund 20 Prozent der Überschwemmungsflächen und naturnahen Auen, die seit 2009 an deutschen Flüssen wiederhergestellt wurden.

Deichrückverlegung schafft Raum für die Elbe

Ein Meilenstein war das Naturschutzgroßprojekt „Lenzener Elbtalaue“, das zwischen 2002 und 2011 umgesetzt wurde. Das Vorhaben entstand im Förderprogramm chance.natur und wurde vom BfN mit Mitteln des Bundesumweltministeriums aus dem Bundesnaturschutzfonds unterstützt.

Durch die Deichrückverlegung erhielt die Elbe rund 420 Hektar ihrer ehemaligen Überschwemmungsfläche zurück. In der neu entstandenen Auenlandschaft entwickelte sich ein vielfältiges Mosaik aus Auenwald, Tümpeln und Offenland. Dieses bietet heute Lebensraum für zahlreiche seltene Arten.

  • Schwarzstorch
  • Fischotter
  • Biber
  • Braunkehlchen

Beim Jahrhunderthochwasser im Jahr 2013 zeigte sich zudem die Bedeutung der renaturierten Flächen für den Hochwasserschutz. Die Aue trug wesentlich zur Entlastung der Region bei und senkte den Wasserspiegel lokal um bis zu 50 Zentimeter.

Weitere Renaturierungsprojekte entlang der Elbe

Ein weiteres großes Projekt wurde im Gebiet „Hohe Garbe“ umgesetzt. Im Rahmen des vom Bundesprogramm Biologische Vielfalt geförderten Vorhabens „Lebendige Auen für die Elbe“ entstand dort zwischen 2012 und 2021 auf weiteren 420 Hektar eine naturnahe Auenlandschaft.

Gleichzeitig konnte der wertvollste Auenwald der Region erhalten und weiterentwickelt werden. Die Maßnahmen schufen zusätzliche Lebensräume für bedrohte Pflanzen- und Tierarten und stärken gleichzeitig die ökologische Funktion der Flusslandschaft.

„Ich bin stolz darauf, dass es mit den Menschen vor Ort gelungen ist, die vielfältigen Interessen auszugleichen und gemeinsam diese Auen-Juwele zu entwickeln.“

Mit diesen Worten würdigte Olaf Bandt, Vorsitzender des BUND, die Zusammenarbeit mit regionalen Akteuren. Die Projekte zeigen, dass Naturschutzmaßnahmen erfolgreich umgesetzt werden können, wenn sie gemeinsam mit den Menschen vor Ort geplant werden.

Naturnahe Auen als Schlüssel für Klima- und Hochwasserschutz

Naturnahe Auen zählen zu den artenreichsten und zugleich seltensten Lebensräumen Mitteleuropas. Sie spielen eine zentrale Rolle im ökologischen Hochwasserschutz, da sie bei Fluten große Wassermengen aufnehmen und zurückhalten können.

Darüber hinaus leisten sie wichtige Beiträge zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel. Während Trockenperioden geben sie gespeichertes Wasser langsam an die Umgebung ab und wirken so stabilisierend auf das lokale Ökosystem.

Ein besonderer Fokus liegt auf der Entwicklung von Auenwäldern. Durch die Pflanzung von mehr als 150.000 Bäumen und Sträuchern hat das BUND-Auenzentrum diesen seltenen Lebensraum in den vergangenen Jahren gezielt aufgebaut und über mehr als 50 Flusskilometer hinweg miteinander vernetzt.

Neues Projekt zur Auenentwicklung gestartet

Zum Jubiläum startet ein weiteres Projekt zur Entwicklung der brandenburgischen Elbtalaue. Die Leiterin des BUND-Auenzentrums, Meike Kleinwächter, nahm dafür einen Förderbescheid entgegen.

Im Rahmen des Bundesprogramms Blaues Band unterstützt das BfN die Voruntersuchung zur „Auenentwicklung in der brandenburgischen Elbtalaue“ mit rund 410.000 Euro. Das Programm wird gemeinsam vom Bundesumweltministerium und vom Bundesverkehrsministerium finanziert.

Ziel des Projekts ist es, Hochwasserschutz und die Entwicklung von Auenwäldern stärker miteinander zu verbinden. Gleichzeitig sollen Lösungsansätze entstehen, die länderübergreifend wirken und auch für andere Flussgebiete wichtige Impulse liefern können.

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