Die Preisträger und ihre Konzepte
Am 6. September wurde auf Schloss Dyck zum vierten Mal der Europäische Gartenpreis des European Garden Heritage Network (EGHN) verliehen. Das EGHN und die Stiftung Schloss Dyck präsentierten mit Unterstützung der Baumschulen Lorenz von Ehren die drei Gewinner und sechs weitere Finalisten aus neun europäischen Ländern einem internationalen Fachpublikum.
Die international besetzte Jury, bestehend aus Mariachiara Pozzana (Italien), Gunnar Ericson (Schweden), Ed Bennis (Großbritannien/USA), Alan Thornley (Großbritannien), Roswitha Arnold, Stephan Lenzen und Jens Spanjer (alle Deutschland), berücksichtigte bei ihrer Entscheidung innovative Konzepte in Realisierung und Management, städtebauliche Aspekte, Nachhaltigkeit, die Möglichkeit aktiver Teilnahme sowie eine hohe Qualität bei Neuanlage, Wiederherstellung oder Pflege. Die Baumschule Lorenz von Ehren unterstützt diese Ziele und fördert die Wahrnehmung herausragender Parks, Gärten und Initiativen zur Gartenkultur in Europa.
Beste Weiterentwicklung eines historischen Parks oder Gartens
In der Kategorie „Beste Weiterentwicklung eines historischen Parks oder Gartens“ wurde der Park von Monserrate (Portugal) ausgezeichnet. Finalisten waren der Sommergarten in St. Petersburg (Russland) und Gunnebo Schloss und Garten (Schweden).
Die Jury hob die besondere Magie und romantische Stimmung des Parks von Monserrate hervor, die durch eine umfassende Erschließung und Rekonstruktion in den letzten 20 Jahren wieder spürbar ist. Seit 1995 ist der Park Teil der Kulturlandschaft von Sintra, die zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört. Der Verein der „Freunde von Monserrate“ trug maßgeblich zu dieser Leistung bei.
Der Park geht auf einen englischen Kaufmann zurück, dessen Residenz hier entstand. Englische Besitzer, Architekten und Gärtner prägten über Jahre hinweg einen Park, dessen vielfältige historische Ebenen bis heute erlebbar sind. Exotische Pflanzen, geschwungene Wege, eindrucksvolle Ausblicke und neue Gartenteile, wie der 2011 eröffnete Rosengarten, machen Monserrate zu einem preiswürdigen Ziel.
Zeitgenössischer Park oder Garten
In der Kategorie „Zeitgenössischer Park oder Garten“ gewann der Queen Elizabeth Olympic Park (London). Ebenfalls für das Finale qualifiziert waren Mdina Ditch (Malta) und Floor Works (Genf, Schweiz).
Der Queen Elizabeth Olympic Park dient als Beispiel für die nachhaltige Transformation eines Großereignisgeländes. Bereits für die Olympischen Spiele 2012 wurden hochwertige Grünflächen angelegt, die heute vielfältig nutzbar sind – von Picknickwiesen über kulturelle Orte bis hin zu naturnahen Wasser- und Uferbereichen. Der ressourcenschonende Rückbau wurde von Beginn an berücksichtigt. Der Park ist heute eine bedeutende grüne Oase für London.
Floor Works in Genf verbindet Pflanzen, Stahl, Schiefer, Wasser und Licht zu einem Stadtraum. Cortenstahl-Elemente bilden Wege, Skulpturen und Sitzgelegenheiten, während sich das Grün komponiert, aber wild entwickelt. Das Projekt wurde vom Büro Agence Ter (Paris) entworfen.
Mit Mdina Ditch gelang in Malta die Umgestaltung eines historischen Festungsgrabens. Hochwertige Materialien, klare Strukturen und standortgerechte Bepflanzung, insbesondere Orangenbäume, schaffen eine Promenade, die Geschichte, Architektur und Landschaft miteinander verbindet.
Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck
Der Sonderpreis der Stiftung Schloss Dyck ging an die Stiftung Realdania (Dänemark). Finalisten waren außerdem das Festival Arte Sella (Italien) und Nomadisch Grün (Deutschland).
Realdania unterstützt mit mehrjährigen Programmen die Erhaltung historischer Parkanlagen rund um Schlösser und Landgüter. Neben finanziellen Zuschüssen erhalten Eigentümer fachliche Beratung und verpflichten sich, die Anlagen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Ziel ist auch die Stärkung ländlicher Regionen durch Tourismus.
Nomadisch Grün wurde für den Prinzessinnengarten am Moritzplatz in Berlin-Kreuzberg nominiert. Auf einer ehemaligen Brache entstand seit 2009 ein Ort urbaner Landwirtschaft, Bildung und Begegnung, der Wissen zu Biodiversität, Stadtökologie und nachhaltigem Konsum vermittelt.
Arte Sella im italienischen Trentino ist seit 1986 eine internationale Freiluftausstellung zeitgenössischer Kunst. Kunstwerke aus natürlichen Materialien entstehen in Verbindung mit Landschaft und Natur und verändern sich im Laufe der Zeit. Rund 56 Werke können heute im Rahmen von Wanderungen entdeckt werden.
Der Europäische Gartenpreis verdeutlicht die Vielfalt, Innovationskraft und kulturelle Bedeutung europäischer Garten- und Parklandschaften.

